VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Wie überzeugt man unentschlossene Bürger, dass sie zum Wählen gehen sollen? Ein kleiner Kreis um Unternehmerin Petra Waldherr-Merk versucht es mit einer witzigen Aktion.
Bad Tölz – Sie sind kaum zu übersehen: Auf einigen großen Plakatwänden werden die Menschen im Südlandkreis dazu aufgefordert, am 15. März wählen zu gehen. Davor – so eine weitere Aufforderung – sollen sie sich aber die Menschen anschauen, die zur Wahl stehen, sich ein Bild machen, damit sie wirklich die richtigen Kandidaten aussuchen können. Auch unzählige Postkarten mit dem Aufruf, zur Wahl zu gehen, sind im Landkreis im Umlauf. Dahinter steckt federführend die Gaißacher Unternehmerin Petra Waldherr-Merk. Die Hirschkuss-Chefin hat aber prominente Mitstreiter mit im Boot: Unterstützt wird die Aktion von den Tölzer Unternehmern Anton Hoefter, Achim Bürklin und Winfried Sedlmayr.
Alle vier trafen sich vor einigen Wochen bei einer politischen Veranstaltung in Bad Tölz. Dabei sei man auch mit einigen Kandidaten ins Gespräch gekommen, berichtet Waldherr-Merk. „Der eine oder andere war ganz anders, als ich gedacht habe.“ Daraus entstand die Idee, die Leute nicht nur aufzufordern, wählen zu gehen, sondern auch dazu, sich im Vorfeld für die Kandidaten wirklich zu interessieren. „Es gibt ja genug Veranstaltungen, wo man die Bewerber kennenlernen kann“, sagt Waldherr-Merk. „Das sollten die Leute auch tun, und nicht nur einfach ein Listenkreuz machen.“ Die Kommunalwahl eröffne genau die Möglichkeit, sich quer durch alle Parteien die Kandidaten auszusuchen, die man für geeignet hält.
„Es geht darum, die Wähler zu sensibilisieren“
Diese Grundidee ist auch Winfried Sedlmayr wichtig: „Es geht darum, die Wähler zu sensibilisieren.“ Die Kandidaten, die sie wählen, „sind die Menschen, die künftig ihr Schicksal bestimmen werden“, sagt der Tölzer Hotelier. Wer mache sich für den Tourismus stark, wer für einen neuen Kindergarten, wer für die örtliche Geschäftswelt? All das sollte man über die Kandidaten wissen, bevor man auf dem Stimmzettel seine Kreuzchen macht. „Die Kommunalwahl ist eine Wahl, bei der man wirklich Einfluss hat“, betonte Sedlmayr. Da eine gute Auswahl zu treffen, Zeit braucht, „empfehle ich Briefwahl. Dann kann man das in Ruhe zu Hause machen.“
Um den Wahlaufruf witzig zu verpacken, gestaltete Petra Waldherr-Merks Grafiker Postkarten mit verschiedenen Motiven. Die meisten zeigen Affen. Dazu gibt es Sprüche wie: „Nicht zu wählen ist weder Protest noch schlau“ oder „Wer nicht wählt, hat sich entschieden, nicht mit zu entscheiden“. Auf einer anderen Karte steckt ein Strauß den Kopf in den Sand. Der Spruch dazu: „Schau hin, wen du wählst, aber wähl“. Verteilt wurden die Karten unter anderem bei den Podiumsdiskussionen des Tölzer Kurier, es fanden sich aber auch Helfer, die – ehrenamtlich – Karten in alle Tölzer Briefkästen steckten. Dazu schaltete die Gruppe Anzeigen in Zeitungen, machte Werbung in sozialen Medien und plakatierte.
„Wollten uns bewusst neutral halten“
Nirgendwo auf den Karten oder Plakaten findet sich ein Hinweis, wer hinter der Aktion steckt. „Wir wollten das ganz bewusst neutral halten“, sagt Waldherr-Merk. „Und wir fanden, ein kleines Mysterium ist der Sache auch ganz dienlich“, fügt sie lachend hinzu. Natürlich habe sie und ihre Mitstreiter die Aktion „ein bisschen was gekostet“, ergänzt sie. „Aber wir wollen, dass die Leute aktiv wählen gehen und sich der Verantwortung stellen.“ Sie dazu zu bewegen, „sehe ich auch als kleine Unternehmerpflicht“.
Die Aktion endet übrigens voraussichtlich nicht am 15. März. Um auch möglichst viele Wähler bei den wahrscheinlichen Stichwahlen am 29. März an die Urnen zu bekommen, gibt es noch ein weiteres Postkartenmotiv, so Waldherr-Merk.
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