Interview mit Befürworter Heino Seeger

Brauchen wir wirklich eine Tram am Tegernsee?

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Eine Ringbahn um den Tegernsee? Heino Seeger kann sich das gut vorstellen.
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Tegernseer Tal - Der Landrat hat einer Ringbahn um den Tegernsee kürzlich eine klare Absage erteilt. Ist die Idee damit gestorben? Wir haben mit Ringbahn-Verfechter Heino Seeger gesprochen.

Eine überraschend klare Absage hat Landrat Wolfgang Rzehak bei einem Pressegespräch der Zukunftswerkstatt Mobilität dem Konzept einer Ringbahn um den Tegernsee erteilt (wir berichteten). Seine Argumentation: Aufgrund der bereits gut ausgebauten Busverbindung ließe sich der See auch ohne eine elektrische Straßenbahn im 30-Minuten-Takt umrunden. Der Landkreis solle sich lieber auf leichter umsetzbare Verkehrsprojekte konzentrieren. Wir haben bei Heino Seeger (60), Geschäftsführer und Eisenbahnbetriebsleiter der Tegernsee-Bahn Betriebsgesellschaft, nachgefragt, ob sein ambitioniertes Vorhaben damit wirklich hinfällig ist.

Herr Seeger, in einer guten Stunde kommt man heute mit dem Bus einmal um den Tegernsee – und das alle 30 Minuten. Ist da eine Ringbahn nicht gänzlich überflüssig?
Heino Seeger (60) hält am Konzept einer Ringbahn am Tegernsee fest.

Ganz und gar nicht. Schauen wir uns doch einmal an, was bei einem schönen Tag auf den Straßen rund um den See los ist: Stau! Da stecken eben nicht nur die Autos fest, sondern auch die Busse. Und wenn die Straßen überfüllt sind, brauchen wir unbedingt ein zweites von der Straße unabhängiges Verkehrsmittel auf dem Land. Eine Tram ist in Bezug auf Massentransportfähigkeit durch nichts zu ersetzen. Sie ist die einzig richtige Antwort auf unser Mobilitätsproblem.

...wenn da nicht die Frage nach der Machbarkeit wäre. Wo wollen Sie die Grundstücke für die von Tegernsee über Gmund und Bad Wiessee bis nach Glashütte verlaufende Trasse hernehmen?

Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass das nicht leicht wird. Hier wird es mit Sicherheit Konflikte geben. Doch diese gilt es, konstruktiv zu lösen. So sind die meisten Flächen bereits in öffentlicher Hand. Und mit vernünftig ausgehandelten Preisen lassen sich auch die benötigten Privatgrundstücke kaufen.

Keine leichte Aufgabe angesichts der angespannten Haushaltslage des Landkreises...

Auch dieses Problem ist mir bekannt. Wenn wir die Finanzierung aber intelligent anpacken, können wir auch diese Hürde überwinden. Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten für so ein Projekt. Auf Landes-, Bundes- und sogar auf europäischer Ebene. Ich habe hier meinen Hut nicht ohne Grund in den Ring geworfen: Ich weiß, wie es geht und wo die benötigten Gelder liegen.

Was erwarten Sie sich dann konkret vom Landkreis und der Zukunftswerkstatt Mobilität?

Zuallererst eine offen und vorurteilsfrei geführte Diskussion, um ehrlich und transparent die Chancen der Ringbahn zu erörtern. Hier müssen selbstverständlich auch die betroffenen Kommunen mit am Tisch sitzen. Langfristige Projekte sind für mich eben gerade keine Luftschlösser, sondern Ziele, die es konsequent zu verfolgen gilt. Ich sehe mich hier als Vertreter der Tegernsee-Bahn durchaus in historischer Verantwortung: Ohne die fortschrittlichen und mutigen Ideen unserer Vorfahren gäbe es heute vermutlich gar keine Eisenbahn im Tegernseer Tal. Diese Innovativität sollten wir nicht aufgeben, sondern sie nutzen, um uns – auch gegenüber anderen Landkreisen – zu profilieren.

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