VonChristina Jachert-Maierschließen
Aktiv- und Ruheräume, Speisesaal, Bibliothek: Rottach-Egern leistet sich eine Grundschule für 7,8 Millionen statt der zunächst kalkulierten 5 Millionen Euro. Das sind die Pläne.
Rottach-Egern – Ein moderner Holzbau wird es sein. 50 Meter lang, 21 Meter breit, 10 Meter hoch, viel Glas. Er wird an der Stelle des alten Pavillons aus dem Jahr 1969 stehen, der in den Osterferien abgerissen wird. Aber der Neubau ist viel mehr als ein Ersatz. Die Grundschule, bislang im Schulkomplex verteilt, bekommt hier ein eigenes Domizil. Und was für eins. Statt acht schlichter Klassenzimmer entstehen Lernlandschaften, Raum zum Ruhen, zum Toben, zum gemeinsamen Essen, für Förderunterricht, Speisesaal und Bibliothek, dazu 168 Spinde.
Geplant ist eine offene Ganztagsschule. Ein Konzept, das mit der Lehrerschaft entwickelt wurde und auch dem Wunsch der Eltern entspricht. Damit alles Gewünschte auch Platz hat, fiel am Ende der Planungsphase die Entscheidung, ein – gut belichtetes – Untergeschoss zu schaffen. Somit stehen drei Stockwerke zur Verfügung. Die Kosten hat dies nach oben getrieben. Statt der kalkulierten 5 Millionen Euro verschlingt der Bau nun 7,8 Millionen Euro. Die Steigung ist auch der guten Konjunktur zu verdanken. „Baukosten sind im Moment immens hoch“, erklärte Bürgermeister Christian Köck (CSU). In absehbarer Zeit werde sich daran auch nichts ändern. Bei allen Betrieben sei die Auftragslage bestens.
Schultern muss die Gemeinde die Kosten aber nicht allein. Über den Schulverband zahlen die Nachbarkommunen mit. Zudem ist eine staatliche Förderung in Höhe von einer Million Euro zu erwarten. „Das Förderverfahren läuft noch“, erklärte Kämmerer Martin Butz.
Die Detail-Pläne wurden bei der Sitzung des Gemeinderates am Dienstagabend erstmals öffentlich vorgestellt, zunächst nur als Information. Kritik an dem luftigen Holzbau wurde dort nicht laut. Auch wenn er etwas von Ortsgestaltungssatzung abweicht, wie Köck einräumte.
Fest terminiert ist der Abbruch des bestehenden Pavillons. Die zweiwöchigen Osterferien sollten dafür ausreichen, meinte Köck: „Mir ist es wichtig, dass keine Kinder auf dem Hof sind, wenn mit schwerem Gerät gearbeitet wird.“
Bis zur Einweihung der neuen Grundschule im Herbst 2020 rücken die Klassen im Mittelschulbau zusammen. Unterricht findet dann auch im Gymnastikraum der Schule, in Fachräumen und in der Aula statt. So kann sich die Gemeinde 370 000 Euro Miete für mobile Klassenzimmer im Container sparen. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagte Köck.
Für den Hort, derzeit im Falianhaus untergebracht, besteht durch die Entscheidung für das Modell Offene Ganztagsschule kein Bedarf mehr. Auch der Speisesaal ist im Neubau untergebracht. In der Schulküche wird das Essen allerdings nur aufgewärmt, die Gemeinde lässt die Mahlzeiten liefern. Den frei werdenden Platz im Falianhaus nutzt die Gemeinde für die Mittagsbetreuung der Mittelschulkinder. Derzeit werden die fünften bis siebten Klassen mittags zur Betreuung nach Bad Wiessee gefahren. „Es wäre Unsinn, wenn wir das weiterhin machen“, erklärte Köck.
Wenn die neue Grundschule fertig ist, bekommen auch der Pausenhof und das gesamte Außengelände ein neues Gesicht. Diese Maßnahmen werden sich aber bis zum Jahr 2023 hinziehen.
Den Grundsatzbeschluss für Abbruch und Neubau der Schule zu fassen, war dann Sache des Bauausschusses, der sich am Mittwochnachmittag mit den Plänen befasste. Dort tat Josef Kaiser (CSU) sein Missfallen an der Gestaltung des Pultdachs kund und lehnte den Bau deshalb als einziger ab. Dass die Dachform für Rottach-Egern nicht typisch ist, war auch seinen Kollegen am Ratstisch klar. Der Architekt habe das Dach so gestaltet, dass die Belichtung in allen Räumen optimal sei, erklärte Köck. Es handle sich ja auch nicht um ein Wohnhaus, sondern um eine Schule, merkte Josef Lang (CSU) an: „Da kann man schon mal was anderes zulassen.“
