Vier Mitfahrerbänke werden schon bald in Benediktbeuern aufgestellt. Das beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig. In Schlehdorf wurden sie am Freitag eingeweiht.
Benediktbeuern/Schlehdorf – Draufsetzen und von einem vorbeifahrenden Auto mitgenommen werden: Das ist das Prinzip der Mitfahrerbänke, wie sie bereits von vielen Kommunen im Landkreis geplant werden. Derzeit wollen 19 von 21 Gemeinden mitmachen.
Das Projekt kommt unterschiedlich schnell voran. Am Freitag wurden in Schlehdorf die beiden Mitfahrerbänke eingeweiht. Die Gemeinde hatte beschlossen, die Art der Gestaltung aus dem Murnauer Raum zu übernehmen, und setzte dies in Zusammenarbeit mit dem Murnauer Künstler Johannes Volkmann und dem örtlichen Verein „oikos“ um. Die beiden Bänke bestehen aus jeweils einer dicken Holzplatte, die auf den riesigen Buchstaben „Halt“ ruht und knallrot angemalt wurden. Ähnlich wie bei einer Bushaltestelle, wurde eine hohe Stange angebracht, auf der ganz oben ein ebenfalls knallrotes M für „Mitfahrerbank“ befestigt ist. Damit sollen die Mitfahrerbänke in Murnau und Umgebung Wiedererkennungswert haben, so der Hintergedanke.
In Benediktbeuern ist man noch nicht so weit wie in Schlehdorf. Vergangene Woche wurde das Thema wieder im Gemeinderat besprochen. Wie Bürgermeister Hans Kiefersauer erläuterte, sollen die Bänke in einer Ost/West- und einer Nord/Süd-Achse aufgestellt werden. Nach Beratungen des Bauausschusses seien die Bänke in der Nähe von Bahnhof, Schwimmbad, Edeka-Markt und Altenheim vorgesehen. Die konkreten Orte sollen bei Ortsbegehungen festgelegt werden.
Gemeinderat Ralph Seifert, der als Behindertenbeauftragter des Landkreises diese Mitfahrerbänke angeregt hatte, begründete ihre Notwendigkeit mit dem demografischen Wandel. Die Zahl der alten Menschen nehme zu. „Viele von ihnen können aber irgendwann nicht mehr selber Autofahren“, sagte Seifert. Der Linienbus als Ersatz komme aber leider oft nicht in Frage, da der RVO nur dort Haltestellen einrichte, wo die Fahrgastzahlen entsprechend hoch seien. Die Mitfahrerbänke „sollen den Alltag für die älteren Menschen in unserem Dorf einfacher gestalten“, erläuterte Seifert. Die Mobilität und Selbstständigkeit von Senioren könnte so länger erhalten bleiben.
Nach der Zustimmung der Benediktbeurer Gemeinderäte sollen nun die Bänke, die über eine extra hohe Sitzfläche fürs leichtere Aufstehen verfügen, bestellt werden. Hinter jeder Bank wird ein Schild angebracht, auf dem die Wartenden ihr gewünschtes Ziel im Ort angeben können – vier Ziele werden vorerst zur Auswahl stehen. Die Kosten von rund 1000 Euro sind laut Kiefersauer „eventuell über die Dorferneuerung förderfähig“.
Ein wichtiges Thema war auch noch die Rechtslage. Hier hatte sich Ralph Seifert beim ADAC beraten lassen. Sollte einem Fahrgast beim Mitfahren etwas passieren, ist die Gemeinde nicht haftbar. Trotzdem sollen Schilder mit der Aufschrift „Benutzung auf eigene Gefahr“ an den Bänken angebracht werden, sagte Seifert. Beim ADAC habe man mit Mitfahrerbänken bislang keine negativen Erfahrungen gemacht, so Seifert weiter. „Ich hoffe, dass die Mitfahrerbänke bald von möglichst vielen Menschen genutzt werden.“ Wie berichtet, erhoffen sich auch Jugendliche dadurch eine bessere Mobilität, etwa, wenn sie zum Don-Bosco-Club wollen.
Am Dienstag, 26. Juni, wird sich dann der Bichler Gemeinderat wieder mit dem Thema Mitfahrerbänke befassen.
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Franziska Seliger