„Was, wenn er mich als Geisel genommen hätte?“

Mörder auf der Flucht: Jetzt äußert sich sein Verteidiger – und erhebt schwere Vorwürfe

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Der gefährliche Mörder Rachid C. (40) war vier Tage auf der Flucht. Zu den Umständen seines Entkommens äußerte sich nun sein Verteidiger.

Update vom 9. Januar, 21 Uhr: Die Suche hat ein Ende. Am Montagabend konnte der verurteilte Mörder in Frankreich, nahe der deutschen Grenze, gefasst werden. Jetzt wird ermittelt, ob er Komplizen bei seiner Flucht hatte.

Erstmeldung vom 9. Januar, 11.30 Uhr: Regensburg – Am Donnerstag, 5. Januar, entkam der verurteilte Mörder Rachid C. (40) aus dem Fenster des Amtsgerichts in Regensburg. Dort war er wegen eines Gerichtstermins – er musste sich wegen einer Rangelei mit Gefängniswärtern in der Justizvollzugsanstalt verantworten. Diese Gelegenheit nutzte der 40-Jährige dann zur Flucht. Brisant sind nun die Aussagen des Verteidigers, der sich gegenüber bild.de äußerte.

„Ganz am unteren Level“: Verteidiger kritisiert Regensburger Sicherheitsvorkehrungen

Gemeinsam mit einem weiteren Mann hatte der Mörder 2011 einen Kiosk überfallen und die Besitzerin ermordet. Aktuell ist der verurteilte Mörder wieder in Freiheit – er befindet sich auf der Flucht. Am Donnerstag entkam er bei einem Gerichtstermin aus dem Fenster eines Raumes, in den er sich zur Beratung mit seinem Anwalt zurückgezogen hatte. Wie bild.de berichtet, war die Flucht aber detailliert geplant.

So habe Richad C. Zimmer und Fenster bereits bei vorangegangenen Terminen ausgekundschaftet. Noch in der JVA simulierte er dann eine Fußverletzung, um keine Fußfessel tragen zu müssen. Im Gerichtssaal wurden ihm dann die Handschellen abgenommen. Nach den Plädoyers zog er sich dann zur Beratung mit seinem Verteidiger in ein Zimmer zurück. Dort sprang er dann aus dem Fenster. Der Wachposten vor der Türe bekam davon zunächst nichts mit, der andere Wachposten, der vor dem Fenster aufpassen sollte, befand sich noch auf dem Weg dorthin.

Der Verteidiger von Rachid C. kritisiert nun die hiesigen Sicherheitsvorkehrungen. „Ich komme bei Gerichten in ganz Deutschland rum und muss sagen, die Sicherheitsvorkehrungen am Amtsgericht Regensburg sind leider ganz am unteren Level“, sagte Moritz Schmitt-Fricke gegenüber bild.de. Er sei schockiert über die Flucht, habe keine dahingehenden Gedanken bei seinem Mandanten wahrgenommen. Er fordert, dass die Regensburger Justiz mehr für die Sicherheit der Bevölkerung und der Verfahrensbeteiligten unternehmen. „Was, wenn er mich als Geisel genommen hätte?“

Brisante Details zur Flucht: Ein Beamter in der Schleuse, der andere bekommt nichts mit

Wie bild.de weiter berichtet, habe sich der Wachposten vor der Türe in einiger Entfernung zu dem Zimmer aufgehalten und erst nach Hinweisen des Verteidigers in den Raum gestürmt und dem Geflohenen hinterher aus dem Fenster gesprungen. Doch die zehn Sekunden Vorsprung des verurteilten Mörders reichten diesem, um zu entkommen. Denn der andere Wachposten, der vor dem Fenster aufpassen sollte, hing noch in der Ein-Personen-Schleuse der Wachtmeisterei fest.

Wo sich der Mörder derzeit befindet, ist völlig unklar. Möglich ist es, dass er in ein deutsches Nachbarland floh, da er dort Verwandte habe, mutmaßt bild.de. Ein Sprecher der Polizei sagte laut dpa, dass inzwischen 151 Hinweise zu dem Flüchtigen eingegangen seien. Leider aber bisher nichts Konkretes. Zudem würden die Abläufe im Amtsgericht Regensburg nun geprüft. (fhz)

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Rubriklistenbild: © Polizeipräsidium Oberpfalz

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