VonKlaus Greifschließen
1300 neue Arbeitsplätze, jährliche Gewerbesteuereinnahmen von rund einer Million Euro, kein zusätzlicher innerstädtischer Verkehr und bis zum Jahr 2025 ein 70-prozentige Umstellung der Fahrzeug auf Strom: Die Deutsche Post hat bei der Vorstellung ihrer Briefzentrums-Pläne kräftig gepunktet.
Germering – Die Deutsche Post hat bekanntlich ihre Briefzentren an der Münchner Arnulfstraße und in Schorn bei Starnberg verkauft. Ersetzt werden sollen beide durch ein großes Logistikzentrum im Gewerbegebiet Germeringer Norden. Das Grundstück neben dem bestehenden Paketverteilzentrum gehört der Post schon. Was noch fehlt, ist eine Zustimmung des Stadtrats, der einen Bebauungsplan aufstellen müsste. Wenn alles klappt, soll der Neubau 2021 fertig sein.
Am Freitag stellte die Post ihre Pläne der Öffentlichkeit in der Stadthalle vor. Im Forum war dazu eigens eine kleine Hausmesse aufgebaut worden. Im Mittelpunkt stand dabei eines der neuen kleinen E-Mobile, mit denen die Post verteilt wird. Größere E-Lkws waren vor dem Eingang aufgestellt worden.
Dietmar Büdenbender, im Konzern für die weltweit insgesamt rund 22 000 Liegenschaften der Post zuständig, und Projektleiter Thomas Schlickenrieder informierten vorab umfassend, um was es der Post geht. Das bestehende Verteilzentrum in der Münchner Innenstadt sei nicht mehr zeitgemäß, die Auflagen der Stadt würden immer größer, erklärte Büdenbender. Es sei seit Jahren der Trend, dass diese Briefzentren aus den großen Städten an die Peripherie verlegt werden. Der Standort Germering sei ausführlich untersucht worden und allererste Wahl. Die Entscheidung über die Ansiedlung treffe letztlich der Stadtrat. Man wolle aber vorab die Bevölkerung informieren, was genau geplant ist. Einen Plan B gebe es jedenfalls nicht, sagte Büdenbender ganz klar: „Wir wollen nach Germering.“
Die Deutsche Post hat für ihren neuen Standort, genannt Briefzentrum 2.0, eigens einen kleinen Film drehen lassen, den Thomas Schlickenrieder vorführte und erläuterte. Dabei wird unter anderem auch ein Verkehrsgutachten vorgestellt, das den Standort als ideal vorstellt. Schlickenrieder versprach, dass das neue Verteilzentrum keinerlei zusätzlichen Verkehr erzeugen werde. Die insgesamt rund 850 Fahrzeugbewegungen am Tag würden allesamt über die B 2 und die Autobahn abgewickelt. Dabei seien die An- und Abfahrt so getaktet, dass man die Staugefahr am Aubinger und Allacher Tunnel umgehe: „Wir fahren morgens vor dem Stau los und kommen abends nach dem Stau zurück.“
Dabei wird es sich bei der Fahrzeugflotte nach und nach nur um E-Mobile handelt. Derzeit sind Schlickenrieder zufolge schon 8000 E-Fahrzeuge im Einsatz, die die Post teilweise selbst entwickelt hat. Im kommenden Jahr kommen weitere 6000 dazu. Bis zum Jahr 2025 sollen 70 Prozent aller Fahrzeuge CO2-neutral und stickstofffrei im Einsatz sein.
Die 1300 Arbeitsplätze werden laut Schlickenrieder zunächst vor allem überwiegend durch die Mitarbeiter aus München und Schorn besetzt, die mitwechseln wollen. Die Altersstruktur sei aber derzeit so, dass von einer bald zu erwartenden Fluktuation auch Germeringer profitieren könnten. Dabei handle es sich zu 94 Prozent um sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, die tariflich entlohnt werden. 87 Prozent der Stellen seien unbefristet.
Damit die Mitarbeiter ihren neuen Arbeitsplatz auch künftig bequem erreichen können, plant die Post den Einsatz von Shuttle-Bussen. Außerdem werde man mit der Stadt zusammen arbeiten, um den öffentlichen Personennahverkehr mit Bussen zu optimieren. Der S-Bahnhof Harthaus sei außerdem mit dem Fahrrad in zehn Minuten zu erreichen, erklärte Schlickenrieder.
Sollte die Stadt wegen der Post-Ansiedlung einen größeren Zuzug an Einwohnern bewältigen müssen, versprach Schlickenrieder auch Unterstützung beim Bau eines möglicherweise dann notwendigen Kindergartens.
Dass Germering von der Ansiedlung finanziell etwas hätte, machte Schlickenrieder auch klar. Weil die Verwaltung ebenfalls nach Germering umziehe, könne die Stadt mit einer jährlichen Gewerbesteuereinnahme von rund einer Millionen Euro rechnen. Außerdem erwartet er wegen der 1300 Arbeitsplätze einen Kaufkraftzuwachs von rund drei Millionen Euro, über die sich die örtlichen Geschäfte freuen könnten.
Pro und Kontra: So reagieren Germeringer auf die Pläne
Die zunächst rund 20 Germeringer, die schon um 14 Uhr zur Info-Veranstaltung der Post gekommen waren, wurden zunächst von Vertretern der Gewerkschaft Verdi begrüßt. Sie verteilten Flugblätter, in denen sie noch einmal erläuterten, warum Verdi wie schon berichtet gegen das Zentrum ist. Einer der Empfänger war dabei ein alter Bekannter von Verdi-Vertreterin Hedwig Krimmer: Bruno Baier, bekannt als langjähriger Pfarrgemeinderat von St. Martin, war bis zu seiner Pensionierung ebenfalls in der Verwaltung im Briefzentrum tätig. Er gab zu, den Plänen zunächst skeptisch gegenüber gestanden zu haben. Er befürchte, dass die B 2 den Verkehr nicht aufnehmen können, lasse sich aber gerne eines Besseren belehren. Zwiegespalten war auch Herbert Krause, Vorsitzender des Umweltbeirats.
Das Gremium habe sich allerdings noch keine abschließende Meinung gebildet, meinte er. Auch er befürchtet die Verkehrsbelastung. Die Pläne mit den E-Mobilien und die Tatsache, dass auf dem Neubau auf rund 20 000 Quadratmeter Dachfläche Solarzellen verbaut werden, seien allerdings beeindruckend. Und in seiner Eigenschaft als pensionierter Banker müsse er eigentlich die Pläne vorbehaltlos befürworten. Nicht namentlich genannt werden wollte ein Germeringer, der ebenfalls bis zu seinem Ruhestand bei der Post gearbeitet hat. Er war als Fahrer am Briefzentrum Schorn tätig.
Er erklärte, dass es da für die Mitarbeiter noch viel schwieriger gewesen sei, zum Arbeitsplatz zu kommen. Über den Standort Germering würde er sich sehr freuen. Die Zahl der Informationssucher stieg im Laufe des Nachmittags immer mehr an. Einer von ihnen war Jürgen Hönig. Der frühere Vorsitzende der Wasserwacht war beeindruckt von den Plänen und meinte, dass man sie eigentlich nicht ablehnen könne – vor allem wenn es stimme, dass Germering die Gewerbesteuer erhält
