VonLaura Mayschließen
Wirtschaftsminister Habeck besucht Startup Isar Aerospace. Die Raumfahrt könnte bald ein wichtiger Markt für Deutschland werden.
Ottobrunn – Die Laser-Funken im 3D-Drucker blitzen wie Wunderkerzen. In dünnen Lagen konstruieren sie automatisch ein Düsensegment für die Trägerrakete von Isar Aerospace. Schicht für Schicht. „Und plötzlich ist es da“, sagt Robert Habeck (Grüne) mit funkelnden Augen. „Superfaszinierend“.
Der Besuch des Bundeswirtschaftsministers in Ottobrunn unterstreicht die Bedeutung des Raumfahrt-Startups Isar Aerospace für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit auf der Erde und im Weltall. Allein eine Runde durch die Produktionshallen erinnert an einen Science-Fiction-Film. Automatische Roboterarme wickeln dünne Schichten aus Carbon und Harz um den künftigen Raketentank, der aussieht, wie ein riesiger schwarzer Zementmischer und sich anhört wie eine Waschmaschine. Dutzende Männer fixieren Bildschirme, an denen sie Konstruktionspläne und Produktion überprüfen.
Isar Aerospace: Revolution im All
„Weiß der Roboter jetzt, dass er sich ein Teil nehmen soll?“, fragt Habeck mitgerissen wie ein kleiner Junge, der eine technische Neuheit im Deutschen Museum bestaunt. Zurecht. Isar Aerospace spielt technisch und strategisch momentan in der höchsten Liga. Das weiß auch CEO Daniel Metzler. „Raumfahrt ist nicht nur der unnötige Traum von Milliardären“, sagt er. „Die nächsten technischen Revolutionen werden im All passieren.“
„Raumfahrt ist nicht nur der unnötige Traum von Milliardären“
Das Startup wurde 2018 von drei Studenten der TU gegründet und will genauso schnell weiterwachsen wie bisher. Die Infrastruktur steht. Rund 200 Millionen Euro soll die erste Isar-Aerospace-Trägerrakete bis zum geplanten Start Ende des Jahres aus Norwegen gekostet haben, sagt Metzler. „Inklusive Industrialisierung.“ Die Infrastruktur für die kommerzielle Produktion steht also. Klappt alles, können sie die Produktion schnell hochfahren. Vor allem die Automatisierung bei Isar Aerospace verspricht unkompliziertes Wachstum. Schnell und günstig soll nach dem Teststart produziert werden. Die Nachfrage sei enorm, viele Starts schon verkauft, obwohl die Rakete noch nicht einmal fertig ist.
Isar Aerospace: Platz reicht bald nicht mehr
Weil Isar Aerospace so schnell wächst, braucht die Firma dringend mehr Platz. Von aktuell 8000 Quadratmeter Produktionsfläche möchte sie auf mindestens 70 000 Quadratmeter erweitern. Dafür suchen die Unternehmer schon länger einen neuen Standort. Im Gespräch waren bereits Feldkirchen, Haar oder Taufkirchen, denn Isar Aerospace würde gerne im Landkreis München bleiben.
Doch bürokratische Prozesse sind zäh und die Zeit drängt: Nur noch ein weiterer 3D-Drucker habe Platz in der Produktionshalle, sagt CTO Josef Fleischmann. Das wird bald nicht mehr reichen. „Wir möchten uns vergrößern und Mitarbeiter anstellen“, bestätigt auch Metzler. Sie seien in „finalen Gesprächen mit möglichen Standorten.“ Fast alle seien im Umkreis, aber nicht alle.
Isar Aerospace: Strategische und militärische Relevanz des Weltraums
Metzler träumt davon, ein globaler Player zu werden. Von einer privat finanzierten Raumfahrt 2.0, einer unternehmerischen und kompetitiven Industrie und vor allem deutlich mehr Starts. „Es kann nicht sein, dass wir immer nur den USA und China hinterherlaufen.“ Das findet auch Habeck gut und betont die strategische und militärische Relevanz des Weltraums. „Der Zugang zum All ist entscheidend.“
Und wer räumt das Weltall wieder auf, wenn private Unternehmen immer mehr Satelliten in den Orbit schießen und das Volumen des Weltraumschrotts immer weiter wächst? Erst wenn Europa Zugang habe, könne man wieder aufräumen, sagt Habeck. „Die Möglichkeiten sind da.“ CEO Metzler sieht in seinen Raketen indes die Chance für die Menschheit. CO2-Monitoring, Waldbranderkennung, Sicherheitstechnik. „Die Raumfahrt hilft uns, die dringlichsten Probleme zu lösen.“
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