VonPatrick Staarschließen
An Sommertagen fahren hunderte Schlauchboote die Isar hinab. Trinkfreudige Fußballmannschaften sind ebenso dabei wie Gruppen mit erfahrenen Raftguides. Was unterscheidet die Profis von den Amateuren? Der Tölzer Kurier probierte es aus.
Lenggries – Der erste Weg führt in die Ausrüstungskammer. Bevor es mit den „Sportpiraten“ auf Bootsfahrt von Lenggries nach Bad Tölz geht, bekommen alle Teilnehmer einen Neoprenanzug und ein Paddel in die Hand gedrückt. Mit dabei ist an diesem Tag auch ein Kurier-Mitarbeiter, um herauszufinden: Wie läuft eine der viel diskutierten Touren von professionellen Anbietern ab?
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Nach der Erstausstattung können sich die Teilnehmer erst mal gemütlich in die Liegestühle fläzen. Raftguide Thomas Elbl hält einen Vortrag. Es geht um die Pflicht, Rettungswesten und Helme zu tragen: „Es gibt keinen Grund, die Westen auszuziehen.“ Elbl erläutert, wie man richtig paddelt und dass man auf keinen Fall den T-Griff aus der Hand legen soll, „sonst haut’s das Paddel bei einer Welle womöglich jemand anderem ins Gesicht“. Elbl will außerdem wissen, ob Gäste mit Asthma oder Allergien an Bord sind und ob er für den Notfall irgendwelche Spritzen in Griffweite halten muss. „Ich rede jetzt so lange, bis Ihr es nicht mehr erwarten könnt, ins Wasser zu kommen“, sagt er lachend. In der Tat: Unter der Sonne wird es im Neopren-Anzug heiß wie im Tropenhaus, binnen weniger Minuten rinnen Schweißperlen den Körper hinab.
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Dann geht es weiter zum Isarufer. Auch hier gibt’s wieder Anweisungen: „Wir paddeln so, dass es schön aussieht. Wie die Römer im Takt.“ Wer aus dem Boot falle, solle sich an dem Seil an der Reling des Boots festhalten. Am besten lasse man sich auf dem Rücken durchs Wasser treiben, nicht auf dem Bauch, „denn sonst sind die Knie blau wie der Neopren-Anzug“. Dann sollen die Gäste testen, wie es sich anfühlt, mit Rettungsweste im Wasser zu treiben. In der starken Strömung ist es gar nicht so einfach, ans Ufer zu schwimmen. Was schnell auffällt: Steuermann Elbl beherrscht sein Handwerk. Während private Fahrten oft einer Fahrt mit dem Autoscooter gleichen, hält Elbl millimetergenau die Spur, rammt keinen Stein und kennt jede Kurve. Mitten in einer starken Strömung findet er einen Platz hinter einem Stein, an dem das Wasser völlig ruhig ist – ein Parkplatz. Während um das Boot die Isar tobt, können sich die Gäste in aller Ruhe und ohne einen Paddelschlag das Panorama von Blomberg und Brauneck ansehen.
Rafting-Guide kennt jeden Meter Isarufer
Seine Fähigkeiten mit dem Paddel kommen nicht von ungefähr: Alle Guides bei den „Sportpiraten“ haben eine Ausbildung nach den Standards der International Rafting Federation durchlaufen. Im theoretischen Unterricht geht es zum Beispiel um die richtige Paddel-Technik. Elbl hat gelernt, wie man ein umgekipptes Boot umdreht und wie ein Boot schnell zum Stehen kommt. Ebenso musste er zeigen, dass er im Wildwasser schwimmen kann. „Für Guides gibt es eigentlich keine fixierte Ausbildung“, sagt er. „Die ,Sportpiraten‘ haben sich dazu selbst verpflichtet.“
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Bei dieser Fahrt ist ausnahmsweise auch noch ein zweiter Raft-Guide an Bord, Detlev Gannss. Er kennt Geschichten zu jedem Meter Isarufer, deutet auf Bachstelzen, Gänsesäger und Wasseramseln. Er weist auf Besonderheiten hin, die nur wenige Einheimische kennen dürften. Beispielsweise drei Baumstämme, die am Isarufer liegen und aus einer Zeit stammen, als zwischen Lenggries und Bad Tölz noch Flößer unterwegs waren. Die Baumstämme dienten als Leitplanken. Ein paar Meter weiter identifiziert er ein Gewirr aus Ästen als Biberbau. Auch zur Isarburg hat er einiges zu erzählen. Beispielsweise, dass die Sanierung des natürlichen Wasserfalls 300 000 Euro gekostet hat: „Wir freuen uns, dass dieses Naturdenkmal erhalten bleibt.“
Am Moraltpark in Bad Tölz legt das Boot an. Dann geht es mit dem Taxi zurück nach Lenggries. Nach der Fahrt bleibt die Erkenntnis: Gleich, ob eine private oder eine gewerbliche Tour: Rafting auf der Isar macht ungeheuren Spaß. Kein Wunder, warum der Fluss so von Urlaubern überrannt wird.
