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Carl-Christian Eick
Bettina Sewald
Volker Ufertinger
Der Donnerstag war der erste Tag , an dem man sich in den Rathäusern für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ eintragen konnte. In Icking stellten sich Künstler in den Dienst der Aktion.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Josef Brustmann kam, sah und sang: „Summ Summ Summ, der Mensch der ist so dumm.“ Der Ickinger Liedermacher und Kabarettist hatte das berühmte Kinderlied dem Ablass entsprechend umgedichtet. Verfasst hatte er zudem als fiktiver „Dokumentarist“ ein spitzfindiges Pamphlet zum Untergang von Natur und Menschheit, dass er nur aus einem Grund tatsächlich habe schreiben können: „Weil in Wolfratshausen alles erst 20 Jahre später passiert.“
Etwa 40 Ickinger waren der Einladung zur Auftaktveranstaltung zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ vor dem Rathaus am Donnerstag gefolgt. Anders als Brustmann ließ sich der Künstler Peter Spielbauer nicht zu einer Darbietung hinreißen: „Dafür ist das Anliegen zu ernst.“ Stattdessen richtete Spielbauer kritische Worte in alle Richtungen: „Die, auf die es heute ankäme, die Bauern, die sind noch nicht da.“ Ein Miteinander sei aber wichtig. Bevor alles Leben ausgerottet sei und der Mensch, wie es aktuell in China geschehe, selbst die Pflanzen bestäuben müsse.
Das Miteinander von Umwelt- und Artenschützern sowie Landwirten unterstrich auch die Initiatorin der Aktion, Dr. Beatrice Wagner, die als Bündnis Isartal eingeladen hatte: „Wir wollen das hier mit den Bauern schaffen.“ Es bringe nichts, Feindbilder zu zeichnen. Impressario Wolfgang Ramadan, dessen „Bienen-Video“ im Netz viele Diskussionen angestachelt hat, sagte: „Das Volksbegehren sollte eigentlich heißen ,Rettet die Kleinbauern.‘“ Für den Kulturmanager ist das größte Problem der Bauernverband, der nur die Interessen der Großbetriebe vertreten würde. Im Anschluss an die Veranstaltung ging ein Großteil der Zuhörer ins Ickinger Rathaus, um sich in die Unterschriftenliste einzutragen.
In den Landgemeinden hielt sich der Andrang am ersten Tag des Volksbegehrens in Grenzen. In Münsing hatten sich bis in die Mittagsstunden etwa 40 Bürger eingetragen, ebenso in Egling und in Eurasburg. „Es geht tröpferlweise“, berichtete eine Mitarbeiterin des Münsinger Rathauses. Das Aufkommen sei normal für ein Volksbegehren. Nur das Thema Rauchverbot, das stark polarisierte, habe mehr Bürger auf die Beine gebracht. Einen Ausreißer nach oben verzeichnete die Gemeinde Icking. Dort, wo Josef Brustmann vormittags sein „Summ-Summ-Summ“-Lied gesungen hatte, machten sich in den ersten Stunden rund 70 Bürger mit ihrer Unterschrift für das Volksbegehren stark. Für den Nachmittag erwarteten die Rathaus-Mitarbeiter einen weiteren Schwung.
In Geretsried brachte das Volksbegehren dem Rathaus am ersten Tag eine hohe Frequenz. „Es war durchweg eher viel als wenig los“, so die Geschäftsführende Beamtin Ute Raach. Im Eingangsbereich des Rathauses hätten sich mitunter sogar Schlangen gebildet. Bis 16 Uhr waren rund 300 Frauen und Männer in das Verwaltungsgebäude gekommen, um sich einzutragen.
130 Bürger hatten bis Donnerstag um 12.15 Uhr im Wolfratshauser Rathaus für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben. „Das ist nicht wenig“, stellte Bürgermeister Klaus Heilinglechner vier Stunden nach dem Auftakt der bayernweiten Aktion fest. Binnen zwei Wochen müssen die Initiatoren des Volksbegehrens, unter anderem Grüne und ÖDP, wie berichtet rund eine Million Stimmen sammeln.
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Er, der Bürger Heilinglechner, werde sich nicht in die Unterschriftenliste eintragen, antwortete der 51-Jährige auf Nachfrage unserer Zeitung. Bis zu seiner Wahl zum Rathauschef im März 2014 führte Heilinglechner einen landwirtschaftlichen Bio-Betrieb in Weidach. „Ich bin definitiv für Artenvielfalt“, betonte er – doch er hadere insbesondere mit einer der zentralsten und zugleich umstrittensten Forderung von Grünen und anderen: Der Ökoanbau im Freistaat soll stark steigen – auf 30 Prozent bis zum Jahr 2030. Derzeit sind’s in Bayern etwa zehn Prozent, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beträgt der Anteil von Bio-Betrieben laut Heilinglechner zirka 17 Prozent.
Eine Mehrung sozusagen vorzuschreiben ist für ihn der falsche Weg: „Die Initiatoren des Volksbegehrens machen es sich in meinen Augen da etwas zu einfach. Denn es muss auch der Absatz der Bio-Produkte gewährleistet sein.“ Die Meldung, dass die Anbieter der Nachfrage nicht Herr werden würden, hält er für eine Mär. Und: Er wehre sich dagegen, dass die Landwirte „unter Generalverdacht“ gestellt würden, nicht genug für Tier-, Natur- und Umweltschutz zu tun.
„Wer das Volksbegehren unterstützt, tut etwas für sein gutes Gewissen, aber er ändert sein Konsumverhalten nicht“, befürchtet Heilinglechner. Er denke nicht, dass der Verbraucher zu Bio-Produkten aus Bayern greifen wird, solange in den Regalen großer Discounter preiswertere Bio-Lebensmittel „aus Italien oder Griechenland stehen“. Hier sei die Politik gefragt, „aber das ist ein anderes Thema“.
Zusätzliche Rathaus-Öffnungszeiten – eine Forderung von Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt – wird es in Wolfratshausen nicht geben. Er sei überzeugt, so der Bürgermeister am Donnerstag, dass der, der das Volksbegehren unterstützen will, dazu während der üblichen Geschäftszeiten genügend Möglichkeiten habe.


