Puchheim

Asylunterkunft soll deutlich vergrößert werden - Stadt will sich wehren

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Puchheim fordert eine gerechtere Verteilung von Asylbewerbern.
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Die Zahl der Flüchtlinge nimmt stetig zu. Auch im Landkreis geht man davon aus, dass bald wieder mehr Menschen Obdach benötigen werden. Für die Stadt Puchheim hat das direkte Auswirkungen.


Puchheim – Der Eigentümer einer Asylunterkunft im Gewerbegebiet will die vorhandenen Kapazitäten mehr als verdoppeln. Dazu wird ein weiteres Stockwerk des Gebäudes umgebaut. 

Statt bisher 160 Menschen sollen in Zukunft knapp 400 Geflüchtete in dem Gebäude an der Siemensstraße unterkommen. Damit würde diese Unterkunft zu den größten im Landkreis gehören – in einer Stadt, deren Anteil an Migranten bereits weit über dem Durchschnitt liegt. Hinzu kommen noch dezentral untergebrachte Flüchtlinge in Puchheim, etwa 60 Ukrainer in einem zentralen Gebäude an der Lochhauser Straße.

Der Bürgermeister ist alarmiert

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) ist höchst alarmiert: „Das ist nun eine Größenordnung, die wir nicht mehr stemmen können.“ All diese 460 Menschen benötigten nicht nur ein Bett, sondern Kindergartenplätze, Schulen oder eine Betreuung bei Behördengängen. Wie soll das funktionieren? „Mir gibt ja niemand einen Cent mehr für den Bau einer Kita“, erklärt Rathauschef Seidl. Und die Asylhelferkreise hätten auch Probleme, noch aktive Ehrenamtliche zu gewinnen, die unterstützen können. 2015 sei das noch anders gewesen.

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Im Zuge der ersten Flüchtlingswelle vor sieben Jahren war das mehrgeschossige Gebäude an der Siemensstraße zur Gemeinschaftsunterkunft umgebaut worden. Die Hälfte des Erdgeschosses und das zweite Obergeschoss dienen laut Seidl bereits als Wohnraum. Die Räume wurden mit Duschen und Trockenwänden ausgestattet. Soweit klappe das auch gut.

Nun sollen die zweite Hälfte des Erdgeschosses und das 1. Obergeschoss, in dem derzeit noch jede Menge Akten lagern, ebenfalls hergerichtet werden. Der Eigentümer stellt dem Landratsamt als zuständiger Behörde die Unterkunft zur Verfügung.

Heftiger Gegenwind

Doch zuvor muss der Bauantrag im Puchheimer Stadtrat behandelt werden. Dieser tagt am Dienstag. Bürgermeister Seidl ist sich bereits am Vortag sicher, dass es heftigen politischen Gegenwind geben wird. Das Gremium wird das Vorhaben wohl ablehnen. Das letzte Wort hat allerdings das Landratsamt, das die Stadt überstimmen kann. Sollte das passieren, macht Seidl klar: „Wir werden klagen.“ Das ist nicht das erste Mal: Bereits als die Kreisbehörde die Nutzung der Asylunterkunft bis zum Jahr 2035 erzwingen wollte, ging die Kommune, die nur grünes Licht bis 2030 gab, erfolgreich vor Gericht.

Gerechtere Verteilung

Was den aktuellen Fall angeht, ist für Bürgermeister Norbert Seidl klar: Die Umgebung spricht völlig dagegen, die Gemeinschaftsunterkunft noch weiter aufzustocken. Es gehe dabei vor allem um den Außenbereich. Das sei das größte Manko. „Es gibt keinen Spielplatz für Kinder oder sonst irgendwas.“ Und wenn weitere 233 Menschen kommen würden, wären darunter sicher wieder viele Kinder. „Ich darf hier baurechtlich nicht einmal einen Kindergarten unterbringen“, sagt Seidl. Also wie passe das zusammen?

Seidl fordert von der Kreisbehörde eine gerechtere Verteilung und nicht einfach nur, auf schon vorhandene Gebäude zu setzen. Der Rathauschef berichtet von einer sowieso schon sehr hohen Belastung durch Flüchtlinge und Migration in Zeiten, in denen schon alles auf Kante genäht sei. Es sei zu befürchten, dass das soziale Gefüge zerreiße, wenn es durch eine Verdoppelung der Flüchtlinge weiter strapaziert werde. Seidl ist sich sicher: „Die Akzeptanz in der Bevölkerung für diesen Schritt ist nicht mehr gegeben.“

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