Schlachtszenen in Puchheim

Vor 65 Jahren: Als ein Hollywood-Film in der Planie Puchheim gedreht wurde

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Szene aus dem Film im Schützengraben: Gedreht wurde auf einer Wiese zwischen dem Gröbenbach und der Puchheimer Planie, hinter dem heutigen Golfplatz.

Ein riesiges Schlachtfeld, ein Star aus Hollywood und ein berühmter Regisseur: All dies durften die Puchheimer vor 65 Jahren erleben. Das Drama „Paths of Glory“ wurde nämlich nahe der Planie gedreht. Und die Bevölkerung war hin und weg. Die Puchheimerinnen sollen täglich bis zu 200 Schnitzel für die Crew gebraten haben.

Puchheim – Heute verrät die unscheinbare Wiese nichts mehr davon, dass sie einst als Schlachtfeld diente, auf dem einem US-Amerikaner der endgültige Durchbruch gelang und ein Kollege aus dessen Heimatstadt New York sich die ersten Meriten verdiente. Die Fläche zwischen Gröbenbach und heutiger Planie-Siedlung, in der Nähe des heutigen Golfplatzes, war nämlich vor 65 Jahren für einige Monate einer der Drehorte für einen Kriegsfilm, der später nicht so sehr an den Kinokassen, dafür aber bei der Kritik Furore machte.

Meisten Außenszenen in Puchheim gedreht

Hier in Puchheim entstanden die meisten Außenaufnahmen für das Drama „Paths of Glory“, das unter dem deutschen Titel „Wege zum Ruhm“ in München uraufgeführt wurde. Das Gelände war modelliert worden: Ein fast mannstiefer Schützengraben wurde ausgehoben und mit Bohlen ausgelegt, überall entstanden künstliche Explosionstrichter. Bei diesen Vorarbeiten im Frühjahr 1957 war rund ein Dutzend Burschen aus Puchheim-Ort beschäftigt.

Die Verfilmung eines französischen Romans, der teilweise auf historischen Tatsachen beruht, schildert einige Tage an der französisch-deutschen Front im Ersten Weltkrieg. Ein ehrgeiziger General will eine von den Deutschen verteidigte Anhöhe einnehmen lassen. Das Himmelfahrtskommando endet bei einem ersten Anlauf in einem Fiasko, einen zweiten Versuch verweigert das zusammengeschossene Regiment. Per Zufall werden daraufhin drei der Meuterer ausgewählt und angeklagt. Ihr als Verteidiger vor dem Kriegsgericht auftretender Kommandeur – ein Colonel Dax, im Zivilberuf Anwalt – kann sie nicht vor der Hinrichtung retten.

Filmen außerhalb der USA günstiger

In dem Original-Schwarz-Weiß-Streifen wird (amerikanisches) Englisch gesprochen, Deutsche kommen mit Ausnahme einer Sängerin in der Schlussszene (s. Infobox am Ende des Artikels) nicht vor. Die eigentlichen Feinde der französischen Soldaten, so die Moral, liegen nicht im gegnerischen Schützengraben, sondern stehen am Generalstabstisch.

Kirk Douglas wollte den Film unbedingt.

Der Star finanzierte den Film selbst

Kirk Douglas finanzierte „Paths of Glory“ selbst mit. Laut einem Biographen soll er gesagt haben, dass man wohl „keine fünf Cent“ an dem Film verdienen werde, aber er unbedingt gemacht werden müsse. Ein großer kommerzieller Erfolg wurde der Film in der Tat nicht.

Und wenngleich er von Kritikern und Zuschauern hoch gelobt wurde – eine namhafte Auszeichnung fiel nie ab, wenn man einen finnischen Filmpreis für die beste Regie nicht dazu zählt. In Frankreich war er nie direkt verboten, aber stand wegen seines vermeintlichen Angriffs auf die Ehre der Armee praktisch lange unter Quarantäne. Nur im damaligen französischen Sektor Berlins gab es tatsächlich ein Aufführungsverbot.

Kirk Douglas, der Immigrantensohn aus einem New Yorker Armenviertel, war 1957 schon ein vielbeschäftigter Schauspieler. Im selben Jahr wie „Wege zum Ruhm“ erschienen zwei weitere Filme, in denen er mitgewirkt hatte. Douglas spielte Abenteurer, Cowboys, Sklavenführer, später aber auch komplexere Charaktere.

Er überlebte einen Hubschrauberabsturz, erholte sich von einem Schlaganfall und stand sogar noch mit 92 Jahren vor der Kamera. Er starb erst im Alter von 103 Jahren. Wie sein Regisseur Stanley Kubrick hat er nie einen Oskar – außer spät den für sein Lebenswerk –erhalten. Sein Sohn Michael Douglas ist ebenfalls ein bekannter Schauspieler.

Warum der Film in Deutschland gedreht wurde, ist nie so ganz klar geworden. Hauptdarsteller Kirk Douglas, der den Colonel Dax spielte und mit seiner eigenen Firma mit produzierte, erzählte später von der damals starken amerikanischen Währung, die das Filmen außerhalb der USA günstiger gemacht habe. Aber mit einem Budget von 900 000 Dollar hätte man auch in Mexiko drehen können.

