Nach dem Bürgerentscheid pro Omobi

Rufbus-freie Zone in Murnau bis Ende August?

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In Warteposition: Die Omobi-Rufbusse dürfen in Murnau derzeit keine Personen befördern.
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Das kann dauern, bis das Rufbus-Unternehmen Omobi von der Regierung von Oberbayern eine neue Konzession erhält, um wieder Personen in Murnau befördern zu können. Weshalb die Behörden so lange brauchen, sorgt für Unverständnis. Immerhin soll der neue Omobi-Antrag identisch mit dem alten sein.

Murnau – Den Tag, an dem der Omobi wieder durch Murnau kurvt, kann Hildegard Ziller kaum erwarten. Um ihre Anonymität zu wahren, ist ihr wahrer Name geändert. Sie hat beim Bürgerentscheid am 23. Juli für eine Fortsetzung des Rufbusses gestimmt, weil sie ihn braucht, weil sie ihn zu vielen Gelegenheit nutzte. „Ich bin damit zum Arzt und zu Freunden gefahren oder habe einen Großeinkauf beim Discounter gemacht“, sagt die Seniorin (81). Ihr war es wichtig, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, auf niemanden angewiesen zu sein. „Das kann ich jetzt nicht mehr in dem Maße wie früher.“ Sie benötigt Hilfe und Unterstützung, um in Murnau von A nach B zu kommen. Manchmal fährt sie ihr Sohn mit dem Auto, manchmal bittet sie einen freundlichen Nachbarn, ob er sie mitnehmen würde, oder sie beansprucht die Dienste eines Taxis. „Doch das ist teurer als der Omobi.“ Rainer Paschen, Vorsitzender des Murnauer Seniorenbeirats und einer der Köpfe des Bürgerbegehrens pro Rufbus, kennt ähnlich gelagerte Fälle wie den von Ziller. „Ältere Menschen, Jugendliche und Familien haben an Mobilität verloren“, sagt er. „Die so schnell wie möglich wieder herzustellen, war unser Ziel.“

Das kann womöglich etwas dauern. Hildegard Ziller und die anderen Omobi-Nutzer werden sich noch einige Zeit gedulden müssen, bis alles wieder so ist, wie bis zum 30. Juni, als der On-Demand-Bus auf Beschluss einer Mehrheit des Gemeinderats seine Dienste einstellen musste. Der Markt Murnau ist wahrscheinlich noch bis Ende August Rufbus-freie Zone. Die Firma Omobi, die nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid von Rathaus-Chef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) den Auftrag zur Fortführung des Betriebs erhalten hatte, hat bei der Regierung von Oberbayern erst ab dem 1. September eine Konzession beantragt, die bis zum 31. Oktober 2024 laufen soll. „Der Gemeinde lag daran, dass wir so schnell wie möglich loslegen“, sagt Omobi-Geschäftsführer Clemens Deyerling. Allerdings stellt er klar: Die Regierung von Oberbayern wollte ein konkretes Startdatum im Antrag für die Konzession genannt haben. „Also haben wir uns für diesen Termin entschieden“, sagt Deyerling.

Was die Behörde zudem deutlich macht: Das Genehmigungsverfahren braucht Zeit. „Es beinhaltet ein gesetzlich vorgeschriebenes Anhörungsverfahren, das den anzuhörenden Stellen einen zweiwöchigen Zeitraum für Äußerungen einräumt“, teilt ein Sprecher im besten Amtsdeutsch auf Tagblatt-Anfrage mit. Im Anschluss daran werde anhand der eingegangenen Stellungnahmen sowie der Unterlagen, die der Antragsteller vorlegen muss, die Genehmigungsfähigkeit des Antrags überprüft. „Sofern das Ergebnis positiv ausfällt, wird die Genehmigung erteilt“, erklärt der Sprecher.

Weshalb die Behördenmühlen derart langsam mahlen müssen, erschließt sich Rainer Paschen nicht. Vor allem, nachdem er erfahren hat, dass der neue Omobi-Antrag auf eine Konzession mit der bisherigen identisch sein soll. Das bestätigt auch der Pressesprecher der Regierung von Oberbayern: Inhaltlich entspreche der Antrag hinsichtlich der Betriebsform und der Haltestellen der bisherigen Ausgestaltung des Verkehrs. „Das ist doch lächerlich“, sagt Paschen. „Hier zeigt sich wieder einmal die deutsche Administration.“

Auf ein beschleunigtes Verfahren setzt man im Murnauer Ortsteil Neu-Egling, wo Omobi seinen Sitz hat. Deyerling hofft, seine schwarzen Neun-Sitzer-Busse schon vor dem 1. September wieder in den Einsatz schicken zu können. „Wir wären bereit.“ Nachdem er sich gezwungen gesehen hatte, seinen Beschäftigtenstamm zum 1. Juli zu verkleinern, befindet er sich derzeit wieder auf Personalsuche. Einige seiner früheren Mitarbeiter haben sich aufgrund der unsicheren Situation, die bis zum 23. Juli herrschte, anderweitig orientiert. Gefragt sind vor allem die Dienste der Fahrer gewesen. Einen Teil derer, die die Mercedes-Sprinter neben Murnau auch durch Seehausen und Riegsee steuerten, setzte Deyerling zuletzt in Holzkirchen ein, wo er zusammen mit seinem Partner Robert Schotten ebenfalls ein Rufbus-Unternehmen betreibt. Auch die Murnauer Busse fuhren in den vergangenen Wochen in der Ortschaft im Landkreis Miesbach, brachten Reisende von Murnau zum Flughafen München oder wurden in der Werkstatt dem fälligen Kundendienst und dem TÜV unterzogen. „Wenn die Konzession da ist, können wir sofort loslegen“, sagt Deyerling.

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