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Andreas Daschnerschließen
Der Investor für die neue Großmarkthalle in Sendling schmeißt hin - und die Stadtspitze ist ratlos. Wer finanziert jetzt den Neubau?
Riesen-Rückschlag für die Münchner Großmarkthalle! Die Büschl-Gruppe kündigte Donnerstagvormittag an: Sie zieht sich „aus der europaweiten Ausschreibung für den Bau und Betrieb einer neuen Großmarkthalle“ in Sendling zurück. „Wir haben weltweit keinen End-Investor gefunden, der das Vorhaben übernehmen und finanzieren will“, teilte Chef Ralf Büschl mit.
Damit hat die Stadt ein dickes Problem: Büschl war der einzige Bieter für den Bau der neuen Großmarkthalle. Das bestehende Gebäude ist marode, stammt von 1912. Seit 2009 plant die Stadt deshalb einen Neubau. 16 Jahre später ist weiterhin unklar, wie es weitergeht. Großmarkt-Gau!
Großmarkthalle München – wer baut jetzt weiter?
Büschl wollte das Projekt eigentlich mit der Hamburger Garbe Gruppe stemmen. Die bestand laut Büschl aber darauf, Baurecht für ein allgemeines Logistikzentrum zu erhalten. Die Ausschreibung sieht aber nur den Betrieb einer Großmarkthalle vor. Garbe war damit raus.
Büschl (will auch die Hochhäuser an der Paketposthalle bauen) schlug am Donnerstag immerhin einen Ausweg vor. Man könne die 425 Meter lange und 30 Meter hohe Halle trotzdem bauen – und sie dann an die Stadt verkaufen oder dauerhaft vermieten.
„Wir haben vier Jahre intensiv geplant, eine hervorragende Lösung in Abstimmung mit den Händlern gefunden und hätten mit diesem baulich und architektonisch klugen Konzept alle Vorgaben und Wünsche erfüllt“, erklärt Büschl. „Die Stadt kann die Pläne jederzeit von uns übernehmen und selbst umsetzen, oder wir errichten den Großmarkt für die Stadt München.“ Sollte man das gleich angehen, könnte eine Inbetriebnahme 2031 möglich sein, sagte ein Sprecher.
Einen Neubau kann sich die Stadt aber aktuell nicht leisten. Und die Halle wollte sie eigentlich nicht selbst betreiben. Die Reaktionen aus dem Rathaus klingen ratlos. OB Dieter Reiter (SPD) nannte die Nachricht „bitter“: „Wie es weitergeht, müssen sich Politik und Verwaltung in den nächsten Wochen gründlich überlegen, um zu vermeiden, dass sich ein solcher letztlich unbefriedigender Vorgang wiederholt.“
Grüne geben SPD und CSU die Schuld - die FDP will ein Kulturzentrum auf dem Gelände
Grünen-Stadtrat Christian Smolka gab der alten Stadtregierung aus CSU und SPD die Schuld am Fiasko. Sie habe „einen städtischen Bau in einer guten Haushaltslage verhindert“. Smolka: „Nun stehen wir mit weit höheren Baukosten und einer weit schlechteren Haushaltslage an demselben Punkt wie vor fast einem Jahrzehnt.“ Man müsse jetzt „alle Optionen“ diskutieren.
Möglich wäre zum Beispiel, den neuen Großmarkt am Stadtrand zu bauen. Auf dem frei gewordenen Areal wäre dann Platz für tausende Wohnungen. Eine Verlagerung aus dem Stadtzentrum fordert die FDP – sie will auf dem Gelände aber lieber ein Kulturzentrum bauen.
Der Chef der CSU/Freie Wähler-Fraktion, Manuel Pretzl, hofft jetzt auf einen „Plan B“ der Verwaltung: „Diese Pläne müssen dem Stadtrat nun schnellstmöglich vorgelegt werden, damit eine zukunftsfähige Lösung für die Großmarkthalle gefunden kann.“



