Kreuth wird „Bergsteigerdorf“. Auch die Jachenau wäre dafür ein würdiger Kandidat. Dort hat man sich mit dem Prädikat bereits auseinandergesetzt.
Jachenau – Wer sehen will, wie man Alpentäler zubetonieren und verschandeln kann, der muss nicht weit fahren und findet zum Beispiel im äußeren Zillertal abschreckende Beispiele. Mit dem Qualitätssiegel „Bergsteigerdorf“, einer Initiative des Deutschen Alpenvereins und der Bayerischen Staatsregierung, soll ein Gegenentwurf für eine naturnahe und nachhaltige Wirtschafts- und Tourismusentwicklung in den Bergen ausgezeichnet werden. In Bayern haben bereits Ramsau, Sachrang und Schleching diesen Titel. Jetzt kommt Kreuth hinzu, aber auch Jachenau wäre ein würdiger Kandidat.
Mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ilse Aigner sowie den Staatssekretären Marcel Huber und Josef Pschierer kommt am 13. Juli viel Politprominenz nach Kreuth, wenn die Gemeinde als „Bergsteigerdorf“ ausgezeichnet wird. Dieses Qualitätssiegel setzt voraus, dass Gemeinden auf einen nachhaltigen Tourismus ohne größere technische Erschließungsmaßnahmen setzen. Außerdem sollen sie an einer ortsbildtypischen Bebauung festhalten und statt Expansion auf Qualität setzen, bei der das Geld im Dorf bleibt und man sich nicht von Großprojekten fremder Investoren abhängig macht.
Bedingungen sind auch eine nachhaltige Berglandwirtschaft und Forstwirtschaft sowie ein aktiver Natur- und Landschaftsschutz. Hier sollen erholungssuchende Urlauber noch Ursprünglichkeit und Authentizität finden können. Angesichts solcher Kriterien erscheint die Jachenau mit 45 000 Übernachtungen pro Jahr für das Prädikat „Bergsteigerdorf“ geradezu prädestiniert zu sein, hatte sich vor einigen Jahren aber noch nicht für eine Bewerbung entscheiden können. „Der Alpenverein war in der Sache an uns herangetreten“, sagt Bürgermeister Georg Riesch. „Nach intensiver Abwägung des Für und Wider hatte der Gemeinderat die Sache jedoch als nicht dringlich angesehen und zur Seite gelegt.“ Man sei dafür nicht gleich „Feuer und Flamme“ gewesen, sondern habe mögliche Vorteile und Nachteile gründlich abgewogen.
Georg Riesch betonte aber, dass er für das Thema weiterhin offen sei und die Entwicklung in den vier genannten Dörfern aufmerksam verfolge: „Wir wollen natürlich so bleiben, wie wir sind“, betont er. Man wolle aber „die Entwicklung der Gemeinde weiterhin selbst steuern können und zum Beispiel über den Almwegebau, die Schaffung von Gewerbeflächen und Bauland für Einheimische und andere strukturelle Maßnahmen weiterhin in eigener Verantwortung entscheiden können“.
Auch der für Wanderwege und Loipen zuständige Gemeinderat Jost Gudelius jun. hält das Prädikat „Bergsteigerdorf“ für eine „grundsätzlich „sehr interessante Idee, weil sie unserem Konzept einer sanften Ortsentwicklung, bei der alles in der Hand der Gemeinde bleibt, voll und ganz entspricht“. Man könne damit den jetzigen Zustand der Gemeinde sichern, aber man lege sich damit natürlich auch Fesseln an. Man müsse „Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen und dabei auch die Belange von Grundstückseigentümern berücksichtigen“. rbe
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