VonCarl-Christian Eickschließen
Der Wolfratshauser Schulrektor Frank Rektor Schwesig will die Schwimmzeiten aufstocken. Doch die Rahmenbedingungen seien „nicht einfach“.
Wolfratshausen – Dass „Interesse“ der Grund- und Mittelschulen, Klassen aus der Flößerstadt zum Schwimmunterricht ins interkommunale Hallenbad in Geretsried zu bringen, sei „überschaubar“. Diese Feststellung von Bürgermeister Klaus Heilinglechner in der jüngsten Stadtratssitzung ließ aufhorchen. Zumal auch Eltern auf sozialen Netzwerken wie Facebook monieren, dass viel zu selten Sportstunden im Hallenbad in der Nachbarstadt stattfinden würden.
Rückblende: Knapp 19 Millionen Euro hat der Bau des neuen Bads an der Adalbert-Stifter-Straße gekostet. Bauherrin war die Stadt Geretsried, finanziert wurde das Projekt auf der Basis eines vorher bestimmten Verteilungsschlüssels von Geretsried, dem Landkreis, den Gemeinden Dietramszell, Egling, Eurasburg, Icking, Königsdorf und Münsing – sowie der Stadt Wolfratshausen. Letztere legte knapp 250.000 Euro Investitionskostenzuschuss auf den Tisch.
Betriebskosten: Stadt übernimmt Anteil am Defizit
Von dem im Jahr 2015 geschätzten Betriebskostendefizit des Hallenbads in Höhe von 750.000 Euro (eine echte Bilanz liegt noch nicht vor) übernimmt Geretsried eine halbe Million Euro, der Rest wird auf die beteiligten Kommunen verteilt – mit Ausnahme der Gemeinde Icking. Deren Anteil am Betriebskostendefizit trägt Geretsried.
Wolfratshausen lehnte eine Beteiligung am zu erwartenden Defizit lange Zeit ab. Schließlich sorgte ein Bürgerbegehren für einen Meinungsumschwung – angesichts von 4500 Unterstützer-Unterschriften ließ es der Stadtrat nicht mehr auf einen Bürgerentscheid ankommen. Mit 22:0 Stimmen votierte das Gremium im Februar 2018 für eine über die Baukosten hinausgehende Beteiligung an dem interkommunalen Projekt. Eine Zweckvereinbarung räumt der Flößerstadt nach 25 Jahren ein Kündigungsrecht ein und deckelt den Betriebskostenzuschuss für die Dauer von zehn Jahren auf 105.000 Euro jährlich.
Alle zwei Wochen gehen zwei Klassen zum Schwimmen
Und jetzt, ein gutes Jahr nach der Eröffnung des Hallenbads, nutzen Wolfratshauser Schulklassen es nicht? Das stimme so nicht, betont Frank Schwesig, Rektor der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg, gegenüber unserer Zeitung. „Wir nutzen schon seit Jahren alle zwei Wochen die Wasserzeit für zwei Klassen“, berichtet Schwesig. Seit der Schließung des Hallenbads im Dietramszeller Ortsteil Ascholding Ende 2020 respektive seit Eröffnung des interkommunalen Bads im September vergangenen Jahres „fahren wir nach Geretsried“, so der Schulleiter.
Konkret: „Dabei ist jeweils eine Grundschulklasse mit einer Mittelschulgruppe – Mädchen oder Buben der achten Klasse, später dann auch der neunten Klasse.“ Festgelegt werde das „in einem 14-tägigen Plan“, erklärt Schwesig. Er legt Wert auf die Feststellung: „Wir sind in der Grundschule schon immer mit allen dritten Klassen zum Schwimmen gefahren, um eine Schwimmsequenz in der Grundschulzeit für jedes Kind zu gewährleisten.“ Schwesig hat recherchiert: Im vergangenen Schuljahr „hatten wir drei dritte Klassen und so haben sich die Schwimmzeiten auf drei Klassen verteilt – mit fünf bis sechs Schwimmterminen.“ Fürs Schuljahr 2022/2023 stellt der Rektor fest: „Wir haben fünf dritte Klassen und dadurch verteilen sich die fixierten Schwimmzeiten auf fünf Klassen. Dieses Jahr hat jede Schwimmklasse der Grundschule vier Termine.“
Wir haben knapp zwei Stunden Aufwand, im Wasser sind die Kinder aber nur etwa 50 bis 55 Minuten.
