Verbesserungsbedarf in puncto Außendarstellung

Richard-Strauss-Festival ist angekommen bei Garmisch-Partenkirchnern

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Gibt auch beim Richard-Strauss-Festival den Ton an: Künstlerischer Leiter Alexander Liebreich, der in Ettal das Rundfunk Sinfonieorchester Prag dirigierte.
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Die Verbindung mit der Natur kommt an – bei Publikum und Künstlern. Das hat sich beim zweiten Richard-Strauss-Festival unter Leitung von Alexander Liebreich gezeigt.

Garmisch-Partenkirchen – Alexander Liebreich ist dankbar. Vor allem fürs Wetter, das ihm viele Zuschauer bei den Freiluft-Konzerten am Wank und im Innenhof von Kloster Ettal, aber auch auf der Zugspitze bescherte, wo das Bergerlebnis vor dem Auftritt des Pianisten Piotr Anderszewski im Fokus stand. Dankbar aber auch für den Publikums- und Medienzuspruch sowie für das Team, mit dem er sein zweites Richard-Strauss-Festival organisieren durfte. Die neun Tage im Zeichen des weltberühmten Komponisten sind gut gelaufen, der Künstlerische Leiter ist äußerst zufrieden. Auch mit der Resonanz der Garmisch-Partenkirchner. „Die Leute setzen sich mehr und mehr damit auseinander.“

Ähnliche Erfahrungen macht Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD): „Das Festival ist mittlerweile bei der Bevölkerung angekommen.“ Das zeigte sich gerade in Ettal, wo sie unter den jeweils gut 1100 Zuhörern viele bekannte Gesichter entdeckte, „die ich vorher noch nie in einem klassischen Konzert gesehen habe“.

Strauss-Festival soll im Ort sicht- und erlebbar werden

Meierhofer hat sich in den vergangenen Tagen etliche Notizen gemacht, viel mit Besuchern gesprochen. All das fließt in die Manöverkritik ein, die in den kommenden Wochen ansteht. Ein Thema dabei ist sicher die Außendarstellung des Festivals. „Die ist personalbedingt etwas auf der Strecke geblieben“, bedauert Meierhofer. Die Akzeptanz für die Reihe ist zwar Liebreich zufolge gestiegen, „aber wir müssen’s im Ort auch sicht- und erlebbar machen“. Vorstellen kann er sich eine noch stärkere Kooperation mit den Musikschulen, deren Talente nicht nur bei der Open Stage, sondern auch während der Woche auftreten könnten.

Anschauen will er außerdem die kleinen Formate – die Besucherzahlen bei der Lesung mit Ulrich Matthes sowie bei den Gesprächen mit Dame Felicity Lott und Helmut Lachenmann ließen zu wünschen übrig. „Vielleicht müssen diese Angebote dem Publikum erst nahegebracht werden“, vermutet die Bürgermeisterin. Das benötige Zeit, zumal sie nicht allein auf die Resonanz, sondern auch auf den künstlerischen Anspruch Wert legt.

An dem liegt auch Dr. Dominik Sedivy, Leiter des Richard-Strauss-Instituts. Nach dem Weggang von Dr. Christian Wolf musste er relativ kurzfristig bei der Organisation einsteigen und sich in einem neuen Team zusammenfinden. „Das hat sehr gut geklappt, wir haben harmonisch und ohne Reibungsverluste zusammengearbeitet.“

Festival-Organisation muss auf neue Füße gestellt werden

Das hervorragende Miteinander hebt auch Meierhofer hervor, die gerne mit dieser Mannschaft 2020 weitermachen würde. Den Rahmen gelte es allerdings noch festzuzurren, möglichst in einer eigenen GmbH. Wo diese angesiedelt wird, ob beim Markt oder GaPa-Tourismus, womit sie allerdings dem kommunalen Vergaberecht unterliegen würde, oder bei einem Verein, etwa den Freunden des Richard-Strauss-Festivals, muss noch geklärt werden. Bis September will Meierhofer diese Angelegenheit in trockenen Tüchern wissen. Bereits am 9. Juli geht es um Liebreichs Vertragsverlängerung. Sein aktueller gilt zwar noch ein Jahr. Um aber darüber hinaus Künstler zu verpflichten und ein hochwertiges Programm festzuzurren, „braucht er mindestens ein Jahr Vorlauf“.

Schon jetzt steht fest, dass das Festival 2020 mit einem Staatsempfang in Kloster Ettal eröffnet wird. Am ersten Wochenende, 19. und 20. Juni, gastieren dort die Bamberger Symphoniker und geben „Ein Heldenleben“ und „Eine Alpensinfonie“ von Strauss zum Besten. Das zweite Wochenende dreht sich dann um die Auseinandersetzung mit Beethoven, wobei – gefördert vom Staatsministerium für Kultur und Medien – eine szenische Aufführung der Oper Fidelio im Mittelpunkt steht. „Am zweiten Abend bieten wir aber ein Strauss-Konzert“, versichert Liebreich. Denn auch diese Kritik, dass vielen in diesem Jahr zu wenig Strauss auf dem Programm stand, nimmt er sich zu Herzen. Rein dessen Werke zu spielen, lehnt er aber ab. „Man muss sich auch mit seinem Geist auseinandersetzen, ihn, den universal Denkenden, den Weltbürger, im Kontext zu anderen Künstlern sehen.“ Dem schließt sich Meierhofer an: „Richard Strauss war schließlich nicht nur ein berühmter Komponist, sondern auch ein Dirigent, der die Salzburger Festspiele mitbegründet hat.“ Auch dort erklinge nicht allein Mozart.

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