VonAndreas Steppanschließen
Sie waren lebensbedrohlich erkrankt, jetzt aber treten sie wieder kräftig in die Pedale: Die Teilnehmer der „Radtour pro Organspende“ wollen Mut machen. Und bekommen prominente Unterstützung.
Bad Heilbrunn – Dieses Mut machende Bild wollen die Teilnehmer der „Radtour pro Organspende“ in die Welt senden. Startpunkt ist in Bad Heilbrunn.
Rund 35 Radfahrer machen sich kommenden Montag in Bad Heilbrunn auf zu einer 470 Kilometer langen Radtour nach Heilbronn. Die Besonderheit: Bei den ambitionierten Freizeitsportlern handelt es sich fast ausschließlich um Menschen, die mit einem Spenderorgan leben. Die „Radtour pro Organspende“ will mit einer positiven Botschaft für das Thema sensibilisieren.
Menschen, die einmal eine tödliche Diagnose bekommen haben, sitzen jetzt wieder auf dem Fahrrad und radeln durch ganz Deutschland.
Einer der Organisatoren ist Peter Kreilkamp. Der 63-jährige Diplom-Kaufmann, der in der Region Ammersee lebt, ist Vorstandsmitglied des Vereins „Transdia Sport Deutschland“ – und weiß, wovon er spricht. Gerade erst vor sieben Monaten hat er bereits seine zweite Spenderniere transplantiert bekommen. Dass er jetzt schon wieder auf dem Rad sitzt und die sechs 65 bis 95 Kilometer langen Etappen der Radtour bewältigt, ist Teil der Botschaft der Veranstaltung.
Das gilt auch für den größten Teil der weiteren Teilnehmer. Sie haben ein Spenderherz im Körper, eine neue Niere oder auch Leber. „Menschen, die einmal eine tödliche Diagnose bekommen haben, sitzen jetzt wieder auf dem Fahrrad und radeln durch ganz Deutschland“, sagt Kreilkamp. Sie zeigen damit nach außen, dass sie dank einer Transplantation „lange leben, Familien gründen, einem Beruf nachgehen und Sport treiben“. Dafür stehen auch zwei Organspender, die für einen Angehörigen eine Niere gegeben haben und nun bei bester Gesundheit an der Tour teilnehmen. Dieses positive Bild von ihrer hohen Lebensqualität soll ein Zeichen für die Organspende setzen.
8500 Patienten in Deutschland warten auf Transplantation eines Organs
Dass Transplantierte Sport treiben, ist aus Kreilkamps Sicht aber auch für die Betroffenen selbst sehr wichtig. „Unser Credo heißt: Bewegung ist die beste Medizin“, sagt er. „Wer das Privileg hat, ein lebenserhaltendes Organ gespendet zu bekommen, hat die Pflicht, alles zu tun, damit sich dieses Organ möglichst lange in seinem Körper wohlfühlt.“
Die Botschaft der Tour unterstützt auch Dr. Doris Gerbig, Chefärztin der Abteilung Nephrologie/Transplantationsnachsorge der m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn. „Wir wollen nicht den Zeigefinger erheben“, sagt sie. Sie setzt stattdessen auf „fundierte Information und Aufklärung“. Gleichzeitig solle das fröhliche Ereignis aber auch auf die „dramatische Situation der Wartepatienten“ hinweisen. „In Deutschland hoffen rund 8500 Menschen auf die Transplantation eines Organs – jedoch sind die Wartezeiten hierfür sehr lang“, betont Gerbig. „Im europäischen Vergleich sind wir mittlerweile das Schlusslicht.“
Kreilkamp macht darauf aufmerksam, dass die Zahl der Organspenden im ersten Quartal dieses Jahres sogar noch einmal um 30 Prozent zurückgegangen sei. Die Ursachen sieht er auf verschiedenen Ebenen. Eine wichtige Rolle komme den Kliniken zu. „Sie stehen am Beginn jeder Transplantation.“ Hier brauche es die nötige Qualifikation, Sensibilisierung, Rückenstärkung und personelle Ausstattung, damit die Kliniken die Möglichkeit der Organspende im Alltag auch „auf dem Schirm“ haben und die Abläufe reibungslos funktionieren.
Holetschek ist Schirmherr der „Radtour pro Organspende“
Deswegen wollen die Teilnehmer der Radtour die Krankenhäuser würdigen – angefangen beim Startpunkt an der Fachklinik Heilbrunn, die auf die Transplantationsnachsorge spezialisiert ist und die viele Mitradler aus ihrer eigenen Reha kennen. Dort bekommt die Aktion auch prominente Unterstützung. Den Startschuss gibt der ehemalige Top-Sportler Klaus Wolfermann, der bei den Olympischen Spielen 1972 die Goldmedaille im Speerwurf gewann. Von dort führt die erste Etappe zur Kreisklinik Wolfratshausen und zum Münchner Klinikum Rechts der Isar. „In den Krankenhäusern fängt der Organspendeprozess an – die dortigen Mitarbeiter bekommen den Erfolg ihrer Arbeit in Form eines gesunden Patienten aber dann nie zu Gesicht“, sagt Kreilkamp.
Zum Etappenabschluss dieses Tages am „Rechts der Isar“ wird Gesundheitsminister Klaus Holetschek – gleichzeitig Schirmherr der Radtour – die Teilnehmer empfangen. Zur Verbesserung der Organspende-Situation in Deutschland sei auch „die Politik gefragt“, sagt Kreilkamp. Im Bundestag ist bekanntlich vor zwei Jahren die Einführung der „Widerspruchslösung“ gescheitert, es gilt also weiter die „Zustimmungsregel“.
Kreilkamp wünscht sich eine Änderung der Rechtslage und dass die Politik hier stärker auf die Expertise der Medizin hört. Bis dahin aber, betont er, hätten die Radler auf ihrer Tour „genug Organspenderausweise dabei“.
Infos
Der Startschuss zur „Radtour pro Organspende“ mit Klaus Wolfermann fällt am Montag, 18. Juli, um circa 10.30 Uhr an der Fachklinik Bad Heilbrunn, Zuschauer sind willkommen. Die Station an der Kreisklinik Wolfratshausen ist von 12.15 bis 13.15 Uhr geplant. Kurzentschlossene, die – auch eine einzelne Etappe – mitradeln wollen, sind willkommen. Infos auf www.facebook.com/transdia.rpo und www.radtour-pro-organspende.de.
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