Milchviehbetriebe und Wohnungen durchsucht

Razzia: Tierarzt aus dem Landkreis im Visier der Ermittler

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Der Skandal um Tierquälerei in Großställen zieht weite Kreise. (Symbolbild)
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Der mutmaßliche Skandal um gequälte Tiere eines landwirtschaftlichen Betriebs in Bad Grönenbach hat den Landkreis Weilheim-Schongau erreicht. Wie berichtet, gab es am Mittwoch eine Razzia, bei der sieben Milchviehbetriebe, zwei Praxen und zwölf Wohnungen durchsucht wurden.

Weilheim-Schongau – Wie die Staatsanwaltschaft in Memmingen  mitteilte, zählte dazu auch die Wohnung eines Tierarztes im Landkreis, der in einer Praxis in Dietmannsried (Oberallgäu) arbeitet. Genauere Angaben zum Wohnort machte die Behörde nicht. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West sprach von einem Objekt im „Altlandkreis Schongau“. Gegen den Veterinär besteht der Verdacht, Tiere nicht behandelt zu haben, obwohl sie behandlungswürdig seien, heißt es. Vorzuwerfen wäre ihm dann ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Dem Veterinäramt in Weilheim war der Fall gestern noch völlig neu. „Wir waren nicht involviert“, sagt der Leiter Jens Lewitzki.

Der in Steingaden lebende Präsident des Bundesverbands der praktizierenden Tierärzte (bpt), Dr. Siegfried Moder, konnte sich gestern auch nicht erklären, um welchen Tierarzt es sich handelt. Er sprach auf Anfrage von Missständen in Bad Grönenbach, die jetzt die Staatsanwalt aufzuklären habe. Er betonte, dass es sich um einen Einzelfall handele und warnte davor, „alle 10 000 Betriebe in Bayern in einen Topf zu werfen“.

Entsetzt über das Leid der Tiere

Mit Entsetzen hat derweil der in Altenstadt praktizierende Tierarzt Michael Schneider die Bilder und das Leid der Tiere im Allgäu aufgenommen. „Es ist immer traurig, wenn solche schwarzen Schafe den Berufsstand der Landwirte und der Tierärzte in Verruf bringen“, klagt Schneider, der auch Großtiere behandelt.

Schneider erklärt das Prozedere: Gewöhnlich schließen ihm zufolge Tierärzte mit den Viehbetrieben Betreuungsverträge ab. Zu den Aufgaben der Veterinäre gehört es dann, nicht nur zu kommen, wenn eine Kuh krank ist. Die Tierärzte müssen auch regelmäßig Begehungen durchführen „und schauen, ob die Kühe gesund sind“, betont der Altenstadter Tierarzt.

Das haben die Tierärzte in Bad Grönenbach offenbar vernachlässigt. Auch Impfprogramme sind nach Meinung Schneiders nicht ausreichend durchgeführt worden. So erklärt er sich die hohe Kälbersterblichkeit.

Schneider appelliert, Kühe nicht als reine Wirtschaftsgüter anzusehen, sondern als Tiere, denen kein Leid zugefügt werden dürfe. Das „schärfste Schwert“ habe der Verbraucher in der Hand, indem er beim „Metzger seines Vertrauens“ einkaufe. Auf die Herkunft sollte auch bei der Milch und dem Käse geachtet werden, rät der Tierarzt.

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