„Habe schlimme Dinge getan“

„Habe schlimme Dinge getan“: Administrator von Kinderporno-Plattform vor dem Landgericht Regensburg 

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Walter K. war bis Ende 2020 in Untersuchungshaft. Mittlerweile wohnt er wieder bei seinen Eltern und macht eine Therapie.
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Der frühere Super-Administrator einer Kinderporno-Plattform muss sich derzeit vor dem Landgericht Regensburg verantworten.

Regensburg - Mitte 2020 kamen die Ermittler Walter K. (Name geändert) auf die Spur. Das US-amerikanische FBI hat den entscheidenden Hinweis gegeben. Der heute 30-Jährige aus der Nähe von Koblenz in Rheinland-Pfalz war damals ein führender Kopf der Internetplattform „TweenFanIsland“ (TFI). Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, bei deren Zentralstelle für Cybercrime Bayern die Ermittlungen zusammenlaufen, stuft K. als rechte Hand des Plattformbetreibers ein.

Kinderporno-Plattform im Darknet: 400 Mitglieder luden Daten hoch

Bis zu ihrer Abschaltung durch die US-Behörden im Juli 2020 war die Plattform TFI ein weltweites Forum der Pädophilenszene. Knapp 400 registrierte Mitglieder tauschten hier im Darknet kinderpornografisches Material. Was geteilt werden durfte, das war klar geregelt: Es ging um Bilder und Videos von Mädchen zwischen sechs und 16 Jahren.

Bereits im letzten Herbst beschäftigte die Plattform die 5. Strafkammer des Landgerichts Regensburg. Ein 54-jähriger Berliner (Pseudonym „Mona“) und ein 57-jähriger ehemaliger Anwalt aus Regensburg, der sich „Good Uncle“ nannte, hatten dort kinderpornografisches Material verbreitet. Sie wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Kinderporno-Plattform: „Good Uncle“ war ein Regensburger Rechtsanwalt

Der „Good Uncle“ soll zwischen Juni 2019 und Juli 2020 nahezu täglich etwas auf der Plattform hochgeladen haben, ehe die Beamten ihn bei einer Durchsuchung am 18. Juli 2020, noch auf der Seite eingeloggt, am Computer sitzend antrafen. Die Ermittler stellten bei ihm rund 900.000 Dateien sicher. Zudem war der Regensburger als Administrator am Betrieb der Plattform aktiv beteiligt.

Eine ähnlich wichtige Rolle soll auch Walter K. eingenommen haben, der vor Gericht im blauen Hemd erscheint. Vor sich hat er einen Rucksack platziert, um sich gegen Blicke und Fotos abzuschirmen. Gegenüber dem Gericht aber gibt er sich alles andere als bedeckt.

Früherer Admin von Kinderporno-Plattform: „Ich habe schlimme Dinge getan.“

Unmittelbar nach Verlesung der Anklage durch Generalstaatsanwältin Manuela Teubl räumt K. die Vorwürfe ein. Er war zuletzt in therapeutischer Behandlung und habe „eingesehen, dass ich schlimme Dinge getan habe“.

Manchmal schwer verständlich, der Angeklagte nuschelt etwas, erzählt er in groben Zügen, wie er Teil der US-Plattform wurde. Seit 2014 wisse er von seiner pädophilen Neigung. „Mit der Zeit“ sei er dann auf „szenetypische Seiten gekommen“ und immer tiefer eingestiegen.

Früherer Admin von Kinderporno-Plattform wohnt wieder bei den Eltern und hat Internetverbot

Vier Jahre später steckte er tief in den dunkelsten Ecken des Internets und sei „dann immer weiter aufgestiegen“. Die erfahrene „Anerkennung“ anderer User habe ihm „gutgetan“, sagt der 30-Jährige, der seit seiner Entlassung aus der U-Haft im Oktober 2020 wieder bei den Eltern wohnt. Die Mutter habe ihm bis heute Internetverbot erteilt.

Die IP-Adresse und somit der Internetanschluss des Elternhauses sind es, die die deutschen Ermittler von den amerikanischen Sicherheitsbehörden erhalten haben. Mitte 2020 beginnen sie, den Anschluss zu überwachen. Weil Walter K. über einen Tor-Browser surft, bekommen die Ermittler bei der Observation damals zwar mit, wann der Angeklagte im Internet ist. „Bei Tor-Paketen können wir aber nicht die genauen Inhalte sehen“, erklärt ein zuständiger Sachbearbeiter des BKA vor Gericht.

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Früherer Admin von Kinderporno-Plattform: Ermittler steigen über „Sturmleiter“ in die Wohnung

Dennoch finden die Beamten bald heraus, dass Walter K. derjenige sein muss, der auf die Kinderporno-Plattform zugreift. Am 18. Juli 2020 erklimmen Beamte es BKA das Haus der Eltern über eine „Sturmleiter“, landen auf dem Balkon des Elternhauses, überraschen aber zunächst nur die Mutter.

Durch den Wohnbereich, vorbei am nur mit Unterhose bekleideten Vater, geht es schließlich ein Stockwerk höher und in das Zimmer des Angeklagten. Die Überraschung misslingt. Seinen Laptop kann Walter K. noch rechtzeitig zuklappen und so die Verschlüsselung aktivieren.

Nach Festnahme: 30 Terabyte Material sichergestellt

„Ohne die Passwörter hätten wir die Datenträger vermutlich nicht knacken können“, gesteht der Sachbearbeiter auf Nachfrage des Gerichts ein. Geschockt vom Einsatz schweigt K. zunächst. Doch wenige Wochen später gibt er bei einer Vernehmung in Würzburg die Zugangsdaten heraus, weist die Ermittler sogar noch auf einen versteckten, gesicherten Bereich hin – und damit auf weiteres Datenmaterial.

Insgesamt konnten die Ermittler 30 Terabyte an kinder- und jugendpornografischem Material sichern. Nicht alles sei tatsächlich strafrechtlich relevant gewesen. Der Beamte spricht etwa von sogenanntem „Präferenzmaterial“. Das sind Bilder, die für sich genommen nicht strafbar sind, in der Gesamtschau aber deutliche Hinweise geben können. Auf dem verborgenen Container fanden die Ermittler Material mit teils schwerem sexuellen Missbrauch von Personen sowie sexuellem Missbrauch an Kindern.

Kinderporno-Plattform: Wo „mrgirllove“ auf „Fucknuts“ traf

Als „mrgirllove“ soll K. ab März 2019 auf TFI aktiv gewesen sein. Der Betreiber, der selbst unter dem Nicknamen „Fucknuts“ agierte, habe ihn auf einer anderen Plattform kontaktiert und eingeladen, so der Angeklagte. Schon nach wenigen Tagen sei er Super-Administrator geworden – die höchste Stufe in der Chat-Hierarchie – und stand damit über den beiden bereits Verurteilten „Mona“ und „Good Uncle“.

Der 30-Jährige lud zudem selbst insgesamt 958 Einzelbilder, verteilt auf zehn Bildergalerien hoch. Als eine Art „rechte Hand des Forumbetreibers“ (Generalstaatsanwältin Teubl) sei er zudem dafür verantwortlich gewesen, regelmäßige Backups des Forums zu sichern und damit im Bedarfsfall den Chat wieder herzustellen. Alle paar Tage sei das der Fall gewesen.

Dem Angeklagten drohen, geht es nach der Generalstaatsanwältin, vier Jahre Haft. Sein Verteidiger will auf eine Bewährungsstrafe hinarbeiten. Der Prozess ist auf vier Tage angesetzt. Kommende Woche soll bereits das Urteil folgen. (Michael Bothner)

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