Im Porträt

Bayernpartei-Landtagskandidat mahnt: „Nicht schimpfen, sondern sachlich arbeiten“

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Geradeheraus präsentiert sich Markus Wagner. Er kandidiert für den Landtag im Stimmkreis Weilheim.
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In einer Serie zur Landtagswahl stellen wir alle Direktkandidaten aus dem Stimmkreis Weilheim vor. Heute: Markus Wagner aus Apfeldorf, der für die Bayernpartei kandidiert.

Apfeldorf – Markus Wagner kommt gerade vom Plakatieren zurück. In Schongau findet sich Wahlwerbung, auch in Weilheim. Im Heimatort des 42-Jährigen dagegen nicht, wohnt der Vater zweier Kinder doch in Apfeldorf im Landkreis Landsberg, ein paar Kilometer außerhalb des Wahlkreises Weilheim. In der Bayernpartei sei ein neues Gesicht gesucht worden, um einiges aus der vorherigen Wahlperiode vergessen zu machen, erzählt der BP-Kreisverbandsvorsitzende.

„Regina Schropp muss untragbar gewesen sein und hat viel verbrannte Erde hinterlassen“, nennt es Wagner geradeheraus beim Namen. Schropp hatte in der Bayernpartei Karriere gemacht, geriet aber wegen ihres Protests gegen den Besuch Robert Habecks und ihrer offen demonstrierten Nähe zur AfD, für die sie 2020 bei den Kommunalwahlen auch in den Kreistag einzog, in die Schlagzeilen.

„Die AfD ist nicht wählbar, von der CSU bin ich enttäuscht“

Bezug zu seinem Wahlkreis Weilheim hat Wagner genug. Geboren in Pasing, wuchs Wagner in Seeshaupt auf, machte das Abitur am Gymnasium Gilching. Nach Grundwehrdienst in Mittenwald und Murnau studierte er an der LMU München. Seit 2010 ist er Lehrer für Deutsch, Geschichte, Politik, Ethik und Philosophie an der FOS/BOS in Weilheim. „Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, vom Gymnasium an diese Schulform zu wechseln“, das Gymnasium Weilheim sei eine „Denkfabrik“.

„Die AfD ist nicht wählbar“, macht Wagner deutlich. Von der CSU dagegen sei er enttäuscht, „vor allem von der heuchlerischen Politik unseres Landesvaters“. Vom Punkt A wie Atomstrom bis hin zu C wie Coronapolitik, die 180-Grad-Wenden Markus Söders nennt Wagner „reinen Populismus“. Besonders offenkundig werde die „Heuchlerei der CSU“ bei der Bildungspolitik, ein Bereich, in dem Wagner schon von berufswegen hofft, großen Einfluss nehmen zu können. Und in dem er sich auch als Personalratsvorsitzender seiner Schule gut auskennt. Der Punkt Digitalisierung etwa bringt den Apfeldorfer auf die Palme: Gerade seien die letzten Lehrercomputer angekommen, ausrangierte und untaugliche Geräte.

„In der Bayernpartei fühle ich mich gut aufgehoben“

Mit Blick auf die Freien Wähler, wo vieles im Wahlprogramm deckungsgleich sei, kommt man derzeit natürlich nicht umhin, auch Hubert Aiwanger und das antisemitische Flugblatt anzusprechen: „Da hat er jetzt echt überzogen“, kommentiert es Wagner. Was vor allem gar nicht gehe, ist, gegen die eigene Politik zu schimpfen, „schimpfen ist zu billig.“ Stattdessen wolle er lieber sachlich bleiben und lösungsorientiert arbeiten. „In der Bayernpartei fühle ich mich da sehr gut aufgehoben“, so Wagner.

Klar unterstützt er dabei den Weg seiner Partei, dass Bayern als souveränes Land besser aufgestellt sei – „ohne diesen bundesdeutschen Wahnsinn“. Mit dezentralen Ansätzen, gerade in der Energie-, Wirtschafts- und Bildungspolitik, könne man viel erreichen, meint Wagner. Leider brauche es hierzu noch viel Innovation. „Und die Verteufelung des Autos funktioniert bei uns auf dem Land auch nicht.“

„Ich habe noch viele andere Hobbys“

Realist ist der Apfeldorfer aber auch, sieht die Bayernpartei weit weg von einer Regierungsbeteiligung, die Fünf-Prozent-Hürde ist hoch. Immerhin tritt er auf Listenplatz 6 an. „Mir geht es auch gar nicht darum, politische Karriere zu machen, ich habe noch viele andere Hobbys“, sagt er.

Eindeutig hat er einen grünen Daumen: In seinem Garten leuchten die Blüten, die Weintrauben sind fast reif. Aber er will etwas ändern. Ganz hinten im Eck grüßt der „Biesel-Bazi“, den Wagner gleich zu Beginn des Ukraine-Kriegs aufstellte, eine von ihm selbstgeschnitzte lebensgroße Holzfigur, die am Straßenrand von Apfeldorf auf einen russischen Panzer urinierte. Noch heute ist er entsetzt, dass seine Holzinstallation mit SS-Runen und Hakenkreuz beschmiert worden war. Die Polizei hat die Ermittlungen mittlerweile eingestellt.

Wagner will aufstehen, sich einbringen, aktiv sein, nicht passiv zusehen. Die Gesellschaft und Gemeinschaft will er stärken, leitet den Veteranenverein im Ort, spielt leidenschaftlich gerne Theater, am liebsten die Hauptrolle. „Für den jugendlichen Liebhaber bin ich nun langsam zu alt, aber den Tod im Brandner Kaspar würde ich gerne mal übernehmen“, meint er lachend.

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