Kommentar von Patricia Huber

Verpasste Chance in Rohrdorf: Ulrich Lange konnte beim Brenner-Talk nicht überzeugen

+
Der Gesprächsbedarf ist groß: Das zeigte auch die Demonstration der Bürgerinitiative Brennerdialog vor der Sendung in Rohrdorf.
  • schließen

Es war eine Chance, die der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Ulrich Lange (CSU), am Mittwoch (16. Juli) in Rohrdorf hatte. Die Menschen wollten, dass ihre Sorgen und Nöte in Berlin endlich ankommen. Doch dieses Gefühl konnte Lange nicht vermitteln, findet OVB-Reporterin Patricia Huber.

Rohrdorf „Endlich lässt sich jemand blicken.“ Diesen Satz hörte man am Mittwoch (16. Juli) in Rohrdorf häufig. Dass sich Ulrich Lange (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, den Fragen aus der Region zum Brenner-Nordzulauf und zum Autobahn-Chaos stellte, sorgte zunächst für Optimismus. Kein Wunder. In der vergangenen Legislaturperiode glänzte das Verkehrsministerium besonders durch Abwesenheit. Von einem Besuch des ehemaligen Bundesverkehrsministers Volker Wissing (bis 2024 FDP, seither parteilos) in der vom Transitverkehr geplagten Region konnte man nur träumen.

Keine Verlässlichen Aussagen

Doch so groß die Freude zunächst war – umso größer ist die Ernüchterung im Nachgang. Denn was den Brenner-Nordzulauf anging, ließ sich Lange nicht auf verlässliche Aussagen ein. Vielmehr hörte man nur das, was man seit Jahren aus der Politik hört: Noch sei nichts entschieden, es braucht erst noch das parlamentarische Verfahren. Den betroffenen Anliegern, die oftmals um ihre Landwirtschaft und damit auch um ihre Existenz bangen, bringt das überhaupt nichts.

Sie müssen Entscheidungen treffen. Kann man den Kindern guten Gewissens raten, auch in die Landwirtschaft zu gehen, oder wird der eigene Hof in wenigen Jahren Geschichte sein? Kann man noch einmal in Tierwohl und moderne Ställe investieren, oder wird es im Inntal ohnehin bald keine Weiden und Felder mehr geben? Die Menschen stehen mit dem Rücken zur Wand, wie ein Landwirt aus Flintsbach treffend formulierte. Und in Berlin? Dort eiert man seit Jahren um eine Entscheidung herum.

Die Region ist nicht gegen die Verkehrswende

Und nein: Die Region ist nicht der Buhmann der Verkehrswende. Die Menschen hier sind nicht die, die aus Prinzip gegen alles sind. Sie wollen lediglich klare Ansagen, verlässliche Zahlen und Fakten – und endlich einen Plan für die Zukunft. Denn nichts besorgt die Menschen mehr als Ungewissheit.

Jetzt ist die Bundesregierung gefragt, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Ihre Sorgen und Nöte zu hören, sich von der Lage vor Ort ein Bild zu machen und sie nicht mit den immer gleichen Phrasen ruhigzustellen. Denn das funktioniert auf Dauer nicht und macht nur noch mehr Platz für Wut, Enttäuschung und Politik-Verdrossenheit.

Kommentare