Mitarbeiter sollen ab 2032 raus

Stadt will Münchner Rathaus räumen

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Münchens Wahrzeichen bröckelt: Das Neue Rathaus ist 119 Jahre alt.
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Das 119 Jahre alte Rathaus in München zeigt deutliche Alterserscheinungen. Eine umfassende Sanierung ist geplant, doch die Arbeiten sollen bis 2032 verschoben werden. Lärm und Störungen des Betriebs sind die Hauptgründe für die Verzögerung.

Münchens Rathaus ist 119 Jahre alt. Und das merkt man. Die historische Fassade bröckelt, das Dach über der prachtvollen Juristischen Bibliothek hat massive Schäden. Die Technik ist veraltet, der Brandschutz genauso, die letzten größeren Instandsetzungen gab‘s 1984. Das Rathaus: eher ein R-alt-haus.

Das alte Rathaus in München ist rund 119 Jahre alt

Aktuell arbeiten 600 Menschen im neugotischen Gebäude von 1905 – noch. Denn die Verwaltung will das Rathaus komplett räumen lassen. Um es komplett zu sanieren.

Marodes Dach: die Juristische Bibliothek.

Eigentlich sollte die Renovierung 2027 beginnen. Jetzt empfehlen Bau- und Kommunalreferat in einer aktuellen Vorlage, die Arbeiten auf 2032 zu verschieben. Die Verwaltung soll dann in andere städtische Gebäude umziehen.

Grund für den neuen Plan: Die Arbeiten wären viel zu laut. Die Vorlage geht von einer „enormen Lärmbelastung“ aus, von einer Instandsetzung bei laufendem Betrieb müsse „aus fachlicher Sicht“ und im Sinne aller Nutzer „dringend abgeraten werden“. Ganze Zimmer und Wände müssten die Arbeiter einreißen. Presslufthämmer, Gerüste, Abbrucharbeiten – ein ordentliches Arbeiten sei da nicht mehr möglich.

Auch der Ratskeller wird komplett renoviert

Das Kommunalreferat schlägt daher vor, nur die dringendsten Arbeiten in einem Sofortprogramm (10 Millionen Euro) ab 2025 anzugehen. Der große Rest soll 2032 folgen: neue Lüftung, Wasserrohre, Heizung, Photovoltaik auf dem Dach, neue Fenster, Abdichtungen, neue Lastenaufzüge, Teeküchen, mehr Barrierefreiheit. Auch der berühmte Ratskellers im Untergeschoss wird neu, die letzten Arbeiten dort fanden 1972 bis 1975 statt. Also vor 50 Jahren.

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Eine Sanierung ab 2032 hätte laut Verwaltung auch große Vorteile: Die Stadt München müsste erstmal kaum Geld ausgeben. Sie ist aktuell eh Pleite (tz berichtete). Die Arbeiten im leeren Rathaus würden auch viel schneller gehen: in fünf bis sechs statt zehn bis zwölf Jahre. So könnte die Stadt sogar 30 Prozent Kosten sparen – ein guter Grund, denn es steht eine Gesamtsumme von 150 Millionen Euro im Raum.

OB Dieter Reiter in seinem Büro. Die Sanierung dürfte nach seiner Amtszeit erfolgen.

Verwaltung und Stadtrat sollen in der Zeit der Renovierung umziehen

Die Verwaltung könnte laut Vorlage ab 2032 in städtische Gebäude ziehen, zum Beispiel in der Herzog-Wilhelm-Straße. Die Sitzungen des Stadtrats könnten im Alten Rathaus stattfinden – oder in einem angemieteten Raum „in zentraler Lage“. OB Dieter Reiter (66, SPD), die Bürgermeister und die Fraktionen würden während der Sanierung ins vor kurzem sanierte Ruffinihaus am Rindermarkt umziehen.

Praktisch für Reiter: Sollte er 2026 wiedergewählt werden, wäre es wohl eh seine letzte Amtszeit – und die wäre ausgerechnet 2032 zu Ende. Bau-Lärm und Umzug bräuchte er nicht mehr zu fürchten. Der Stadtrat muss dem Plan noch zustimmen.

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