Aus seiner Sicht „ist das für die Grundschule zu wenig“. Schwesig will die Schwimmzeiten aufstocken, gibt aber zu bedenken, dass die Rahmenbedingungen „nicht einfach sind“. Das beginne mit der Suche nach den Lehrerinnen beziehungsweise Lehrern, die Schwimmunterricht erteilen dürfen. Erste Voraussetzung: „Das Rettungsschwimmabzeichen in Silber.“ Die Prüfungsleistungen: 400 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten, davon 50 Meter im Kraul-, 150 Meter im Bruststil und 200 Meter in Rückenlage. Dazu 300 Meter Schwimmen in Alltagskleidung in höchstens zwölf Minuten. Schaffen müssen die Prüflinge auch einen Sprung vom Drei-Meter-Brett sowie 25 Meter Streckentauchen.
Zu Schwesigs Studienfächern zählte Sport, er ist Rettungsschwimmer. Das alleine reicht aber nicht aus, benötigt wird darüber hinaus die „Lehrbefähigung Schwimmen“. Schulleiter Schwesig rechnet vor: Zu seinem Kollegium zählen rund 50 Lehrkräfte, Rettungsschwimmer mit Lehrbefähigung wie er selbst, „das sind knapp zehn Prozent“.
Zudem müssten die Schwimmklassen immer von mindestens zwei Erwachsenen ins Hallenbad begleitet werden. Das kann der Rektor der Hammerschmiedschule nur gewährleisten, weil er auf die Unterstützung von Robert Klingel, Vorsitzender des DLRG-Ortsverbands Schäftlarn-Wolfratshausen zählen kann. „Und einen Vater habe ich noch gewinnen können.“
Schwimmunterricht: „Das mache ich wahnsinnig gerne“, sagt der Schulleiter. Doch zu den personellen Herausforderungen gesellt sich die organisatorische. Stundenpläne müssen mit den Belegungszeiten des Hallenbads synchronisiert werden – und immer muss die Zeit berücksichtigt werden, „die wir auf der Straße verbringen“. Für den Schwimmunterricht ist eine Doppelstunde vorgesehen, „im Wasser sind die Kinder aber nur etwa 50 bis 55 Minuten“.
Schule soll um Schwimmbecken erweitert werden
Womit wäre Schwesig wirklich geholfen? „Im Endeffekt nur mit einem Lehrschwimmbecken im eigenen Haus.“ Das ist in den Planungen für die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmied vorgesehen. Zeitnah ist mit der Realisierung nicht zu rechnen. Derweil arbeiten Schwesig, sein Kollegium und freiwillige Helfer weiter daran, in Sachen Schwimmunterricht „alles unter einen Hut zu bringen“.
Alle Nachrichten aus Wolfratshausen lesen Sie hier.
Josef Märkl, Rektor der Grund- und Mittelschule in Waldram, hat dieselben Herausforderungen zu meistern. Beschwerden, dass seine Schützlinge das Geretsrieder Bad zu selten nutzen, sind ihm bis dato nicht zu Ohren gekommen. Märkl berichtet auf Anfrage: „Wir bieten für die Grund- und Mittelschule an drei Wochen pro Monat zwei Stunden Schwimmunterricht an.“ Das heiße: Jede Klasse, aktuell sind’s zwölf Grundschulklassen sowie sechs Mittelschulklassen, „bekommt zwei Termine pro Schuljahr“.
cce
Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.
