Puchheim

„Gang-Mentalität“: Schwierige Gäste im Jugendzentrum

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Blick auf die Planie in Puchheim.

Seit Jahren berichtet Jugendzentrumsleiter Florian Lux dem Sozialausschuss des Stadtrats regelmäßig über seine Arbeit, aber selten zuvor hatte man ihn derart ernüchtert erlebt.

Puchheim – Sicher, die Besucherzahlen nähern sich nach den ersten zwei Corona-Jahren wieder Höchstwerten, der Multifunktionsplatz zum Austoben im Hinterhof ist ständig belegt, das Sommer-Ferienprogramm war ausgebucht.

Aber die steigende Zahl von schwierigen Gästen im „Stamps“ macht dem Chef und seinen Mitarbeitern immer mehr zu schaffen. Der Vandalismus hat noch zugenommen, aber keiner wills nachher gewesen sein, jüngere Jugendliche werden „massiv unter Druck gesetzt“ oder gleich „abgezockt“, das gestresste Personal bewegt sich am Rande des Burn-Outs. Ausgerechnet Sozialpädagogen sehen sich zunehmend in „eine Polizeifunktion“ gedrängt, erstmals seit Jahren wurden wieder temporäre Hausverbote ausgesprochen.

Was sind die Gründe? Lux vermutet vor allem Corona als Ursache. Zwei Jahre lang seien die Jugendlichen praktisch eingesperrt gewesen und gerade jene, bei denen sich die Eltern ohnehin kaum kümmern, hätten zuhause keinerlei Tagesstruktur mehr gehabt. 95 Prozent seiner Kids haben Migrationshintergrund, aber die Herkunft sei eigentlich weniger ausschlaggebend als die soziale Schichtung.

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Eine Art „Gang-Mentalität“ – unabhängig von nationaler Zugehörigkeit – werde inzwischen nicht nur nachgeahmt, sondern tatsächlich gelebt. Dazu gehört auch ein Sound mit menschenverachtenden Texten. „Die Werte, die da vermittelt werden, sind eine Katastrophe. Wenn ich diese Ghetto-Musik hören würde, würde ich auch aggressiv“, sagte Lux.

Im Ausschuss war guter Rat teuer. Honorarkräfte statt Sozialarbeitern für das Café im Jugendzentrum wurden vorgeschlagen, aber die Leute hinter der Theke sind nun mal auch Ansprechpartner. „Erlebnispädagogik“ empfahl eine Stadträtin, aber diejenigen, denen sie vielleicht gut tun könnte, erreicht man damit nicht. Ob vielleicht Vereine die jungen Leute einbinden könnten, wurde gefragt. „Das ist ein Phänomen,“ meinte Frontkämpfer Lux: „Die, die den meisten Stress machen, haben keinerlei Vereinsbindung, die sind hobbylos. Andere spielen – die chillen.“

Eine Möglichkeit, die bleibt, wäre, das Angebot und die Öffnungszeiten zu reduzieren, auch um die Mitarbeiter zu schützen. Und als ebenfalls angesprochener letzter Ausweg, freilich auch eine Art Kapitulation: Ein permanentes Hausverbot für die Unbelehrbaren. (op)

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