Auszeichnung für TU-Standort Garmisch-Partenkirchen

„Garmi“ sorgt für Aufsehen: TU-Robotik-Forschung in Garmisch-Partenkirchen weltweit die Nummer eins

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Auf geht’s zum Ultraschall: Dank Assistenzroboter Garmi kann der Arzt aus der Ferne die Untersuchung vornehmen.
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Die Robotik-Forschung der TU München am Standort Garmisch-Partenkirchen überholt sogar die Elite-Unis in den USA und Japan – „Garmi“ präsentiert sein Können beim Tag der offenen Tür

Garmisch-Partenkirchen – Diese eine Nachricht wollte Professor Sami Haddadin schon wirkungsvoll platzieren. Daher lud er die Gäste der morgendlichen Sonderführung in den Präsentationsraum ein, bat sie, sich zu setzen. Der Chef der Garmisch-Partenkirchner Forschungseinrichtung der TU München tänzelte vorne am überdimensionalen Bildschirm fast schon – vor Aufregung, die frohe Kunde endlich loswerden zu dürfen. Künstlich erzeugte er Spannung, führte auf Umwegen an das heran, das schließlich mit vollem Stolz aus ihm heraus prasselte: Die Robotik-Forschung aus der Marktgemeinde ist in der größten unabhängigen Rangliste für Künstliche Intelligenz, dem AIRanking, tatsächlich auf Platz eins geklettert. „Weltweit“, verdeutlichte Haddadin mehrmals. Da liegt die Münchner Uni mit der Außenstelle in der Marktgemeinde nun vor namhaften Hochschulen wie Berkeley in Kalifornien, Cambridge in Massachussets oder auch der Universität in Tokio.

Der Tag der offenen Tür am Samstag in den Räumen an der Bahnhofstraße kam dem leitenden Wissenschaftler wie gerufen, um einen solchen Erfolg kund zu tun. „Das zeigt einfach, welchen Impact wir in der Welt haben.“ Denn: Ein Projekt wie Garmi, einen derart weit erforschten und entwickelten Pflegeassistenz-Roboter, den gibt es eben im Werdenfelser Land – sonst nirgends. „Es ist weltweit das erste System, das so funktioniert“, bestätigt der Professor.

Freilich gab es spontanen Szenenapplaus von den Anwesenden, darunter die Bürgermeisterin, einige Mitglieder des Marktgemeinderats, aber auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Artur Auernhammer aus dem Frankenland. Haddadin verhehlte aber auch nicht, „dass die Latte jetzt sehr hoch liegt. Wir stehen jetzt oben, und da wollen wir auch bleiben, also müssen wir Gas geben“. Wichtig ist dem 43-Jährigen lediglich: „Das hier sind wirklich anerkannte Wissenschaften, wir produzieren nicht nur tolle Videos, sondern das ist nachhaltige Forschung, und deshalb macht uns das stolz.“

Selbstredend blieb es nicht bei losen Worten. Das an diesem Tag zehnköpfige Forscherteam hatte ein Programm vorbereitet, das zeigte, welche Fortschritte Garmi gemacht hat. Dazu gibt es im Dachgeschoss der Räume eine Art Modell-Appartement, in dem die gesamte Theorie in der Praxis beäugt werden kann. Einer der Forscher mimte den Pflegebedürftigen, dem der Roboter das Frühstück an den Tisch brachte, dem er beim Aufstehen aus dem Bett half und als Kommunikationshilfe mit dem Physiotherapeuten diente.

Im Garmi-Appartement präsentieren die Forscher um Professor Sami Haddadin die Fortschritte.

Doch nicht nur das: Der Assistenzroboter ist eine ganz Stufe weiter. Beeindruckend zu sehen, wie er dem Menschen quasi als Therapiegerät zur Verfügung stand – mit oder ohne Anleitung durch den Experten, der irgendwo in der Welt sitzen könnte. Erstaunlich: Eine Ultraschalluntersuchung, die ein Arzt aus der Ferne (im aktuellen Fall noch aus dem Zimmer nebenan) mithilfe von Garmi ausführen konnte. Telemedizin lautet der Fachbegriff. Der Clou daran: Der Roboter kann nicht nur Werkzeug sein, um aus der Distanz helfen zu könne, sondern er gibt auch wichtige Rückmeldungen, sammelt Daten beispielsweise für den Physiotherapeuten, der Prozesse wie Kraftentwicklung erkennen und somit Übungen und Widerstände anpassen kann. „Garmi hat sich entwickelt“, fasste Haddadin zusammen. Sehr sichtbar: Er funktioniert mittlerweile kabellos, läuft über Akkus und lädt sich selbst.

Wie weit die Forscher tatsächlich sind, lässt sich auch für sie schwer messen: „Wir sind gerade dabei, eine Art Roadmap zu erstellen, welche Fähigkeiten Garmi am Ende wirklich haben soll und muss“, betonte der Institutsleiter. Ein echter Fortschritt. Haddadin veranschaulicht es so: „Wenn man es aufs Autofahren überträgt, sind wir jetzt aus der reinen Theorie raus, jetzt geht es mit dem Fahrunterricht weiter.“

Der soll künftig auf dem TU-Campus erfolgen. Das Kuriose: Von den Räumen in Bahnhofsnähe können die Forscher heute schon hinüberblicken auf die Flächen, die ihre Heimat sein sollen. Die Zukunft dieses Großprojekts war diesmal allerdings nur eine Randerscheinung, beim Tag der offenen Tür ging es um die Forscher und ihr Aushängeschild Garmi.

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