Reportage aus dem Labor

Die Alles-Tester in Garching: Wie der TÜV Süd rund 8000 Produkte im Jahr prüft

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Leiter des Labors: Martin Rempfer (oben) checkt die LED-Lampen, geprüft werden sie automatisch.
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Klettergurte, Kaffeemühlen oder Skateboards: Im Prüflabor in Garching testet der TÜV Süd rund 8000 Produkte im Jahr. Die Prüfverfahren sind oft äußerst kreativ.

Die Risse im Steinboden sind Zeichen von technischem Versagen. Was genau passiert ist? Aus sieben Meter Höhe fallen sie runter, die 100 Kilo schweren Torsi aus Metall oder Holz. Menschlichen Körpern nachempfunden. Knallen sie unten auf die harte Oberfläche, reißen sie Löcher in den Boden, „dann hat meist der Sicherheitsgurt versagt“, sagt TÜV-Laborleiter Martin Rempfer (56). Das Produkt, durchgefallen. Kann vorkommen. Der Falltest soll zeigen, wie sicher Klettergurte sind.

Mit den 100 Kilo-Dummys werden Klettergurte getestet.

Nur eine von zig Produktkategorien, die im Prüflabor des TÜV-Süd in Garching unter die Lupe genommen werden. Die Alles-Tester untersuchen dort, wie sicher oder gut verschiedene Geräte funktionieren. Rund 8000 Artikel pro Jahr werden gecheckt: Popcorn-Maschinen, Skateboards, Helme, Rasenmäher, Solaranlagen und vieles mehr. Dabei geht es meist nicht darum, ob die Produkte überhaupt auf dem Markt zugelassen werden. „Die Unternehmen lassen sie freiwillig von uns testen“, sagt Rempfer. Sozusagen als Qualitätsnachweis – oder um herauszufinden, ob bei Prototypen nachgebessert werden muss.

Die Prüfverfahren des TÜV: kreativ und nachhaltig

Um die riesige Bandbreite an Produkten zu testen, müssen die rund 150 Mitarbeiter des Labors teils kreativ werden. Standardisierte Prüfgeräte? Fehlanzeige! Die Prüfgeräte basteln Techniker, Meister oder Ingenieure oft selbst zusammen. „Vieles ist handgemacht“, sagt Rempfer. Einiges wiederverwertet. So wird schon mal ein ausrangierter Stadion-Scheinwerfer umfunktioniert, um damit Solarzellen zu testen. Er simuliert die Sonne.

Das TÜV-Prüflabor in Garching: Hier wird auf Herz und Nieren getestet.

Auf eine Konstruktion ist man beim TÜV besonders stolz: ein schwarzer Industrieroboter hinter einer Wand aus Glas. Vor ihm: Regale voller LED-Lampen. Langsam schwenkt der Roboter seinen Arm durch den Raum. An seiner Spitze, feine Sensoren. Sie messen, wie hell die Lampen leuchten. 6000 Stunden laufen die Lichter, 250 Tage. So lang müssen LEDs halten, ohne wesentlich Leuchtkraft zu verlieren. Getestet wird über den Zeitraum, wie hoch der Lichtverlust ist. „Ganz ohne Personal“, sagt Rempfer. Erfunden hat‘s sein Team.

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Von Geschmackstests bis Prüfung im Zeitraffer

Doch oft muss es schneller gehen. Eine Herausforderung: „Wir müssen dann im Zeitraffer testen“, sagt Rempfer. Er meint damit, dass die Tests den langen Lebenszyklus eines Produkts in kurzer Zeit nachbilden müssen, um die Langlebigkeit des Artikels zu testen. Das heißt: Dauereinsatz. Rempfer tritt vor eine mehrteilige Konstruktion: oben ein weißer Eimer voller Kaffeebohnen, unten eine große Plastikbox.

In der Mitte: eine Kaffeemühle. „Das ist unser Corpus Delicti“, sagt Rempfer. Die Bohnen fallen von oben in das Gerät, ganz automatisch. Die Mühle beginnt zu mahlen, mehrere Sekunden lang. Danach schwenkt ein mechanischer Arm die Mühle dreimal nach unten. Das feine, braune Pulver plumpst in den Behälter. Danach wird die Mühle gekühlt. Mehrere 1000 Durchläufe können so in kurzer Zeit simuliert werden.

Martin Rempfer bei der Prüfung einer Kaffeemühle.

Doch manchmal kommt der Einsatz von Maschinen an seine Grenzen. Dann müssen die Mitarbeiter selber ran – vor allem, wenn es darum geht, wie lecker ein Produkt ist. 28 Mitarbeiter werden daher wöchentlich geschult: Sie lernen, ob das auch schmeckt, was so ein Gerät da produziert.

Zum Beispiel bei Kaffee. Dafür kommt extra ein Kaffee-Sommelier ins Haus, der ein Geschmackstraining durchführt. Eine echte Fachabteilung der Feinschmecker.

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