VonMagnus Reitingerschließen
Die Stadt Weilheim soll in den nächsten Jahren 1000 neue Bäume und Sträucher pflanzen, das hat die ehemalige Stadträtin Monika Propach beantragt. Gute Sache, so heißt es dazu aus dem Rathaus – eigentlich. Doch man sieht sich nicht in der Lage, den Antrag umzusetzen.
Weilheim – 1000 neue Bäume, Sträucher und Kletterpflanzen in Weilheim? So eine Bitte können Kommunalpolitiker ja kaum ablehnen. Immerhin kann wohl jeder unterschreiben, was Monika Propach (85) in ihrem privat initiierten Antrag ausführte: Dass das ein wertvoller Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Klimaverbesserung in der Stadt wäre. Auch gegen Überhitzung helfen schattenspende Bäume.
So hat der Klimaausschuss des Stadtrates dem Antrag bereits grundsätzlich zugestimmt und zur weiteren Beratung in die Fraktionen verwiesen (wir berichteten). Doch dort und auch in der Stadtverwaltung zeigten sich allerlei Einwände gegen einen entsprechenden Beschluss. Die Umsetzung würde man im Rathaus „personell so nicht hinbekommen“, mahnte Bauverwaltungsleiter Manfred Stork in der Juli-Sitzung des Bauausschusses. Ähnlich Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer: Zwar finde man den Antrag positiv, wolle ihn nicht ablehnen, „sondern ermutigen, in Privatinitiative Bäume zu pflanzen“. Doch die Stadt selbst könne „nur die Bäume pflanzen, die wir auch pflegen können“.
„Frage ist, inwieweit Ressourcen für Bürokratie verschwendet werden“
Segerer verwies auf eine neu gegründete „Steuerungsgruppe Stadtgrün“, der Bürger, Naturschutz-Vertreter, Fachleute und Stadtratsmitglieder angehören. Diese habe stetigen Kontakt zu den Stadtwerken und bereits konkrete Projekte avisiert – in puncto Bäume und Sträucher, aber auch Blühwiesen. „Da passiert schon sehr viel“, so Segerer, man wolle die Projekte künftig auch in einem „kleinen jährlichen Bericht“ darlegen. Doch dürfe man sich „nicht auf ,1000 Bäume’ versteifen“, sondern müsse das „ganzheitlicher sehen“. Gerd Ratter, der für die ÖDP im Stadtrat sitzt und der genannten Steuerungsgruppe angehört, wurde noch deutlicher: „Natürlich wollen wir Bäume“, betonte er, „aber die Frage ist, inwieweit Ressourcen der Stadtverwaltung für Bürokratie verschwendet werden, anstatt konkret Bäume zu pflanzen.“
Genau in diesem Sinne lautet denn auch der Beschluss des Bauausschusses: Man nehme Kenntnis von dem Antrag, so heißt es darin, sehe „bei der Umsetzung und Begleitung jedoch verschiedene Probleme und ist personell nicht in der Lage, dies umzusetzen“. Und weiter: „Gleichwohl begrüßt die Stadt weitere Baum- und Grünpflanzungen – auch auf privaten Grundstücken. Auf eigenen und öffentlichen Grundstücken wird die Stadt weiterhin selbst Bäume und Sträucher pflanzen, soweit dies möglich ist. Hierbei wird Klima- und Artenschutz in der Qualität der Pflanzungen berücksichtigt. Einer dem vorliegenden Antrag entsprechenden privaten Initiative steht nichts entgegen.“
Bürger finden, Konzept der „steinernen Stadt“ sei ein Fehler gewesen
Zudem werde die „Steuerungsgruppe Stadtgrün“ gemäß dem Gutachten des Klimaausschusses „ein gemeinsames Pflanzkonzept aus allen vorliegenden Anträgen erarbeiten und jährlich über Ergebnisse berichten“. Nicht mitgetragen wurde dieser Beschluss von den beiden CSU-Vertretern Marion Lunz-Schmieder und Klaus Gast. Der Text sei „zu wischiwaschi“, kritisierte Gast. Neben einem allgemeinen „Bewusstsein für Bäume und deren Bedeutung fürs Stadtklima“ wäre ihm zufolge wichtig, „dass die Stadt auf eigenen Flächen aktiv wird und eventuell gezielt aufforstet“.
Auch für Grünen-Vertreter Alfred Honisch blieb die Frage offen, „was sich konkret in der Stadt verbessern lässt, insbesondere auf städtischen Plätzen“. Er werde oft von Weilheimer angesprochen, die bemängeln, das Konzept der „steinernen Stadt“ sei ein Fehler gewesen. Bezüglich weiterer Bepflanzungen gebe es bereits konkrete Gespräche, versicherte Stadtbaumeisterin Katrin Fischer, auch weil Weilheim dafür noch Fördergelder zustehen würden. Wegen der vielen Kanäle und Leitungen im Boden sei das in der Altstadt schwierig – „aber wir arbeiten daran“.
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Was die Privatinitiative für mehr Grün betrifft, die sich das Rathaus wünscht, geht Antragstellerin Monika Propach übrigens mit gutem Beispiel voran. Die 85-Jährige wird mit den von ihr angeregten „1000 neuen Bäumen, Sträuchern und Kletterpflanzen“ beginnen, indem sie im Herbst Beerensträucher und Wildrosen im Gögerlviertel pflanzt.
