Neues Behandlungskonzept

In Tagepsychiatrie in Peißenberg: Psychische Krankheiten zu Hause behandeln

+
In der Tagespsychiatrie in Peißenberg ist das StäB-Team angesiedelt.
  • schließen

Im März 2010 wurde die Tagespsychiatrie der „Lech-Mangfall-Kliniken“ in Peißenberg eröffnet. Seit mehr als einem Jahr wird dort die eine besondere Behandlungsform praktiziert, die vor allem bei den Patienten zu Hause stattfindet. Mit großem Erfolg, wie die Klinik mitteilt.

Peißenberg – Inzwischen hat sich die neue Art der Behandlung bewährt, die die „kbo-Lech-Mangfall-Klinik Garmisch-Partenkirchen“ seit dem 1. Oktober 2021 in der psychiatrischen Tagesklinik in Peißenberg für den Landkreis Weilheim-Schongau anbietet. Wie die Pressesprecherin der Kliniken, Barbara Falkenberg, mitteilt, bleibt der Patient bei der so genannten „Stationsäquivalenten Behandlung“ (StäB) in seinem gewohnten häuslichen Lebensumfeld, wird aber so intensiv und komplex betreut, als ob er vollstationär behandelt würde.

„Dieser neue Behandlungsansatz in der psychiatrischen Krankenhausbehandlung löst die Behandlungsmerkmale der stationären akutpsychiatrischen Behandlung von der äußeren Form des stationären Aufenthalts und verlagert diese in das Lebensumfeld der Patienten. Medikamentöse, ärztliche, pflegerische, sozialpädagogische, psycho- und fachtherapeutische Angebote werden unter fortlaufender, engmaschiger Überwachung des Gesundheitszustands der Patienten – je nach Bedarf auch rund um die Uhr und an allen Tagen der Woche – angeboten“, so die Pressemitteilung.

Derzeit können 20 Patienten über die Tagespsychiatrie Peißenberg mit der StäB-Methode versorgt werden. Wie die Klinik mitteilt, solle damit auch auf den gestiegenen Bedarf nach psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten und der Nachfrage nach wohnortnaher, stationärer Versorgung reagiert werden. Bis vor einem Jahr sei eine intensivere psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung ausschließlich in stationären Einrichtungen möglich gewesen, seit dem Jahr 2018 sei es unter gewissen Voraussetzungen möglich, die Patienten, bei denen eine stationäre Therapie angebracht sei, auch zu Hause zu behandeln, so die Mitteilung der Klinik.

Grundsätzlich sei eine StäB-Behandlung bei allen psychiatrischen Erkrankungen möglich, sagt die Leiterin des StäB-Teams, Sabine Kühnel. Sie biete sich aber vor allem bei Patienten an, die „auf die Vertrautheit ihrer häuslichen Umgebung angewiesen sind oder große Vorbehalte gegenüber einem Klinikaufenthalt haben, die unter starken Ängsten oder Zwängen leiden oder versorgungsbedürftige, kleine Kinder daheim betreuen, so Kühnel. Nach sechs bis zwölf Wochen seien in der Regel die Behandlungsziele erreicht und die StäB-Therapie könne beendet werden. Bei Bedarf gibt es die Möglichkeit einer Nachsorge.

Die wichtigsten Voraussetzungen für die StäB-Methode sind, dass sich das Behandlungsziel am ehesten im häuslichen Lebensumfeld des Patienten erreichen lässt und dass die Therapie zu Hause auch unterstützt wird. „Bei der Stationsäquivalenten Behandlung mit ihrem intensiven Behandlungsangebot außerhalb der Klinik handelt es sich um eine komplexe, aufsuchende, zeitlich begrenzte, akutpsychiatrische Behandlung, die durch ein mobiles, multiprofessionelles Team im unmittelbaren Lebensumfeld des Patienten durchgeführt wird“, erläutert der Chefarzt der „Lech-Mangfall-Kliniken“ Garmisch-Partenkirchen und Peißenberg, Dr. Florian Seemüller.

Wenn es gelinge, die psychische Erkrankung im häuslichen Umfeld des Patienten zu behandeln, bleibe ein selbstbestimmtes Leben im gewohnten sozialen Umfeld erhalten, so die Mitteilung. Damit könne zum Beispiel eine Regression vermieden werden, die die Krankheit aufrecht erhält und ein bekanntes Phänomen bei vollstationären Psychiatrieaufenthalten ist. Durch die StäB soll der eigenverantwortliche Umgang der Patienten mit ihrer Krankheit gefördert werden. Zudem könne auch der weitere Verlauf vorsorglich positiv beeinflusst werden, so die Klinik. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Angebote speziell auf den Patienten zugeschnitten werden können.

Für die Therapeuten aus dem StäB-Team sei diese Behandlungsform eine, die viel Fingersitzen- und Feingefühl erfordere und die Bereitschaft, Nähe zuzulassen, sagt Teamleiterin Kühnel. Für die Zeit der Behandlung werde man gewissermaßen zu einem Teil der Familie: Dadurch, dass man im Zuhause der Patientinnen wirkt, ist man noch näher an ihnen dran. Das ist sehr schön.“

Kommentare