Dort hätte es allerdings kaum eine Infrastruktur wie die Bavaria Filmstudios gegeben und weniger europäische Kulissen wie das Schloss Schleißheim, beides ebenfalls Drehorte. Dass die Wahl, wenn man schon hier war, auch auf Puchheim fiel, mag aber mit der Vorgeschichte des „Schlachtfelds“ zu tun gehabt haben.

Die verlassene Gegend ohne viel Vegetation, ähnelte vielleicht den zerstörten, nordfranzösischen Landschaften des Ersten Weltkrieges. Und für die Erlaubnis, auf und neben einer planierten Müllkippe zu drehen, wird auch Grundeigentümer Alois Harbeck keine Unsummen verlangt haben.

Wie auch immer: Michael Leutenstorfer war im Frühjahr 1957 mit seinem Vater gerade beim Holzhacken, als ein Auto auf den Hof in Puchheim-Ort fuhr. So erzählte er es jedenfalls 43 Jahre später, als der Heimatverein „D’Buachhamer“ den Film im Pfarrheim vorführte und dazu Zeitzeugen eingeladen hatte. Die Leute aus dem Auto erklärten jedenfalls, sie bräuchten einige junge Männer, die bei einem Film mithelfen sollten, der in Puchheim gedreht werde. Vielleicht kam der Tipp aus dem Rathaus, denn Leutenstorfer junior war Burschen-Vorstand und hatte innerhalb kurzer Zeit ein Dutzend Freiwilliger zusammengetrommelt.

In sechs Wochen hoben die Helfer einen Graben aus, zimmerten hölzerne Ruinen zusammen, malten Kulissen, die etwa die umkämpfte Höhe zeigen sollten. Man musste zwar ranschaffen, aber es gab auch einen Wochenlohn für 150 Mark und bei der Verpflegung knauserten die Amerikaner keineswegs. Aber sie waren nur die Vor-Arbeiter, wenngleich möglicherweise drei von ihnen auch als Statisten mitwirken durften.

Jeden Tag Weißwürste und eine Mass Bier

Beim eigentlichen Dreh wurden sie nicht mehr gebraucht, wenngleich möglicherweise drei von ihnen noch als Komparsen mitgewirkt haben. Das französische Heer in Puchheim bestand vornehmlich aus drei Hundertschaften Münchner Bereitschaftspolizei. Diese Laiendarsteller, denen die Hälfte ihrer Tagesgage von 40 Mark für eine „Gemeinschaftskasse“ abgezogen wurde, mussten anfangs etwas gebremst werden: Viel zu behende und euphorisch sprangen sie aus ihrem Schützengraben, nicht wie abgekämpfte, desillusionierte Infanteristen im zweiten Kriegsjahr.

Wieviel Schaulustige dabei (und erlaubt) waren, ob halb Puchheim auf den Beinen war, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Halbwüchsige von damals, mit denen man heute spricht, fanden es eher langweilig, weil halt auch selten Action angesagt war, oder nahmen gar nicht erst den Weg zu den Möslern in Puchheim-Bahnhof auf sich. Diejenigen, die wirklich mitgewirkt hatten und die man heute nicht mehr befragen kann, wussten aber noch bei der Vorführung im Pfarrsaal viel zu erzählen.

Jeden Tag soll es Weißwürste und eine Mass Bier für alle Mitwirkenden gegeben haben. Nach einer weiteren Version wurden von angeworbenen Puchheimerinnen täglich bis zu 200 Schnitzel gebraten – wohl in einer Art Feldküche.

Ein Blick in den Wohnwagen des Stars

Der später berühmt gewordene Regisseur Stanley Kubrick tauchte in den Erinnerungen nicht auf, wohl aber der deutsch sprechende, auf seine Weise gut aussehende Hauptdarsteller mit dem markanten Grübchen über dem Kinn, der damals schon bekannt, wenn auch noch kein Star aus der ersten Reihe war. Einer wollte Gulaschsuppe mit ihm gegessen haben, ein anderer hatte noch dessen Würdigung für die Weißwürscht („sehr gut“) im Ohr. Quasi privat nahe kam Kirk Douglas aber eine Puchheimerin. Die wollte nur mal einen neugierigen Blick in dessen Wohnwagen werfen und sah plötzlich ihn höchstselbst, in ein Buch vertieft. Von einer Unterhaltung ist nichts überliefert, der Eindringling suchte wohl schleunigst wieder das Weite.

Der Regisseur fand die Liebe 

Anders als sein Hauptdarsteller hatte Stanley Kubrick, der Regisseur des Films, 1957 noch keinen größeren Namen. Gerade „Wege zum Ruhm“ verhalfen Stanley Kubrick aber zu erster breiter Anerkennung beim Fachpublikum. Der als besessener Arbeiter und Perfektionist teilweise gefürchtete Filmemacher wurde später durch Welterfolge wie das Science-Fiction-Meisterwerk „2001 – Odyssee im Weltraum“ oder den Horrorklassiker „Shining“ bekannt.

Ein Foto von den damaligen Dreharbeiten in Puchheim zeigt den noch jungen Mann allein und sinnierend in einem Schützengraben. Für Kubrick war der Film aber auch privat von großer Bedeutung: Er lernte Christiane Susanne Harlan kennen, die als einziges deutsches Ensemble-Mitglied in der Schlussszene eine Sängerin spielte. Sie wurde kurz darauf Kubricks dritte Ehefrau und blieb es bis zu seinem Tod.

Olf Paschen

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