Der Stadtrat setzt für den kompletten barrierefreien Ausbau des Bahnhofs auf einen neuen Außenbahnsteig auf der Nordseite und zwei Aufzüge in der bestehenden Fußgänger-Unterführung.
Puchheim – Fragen, die nicht direkt mit dem behindertengerechten Zugang zu tun haben, wurden in der Sitzung kontrovers diskutiert. Erst nach langer Debatte stimmte eine Mehrheit für eine zweite Personen-Unterführung und gegen einen Abriss des Mittelbahnsteigs.
Was die barrierefreie Erschließung an sich betrifft, waren sich alle Fraktionen einig. Die Variante mit einem zusätzlichen Bahnsteig war seit Beginn der Planungen von der Stadt favorisiert und von Behinderten- sowie Seniorenbeirat gefordert worden. Die Bahn hatte dies anfangs für unrealisierbar erklärt und wollte den Mittelbahnsteig über einen zweiten Tunnel und einen Aufzug erschließen. Erst im vergangenen November erreichten Vertreter von Stadt und Beiräten bei einem Gespräch im Verkehrsministerium ein Umdenken. Die Umbauplanung wurde neu aufgenommen, Puchheim wurde aufgefordert, seine Vorstellungen zu konkretisieren.
Die Angströhre
Würden Staat und Bahn dem Modell mit dem Außenbahnsteig folgen, wäre allerdings die zweite Fußgängerunterführung entbehrlich. Während die von den Beiräten immer als uneinsehbarer sozialer Brennpunkt („Angströhre“) bekämpft wurde, hielt die Stadt eine zusätzliche Verbindung zwischen Nord und Süd für sinnvoll. Und jetzt, wo die Stadt nach ihren Vorstellungen gefragt werde, sei das „Fenster offen“ für eine bessere Anbindung von Gewerbegebiet Nord und Planie, meinte SPD-Sprecher Jean-Marie Leone. Die Bahn dürfe gerne eine zweite Verbindung herstellen und bezahlen, aber eigentlich handele es sich um eine rein städtebauliche Maßnahme Puchheims, meinte dagegen Ramona Fruhner-Weiß (CSU).
Bedenken auch bei den Grünen: Die zusätzliche Röhre habe mit der Barrierefreiheit nichts zu tun, die Forderung danach könnte das ganze Projekt verzögern, fürchete Gisella Gigliotti. Eine große Mehrheit stimmte dennoch für die zweite Gleis-Unterquerung, die aber so weit östlich wie möglich angelegt werden soll, um als Abkürzung attraktiv zu werden.
Nicht in der Kompetenz der Stadt
Eine noch deutlichere Mehrheit war gegen den nur von den Freien Wählern geforderten Rückbau des Mittelbahnsteigs. „Der geht uns nichts an, das liegt nicht in unserer Kompetenz“, meinte etwa Reinhold Koch (ubp).
Grundsätzlich hält aber der ganze Stadtrat die Plattform nur für ein Hindernis, sollte die Bahnstrecke doch noch einmal über Eichenau hinaus viergleisig ausgebaut werden. Unumstritten waren zusätzliche Wünsche etwa zum Witterungsschutz und den Bahnsteig-Überdachungen, die aber zu gegebener Zeit in das Verfahren eingebracht werden sollen. Direkt beteiligt an der Umbauplanung ist die Stadt nicht.
Kritik am Express-Bus: Bringt nichts, wenn die S-Bahn nicht funktioniert
Im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten für die Expressbuslinie X80 von Puchheim zur U-Bahn nach Moosach hat Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) Kritik geäußert. Das Hauptproblem für den Landkreis liege in der mangelhaft ausgebauten Infrastruktur der S4-West, heißt es in einer Mitteilung an die Presse. Um einen nachhaltigen Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel zu erzielen, müsste es neben dichteren Takten auch mehr und längere Züge geben, in denen man genauso bequem sitzen kann wie im eigenen Auto. Wichtig seien außerdem zuverlässige und pünktliche Fahrverbindungen, die nicht durch einen Oktoberfestballon zum Chaos ausarten.
Seidl spielt damit auf diverse Vorfälle an, wo vermeintliche Lappalien das S-Bahn-Netz zum Erliegen brachten. Es brauche für den komfortablen und schnellen Umstieg auf andere Verkehrsträger zudem bestimmte Stationen an den Bahnhöfen, die eben dies ermöglichen. Und es seien vor allem barrierefreie Bahnhöfe erforderlich, auf die man mit dem Rollator genauso gut kommt wie mit dem Freizeitfahrrad. All das gebe es in Puchheim, einer Stadt mit 22 000 Einwohnern, nicht. Der neue Expressbus sei eine sehr wichtige und durchweg begrüßenswerte Linie. „Aber wir sollten uns mit dem X80 zur U2 kein X für ein U vormachen lassen: Die neue Linie lindert die Not, ist aber noch lange nicht die Lösung der Verkehrsprobleme für Puchheim“, schreibt der Rathauschef.