Taxler fürchten um ihr Geschäft

Rufbus „hoki“ eine unlautere Konkurrenz? „Das ist subventioniertes Taxifahren“

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Beunruhigt: Die Holzkirchner Taxiunternehmer Manfred Wengerter, Marianne Probst, Emine Yildiz und ihr Ehemann Senol am Taxi-Stand am Holzkirchner Bahnhof.

Der Rufbus „hoki“ beunruhigt Holzkirchens Taxler. Sie fürchten, dass die Nachbargemeinden in das System einsteigen – und ihre Branche dann komplett ins Abseits gedrängt wird.

Holzkirchen – Manfred Wengerter findet klare Worte: „Das ist subventioniertes Taxifahren“, sagt der Unternehmer. Seit hoki im September an den Start gegangen ist, verzeichnen er und die übrigen vier Holzkirchner Taxi-Anbieter Umsatzeinbußen. Wengerter wundert das nicht: „Der Rufbus ist zu nah dran an der Taxibranche. Er bietet fast das gleiche für deutlich weniger Geld.“

Zwei Euro kostet eine Fahrt mit hoki. So preiswert ist er deshalb, weil die Gemeinde Holzkirchen das Defizit ausgleicht – mit 30 000 Euro pro Monat, wie die Gemeinde auf Nachfrage mitteilte. Das stößt den Taxlern sauer auf: „Wir als Steuerzahler finanzieren den hoki“, so Wengerter. Er und seine Kollegen finden den Rufbus an sich eine gute Idee – etwa für jene, die sich kein Taxi leisten können – sie wünschen sich aber eine deutlichere Abgrenzung zu ihrer Branche. Etwa, indem man dem hoki weniger Haltestellen einräume. Denn das Haltestellen-Netz sei so dicht, dass manche Passagiere keine 20 Meter mehr zur Haustür gehen müssten.

Marianne Probst, Chefin von Taxi Schmid sagt: „Seit der hoki unterwegs ist, habe ich 30 bis 40 Prozent der Ortsfahrten verloren.“ Sie verstehe die dem Rufbus zugrunde liegende Idee: „Umweltschutz, Verkehr raus aus Holzkirchen, das ist alles in Ordnung, aber nicht auf Kosten einer ganzen Branche!“ Sie findet, das Angebot solle auf Schüler, Senioren und Bedürftige begrenzt werden.

Taxiunternehmer Klaus Feckl sagt: „Wir haben unter der Corona-Pandemie besonders gelitten. Jetzt ist unser Geschäft endlich wieder angelaufen und dann kommt so etwas!“ Auch Emine Yildiz, die mit ihrem Mann ein Kleinunternehmen mit nur einem Taxi führt, spürt die Auswirkungen des hoki. „Wenn der Rufbus noch mehr Standorte bekommt, fährt irgendwann kein Taxi mehr“, fürchtet sie.

Die Gemeinde Holzkirchen kennt die Sorgen: „Von Seiten der Taxi-Unternehmen wurde angedeutet, dass sie den hoki unterschätzt haben“, so Pressesprecherin Annika Walther. Allerdings ersetze der hoki kein Taxi, weil er die Fahrgäste nicht von Tür zu Tür fahre, sondern von Haltestelle zu Haltestelle. Das Taxi sei außerdem ein exklusiver Service, während der hoki mehrere Passagiere gleichzeitig befördere.

Die Taxler finden, das ist Augenwischerei. Schließlich wirbt die Gemeinde sogar mit dem engmaschigen Haltestellen-Netz. Tatsächlich fordert die Gemeinde Holzkirchen auf ihrer Homepage Bürger aktiv dazu auf, sich zu melden, falls sie die nächste Haltestelle nicht fußläufig erreichen können. „Die virtuellen Haltestellen werden sukzessive erweitert und angepasst, ganz nach Kundenwunsch“, heißt es da. Aktuell gibt es in Holzkirchen 90 stationäre Haltestellen und 60 virtuelle. Künftig könnte hoki sogar über die Ortsgrenzen hinweg in die Nachbargemeinden fahren: Wie berichtet, haben Otterfing, Valley und Warngau ihr Interesse am Rufbus bekundet. Für die Taxler ein beunruhigendes Szenario: „Wenn das passiert, stehen wir womöglich vor dem Aus“, sagt Feckl. Seine Kollegin Marianne Probst, deren Fuhrpark drei Taxis umfasst, mahnt: „Wir können keine Subventionen beantragen, wir werden uns dann irgendwann verkleinern müssen.“

Allerdings fragen sich manche Holzkirchner, ob die Gemeinde den Service aufgrund der hohen Kosten womöglich wieder einstellt – so wie es in Murnau der Fall ist: Dort hatte der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen, ihren Rufbus Omobi ab 1. Juli stillzulegen, berichtet das Murnauer Tagblatt. Demnach nannte der Gemeinderat keine konkreten Gründe für das Aus, bemängelt aber vor allem das Gesamtdefizit von rund 500 000 Euro jährlich und eine Belastung des Steuerzahlers pro Fahrgast von 17,30 Euro.

In Holzkirchen scheint eine Stilllegung aber kein Thema zu sein: „Die Kosten stehen in Holzkirchen derzeit nicht zur Debatte“, erklärte Walther auf Nachfrage. Vielmehr habe die Gemeinde die Taxifahrer schon im Juni 2022 ermutigt, sich auf die Verkehrsleistung des hoki zu bewerben. „Die Gemeinde steht Gesprächen mit Taxifahrern offen gegenüber“, betont Walther. „Taxifahrer können sich auch gern an den Verkehrsdienstleister wenden und mit ihm gemeinsam überlegen, wie Kooperationen geschlossen werden können.“

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