VonTanja Brinkmannschließen
Lärm, Abgase und verstopfte Straßen: Die Belastungen für die Grainauer sind enorm. Das liegt vor allem am Eibsee und an der neuen Seilbahn Zugspitze. Darauf will Bürgermeister Stephan Märkl Verkehrsministerin Ilse Aigner ansprechen, wenn sie in sein Dorf kommt.
Grainau – 1000 Fahrzeuge allein in drei Stunden. „Ein Wahnsinn“, findet Stephan Märkl. Der Grainauer Bürgermeister hat’s am Samstag mit eigenen Augen erlebt. Von 7 bis 10 Uhr hatte er sich mit Mitgliedern des CSU-Ortsverbandes an der Straße Richtung Eibsee am Ortsausgang bei den Tennisplätzen postiert, um die Fahrzeuge zu zählen. Das war die erste Schicht. Bis 17 Uhr standen sie an dieser Stelle, weiter unten an der Loisachstraße hielt eine zweite Gruppe das Geschehen fest. Akribisch notierten sie, was in besagten zehn Stunden Richtung Eibsee rollte: An der Loisachstraße waren’s 3800 Pkw, 23 Busse und 135 Motorräder, an der Eibseestraße 3020 Pkw, 32 Busse und 135 Motorräder.
„Nur in eine Richtung“, betont Märkl. „Das heißt, die müssen auch alle wieder zurück.“ Er schätzt, dass an schönen Tagen gut 10 000 Fahrzeuge sein Dorf belasten. Eine ungute Situation, die ihm schon lange unter den Nägeln brennt. Nachdem die bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) wohl Ende August nach Grainau kommt, initiierten Märkl und sein Ortsverband die Zählung. Fakten, die er dem hohen Besuch präsentieren will, und damit auf den alten Flächennutzungsplan hinweisen möchte, in dem eine Ortsumfahrung vorgesehen ist. Schon bei der Eröffnung der neuen Seilbahn Zugspitze hatte er Innenminister Joachim Herrmann (CSU) darauf hingewiesen. Denn Märkl hat eine Ausweichstrecke im Blick – nach der Steinernen Brücke bis zur S-Kurve Richtung Zierwald. Die würde zumindest seine Grainauer entlasten.
Menschenmassen strömen Richtung Eibsee
Noch sind diese Pläne aber Zukunftsmusik. Nach wie vor zieht es Menschenmassen Richtung Eibsee – sei’s zum Baden oder zum Besuch der Zugspitze. 7000 Gäste verzeichnete die Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) am Wochenende. „Gut, aber definitiv kein Rekord“, sagt Johannes Burkart, Sprecher des Bergbahn-Unternehmens. Zumal unter den Besucher von Deutschlands höchstem Berg auch ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. „Einige verweilen nur eineinhalb bis zwei, andere drei bis fünf Stunden.“ Die Parkplätze der BZB jedenfalls waren am Samstag ab 14.30, am Sonntag ab 13.30 Uhr wieder frei. Darauf weisen die mobilen Wechselzeichenanhänger des Unternehmens hin, die bei Bedarf am Marienplatz, an der Einmündung St.-Martin-/Alpspitzstraße, an der Burg- und Zugspitzstraße, am Hotel Königshof und an der Bushaltestelle in der Grainauer Schmölz stehen. Seit diesem Jahr auch im Sommer.
Ein Hinweis, den allerdings immer wieder Autofahrer ignorieren. „Am vergangenen Wochenende haben die Wechselzeichenanlagen ab 11 Uhr volle Parkplätze angezeigt“, sagt Josef Grasegger, Sprecher der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen. Trotzdem sind etliche Richtung Eibsee gefahren und haben ihre Autos irgendwo abgestellt. Die neuen Schilder, die auf den Rettungsweg aufmerksam machen, wirken zwar inzwischen. „Die Straße ist frei, das muss man fairerweise sagen“, betont Hans Steinbrecher, Leiter des BRK-Rettungsdienstes im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Stattdessen „haben die Leute einfach in den Wiesen geparkt“, sagt Grasegger. 80 Fahrzeuge zählten seine Kollegen am Samstag, am Sonntag waren es ähnlich viele. Sie alle erwartet nun ein Bußgeld nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz. Nachträglich per Post. Denn angesichts der Masse an Parksündern waren die Polizeibeamten mit so genannten Sammellisten unterwegs, auf denen sie die Kennzeichen festhielten. „Abgearbeitet wird das Ganze jetzt im Büro“, erklärt Grasegger.
Schutzplanken liegen zur Montage bereit
Die Möglichkeit, sein Auto verbotenerweise in einer Wiese abzustellen, wird noch in dieser Woche deutlich eingeschränkt. Dann tauscht das Staatliche Bauamt Weilheim die Schutzplanken aus und verlängert den Bereich, an dem sie stehen. Ein Ergebnis des Runden Tisches, dessen Teilnehmer nach dem Verkehrskollaps am Dreikönigstag nach Lösungen gesucht haben. Die neuen liegen mittlerweile am Straßenrand bereit, wurden aber teilweise schon von Ausflüglern zur Seite geräumt. „Nachdem der Untergrund felsiger ist als gedacht, muss die Firma mit anderem Gerät arbeiten“, verdeutlicht Nadine Heiß, die zuständige Abteilungsleiterin in der Weilheimer Behörde, das Dilemma. Neben den Planken wird nun auch die Straßenmarkierung am Rand und in der Mitte erneuert. Was diese Maßnahmen bringen, bleibt abzuwarten.
