Hitzestress auf der Weide

Immer schön kuhl bleiben: Experten erklären, was Rindern an heißen Tagen gut tut

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Manche mögen’s kühl: Bei Landwirt Franz Wirtensohn in Geretsried-Gelting bleiben die Mutterkühe mit ihren Kälbern an heißen Sommertagen lieber im Stall, obwohl sie jederzeit raus könnten.
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Unter hochsommerlichen Temperaturen leiden Tiere genau so wie Menschen. Wie man Rindern die Hitze-Tage erträglicher machen kann, erklären Tierarzt und Landwirte.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nicht nur den Menschen macht die Hitze derzeit zu schaffen. Auch Tiere leiden unter den hohen Temperaturen. Rinder zum Beispiel können nicht einfach in den nächsten Badesee hüpfen, um sich abzukühlen. Doch auch für sie gibt es Wege, um ihnen die heißen Tage angenehmer zu machen. Experten aus dem Landkreis erklären, wie Rinder am besten vor Hitzestress geschützt werden.

Rinder leiden unter Hitze: Bei einer Temperatur bis zu 15 Grad fühlen sie sich wohl

„Kühe würden sich ungern an den Strand legen“, scherzt Kreisbäuerin Ursula Fiechtner. „Sie fühlen sich bei einer Temperatur von bis zu 15 Grad am wohlsten.“ Dr. Bernhard Hauser, Amtstierarzt und Leiter des Veterinäramts im Landkreis, erklärt: „Steigen die Umgebungstemperaturen in Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit, dann versuchen Kühe zunächst, die Körpertemperatur durch Schwitzen und eine erhöhte Atemfrequenz im Normalbereich von 38 bis 39 Grad Celsius zu halten.“

Ist den Tieren zu heiß, macht sich das laut Fiechtner durch einen langsameren Stoffwechsel oder Euterentzündungen bemerkbar. Außerdem geben sie weniger Milch. „Vor allem dampfiges Wetter ist eine Herausforderung“, weiß die Wackersbergerin, die von Geburt an mit der Landwirtschaft vertraut ist. „Die Kühe liegen dann herum, dösen und trinken viel. 80 bis 120 Liter Wasser ist der normale Tagesbedarf einer Kuh. Das Wasser brauchen sie auch zur Milchbildung.“

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Stall oder Weide: Es kommt darauf an

Laut Hauser empfinden Rinder in einem schlecht belüfteten Stall, in dem mit höherer Temperatur oft auch die Luftfeuchtigkeit steigt, die Hitze ganz anders, als auf der Weide, wo die Luftfeuchtigkeit bei steigender Temperatur meist sinkt. „Da unter freiem Himmel meist auch an Hitzetagen eine Luftbewegung von über einem Meter pro Sekunde vorherrscht, sieht man oft Kühe, die lieber auf Hügeln oder Anhöhen liegen, wo eine stärkere Luftbewegung herrscht“, so Hauser.

Der Geltinger Landwirt Franz Wirtensohn hat einen isolierten Stall. „Der hat einen Luft-Licht-First, ist also oben offen, sodass die warme Luft raus kann“, erklärt Wirtensohn. Wenn es heiß ist, würden sich die Mutterkühe mit ihren Kälbern ohnehin lieber im Stall aufhalten. „Erst abends, wenn die Sonne weg ist, gehen sie auf die Weide, obwohl sie auch den ganzen Tag über raus könnten. Die Türen sind offen“, sagt der Landwirt. In Hitzeperioden auf eine Nachtweide umzustellen, empfiehlt auch Amtstierarzt Hauser.

Kühe mögen keine pralle Sonne

Das Jungvieh ist bei Franz Wirtensohn auf der Weide. „Da ist ein Wald dabei mit vielen Büschen, und ein Bach läuft durch“, erzählt er. „Das Vieh steht den ganzen Tag im Schatten. Pralle Sonne mögen sie gar nicht.“ Hitze bedeute Stress für die Kühe, weiß Wirtensohn. „Aber nachts dagegen, da genießen sie es draußen. Und bei dem Gewitter am Montag sind sie auch alle raus und haben sich abregnen lassen“, berichtet der Bauer und lacht.

Wenn es jedoch extrem heiß ist, können Kühe genau so wie Menschen einen Hitzschlag bekommen, warnt Kreisbäuerin Fiechtner. „Sie liegen dann herum und die Zunge hängt ihnen raus.“ Dann müsse das Tier so schnell wie möglich in den Schatten gebracht werden. Fiechtner selbst hat das zum Glück noch nie erlebt.

Moderner Kuhstall bleibt bis zu 18 Stunden kühl

Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat auch Landwirt Franz Demmel aus Schönrain in der Gemeinde Königsdorf vorgesorgt. Zehn Zentimeter dicke Holzplatten auf dem Dach und der Fassade seines Kuhstalls sorgen dafür, dass der Stall 16 bis 18 Stunden kühl bleibt. „Die Hitze kommt tagsüber nicht durch“, erklärt Demmel. „Im Stall ist es circa zehn Grad kühler als draußen.“ Außerdem hat der Königsdorfer in seinem Stall große, wärmegesteuerte Ventilatoren, dazu geöffnete Fenster. Und auch er beobachtet: „Alle Kühe sind drinnen.“ An sehr heißen Tagen „sollten Kühe eine Weideoption haben, und keine Weidepflicht“. Abends hingegen würden auch seine Tiere gerne rausgehen.

Es gibt auch andere Wege, die Tiere abzukühlen

Landwirte ohne einen solch modernen Stall wie Demmel ihn hat, können an heißen Sommertagen ebenfalls vorbeugen. „Alle Fenster auf und wenn möglich Ventilatoren an“, rät Kreisbäuerin Fiechtner. Sprühnebel würde den Tieren ebenfalls guttun. „Oder man spritzt sie einfach mit dem Schlauch ab.“

„Die Erfahrung zeigt, dass weidegewohnte Tiere, die schon im Frühjahr draußen stehen, besser mit extremen Wetterlagen zurechtkommen“, sagt Hauser. Das gelte auch für die Gefahr von Sonnenbrand, der an nicht pigmentierten und haarlosen Stellen auftreten könne.

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