Das neue Konzept ist aufgegangen

Richard-Strauss-Festival: Der Landkreis muss ins Boot

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Sein Konzept ist aufgegangen: Alexander Liebreich, der beim zweiten Open Air in Ettal das Brno Philharmonic Orchestra dirigiert, hat mit seinem Programm überzeugt.
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Noch liegt die Endabrechnung nicht vor. Schon jetzt steht fest, dass 20 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr das Richard-Strauss-Festival erlebt haben. Um auch 2019 in Ettal und anderen Orten zu gastieren, muss sich der Landkreis finanziell einbringen.

Garmisch-Partenkirchen – Alexander Liebreich hat sein Herz verloren. Nicht an eine andere Frau, sondern an Garmisch-Partenkirchen. „Eine Woche bin ich jetzt durch den Ort geradelt und habe ihn lieben gelernt.“ Gerade die kleinen Straßen, die versteckten Winkel und die historischen Zentren haben es ihm angetan. Bringen ihn regelrecht zum Schwärmen. „Zauberhaft“ nennt er seine Entdeckungen, die ihn in seiner Linie bestärken. Das Ziel des Künstlerischen Leiters des Richard-Strauss-Festivals ist es, sein Programm noch mehr nach außen zu tragen. Die einmalige Natur und besondere Spielstätten einzubinden. „Mein großer Wunsch ist, fürs kommende Jahr eine Art Konzertscheune zu finden.“

Seine Ideen kommen an. Und sorgen für frischen Wind. Das zeigen alleine die Zahlen. Knapp 6000 Gäste haben die verschiedenen Veranstaltungen während der neun Festival-Tage besucht. „20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr“, betont Dr. Christian Wolf erfreut. Dazu kommen unzählige positive Rückmeldungen, die ihn und das übrige Festival-Team erreicht haben. „Gerade die Open-Airs waren großartig“, sagt der Dramaturg, der bis vor wenigen Monaten das Strauss-Institut leitete. „Ich bin sehr froh, dass das so wunderbar geklappt hat.“ Der Innenhof von Kloster Ettal sei prädestiniert für Konzerte. „Weitläufig, aber es verliert sich nicht“, findet Wolf. „Einfach einzigartig.“

Mangelnde Festival-Atmosphäre im Ort bleibt Thema

Das Konzept, neue Spielstätten und andere Formate einzubinden, ist seiner Meinung nach voll aufgegangen. Das haben die beiden Musik-Wanderungen und der Abend am Wank, der bei feuchtkalten fünf Grad zu seinem Bedauern in der Sonnenalm stattfinden musste, das Kamingespräch mit Skistar Felix Neureuther sowie die Konzerte in Ettal gezeigt. Auch viele Skeptiker, die zunächst gegen die Freiluft-Veranstaltungen gewettert hatten, konnten die Festival-Macher überzeugen. „Die Verhaftung in der Vergangenheit ist schwierig“, meint Wolf. „Die Leute trauern oft Dingen nach, die aufgegeben werden mussten, weil sie nicht angenommen wurden.“

Einen Kritikpunkt, in dem es um die mangelnde Festival-Atmosphäre im Ort geht, haben sich Wolf und Liebreich aber schon zu Herzen genommen. Den Eingang in die Alpspitzhalle im Olympia-Eissportzentrum beispielsweise, der seit diesem Jahr über die Curlinghalle erfolgt, haben sie da im Blick. Außerdem schwebt Liebreich „eine Belebung, etwa mit jungen Musikern in Lokalen“ vor. Auch der Auftritt in der Marktgemeinde, „der nächstes Jahr sicher farbiger wird“, liegt ihm am Herzen. Der Künstlerische Leiter nimmt bei diesem Thema ebenso den Förderkreis Richard-Strauss-Festspiele in die Pflicht. „Ich sehe ihn als Freund, der die Aufgabe hat, das Festival zu fördern.“ Daneben und neben besagter Konzertscheune will er 2019 auf die Zugspitze gehen. Der Gipfelblick, einer der neuen Gastronomie-Bereiche auf knapp 3000 Metern Höhe, bietet sich dazu an – „auch für Kammermusik“, sagt Wolf, „da wir ja drinnen bleiben“. Liebreich strebt zudem eine Fortsetzung der Open-Air-Konzerte in Ettal an.

Nicht allein auf Kosten der Marktgemeinde

Ein Gedanke, mit dem sich Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) anfreunden kann. „Aber nur, wenn der Landkreis mitzahlt“, betont sie. Nur unter diesen Umständen sei es möglich, auch Konzerte außerhalb von Garmisch-Partenkirchen anzubieten. Den Ansatz, Richard Strauss und sein Werk in die Region hinauszutragen, findet sie richtig. Allerdings nicht alleine auf Kosten der Marktgemeinde. Zur Erinnerung: Garmisch-Partenkirchen bringt sich mit 330 000 Euro beim Festival ein. Das zweite Drittel stammt von Sponsoren, Förderkreis, Stiftungen und Eintrittsgeldern – „das haben wir auch hinbekommen“, betont Liebreich. Das verbleibende Drittel soll über Zuschüsse erbracht werden. Da hapert’s noch. 180 000 Euro gibt der Freistaat. Vom Landkreis sind aus dem Landesausstellungs-Topf, in deren Rahmen die Konzerte in Ettal stattgefunden haben, nur 30 000 Euro geflossen. „Da muss etwas passieren.“

Noch liegt die Endabrechnung nicht vor. Die Zahlen erwartet Wolf im Herbst. Parallel dazu wird am neuen Programm gebastelt. Und daran, aus welchen Quellen für 2019 Geld fließt. Eine sollte der Landkreis sein. Deshalb findet er es positiv, dass Landrat Anton Speer (Freie Wähler) das Konzert mit der Alpensinfonie erlebt hat. Auch, dass er etliche Kreisräte unter den Zuschauern entdeckt hat. „So wissen sie, um was es geht.“ Und haben vielleicht auch ihr Herz verloren – an Richard Strauss.

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