Ruhpoldings Problemkind Rauschbergbahn

Berg- und Talfahrt bei der Investorensuche? Die Rauschbergbahn wartet auf ihre Zukunft

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Die Zukunft der Rauschbergbahn: Wir fragen den Hauptgeschäftsführer der insolventen Rauschberg-GmbH, Roland Schnaitmann(links) und Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer nach dem aktuellen Stand.
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Ein schweißtreibender Weg führt zum Gipfel des Ruhpoldinger Rauschbergs. Ebenso beschwerlich: Die Suche nach einem Investor für die Rauschbergbahn. Seit 2022 steht sie still und eine Zukunft ist ungewiss. Der Gasthof verwaist, die Gondeln geparkt. Ist Aufgeben eine Option? Das fragen wir den Hauptgeschäftsführer der insolventen Rauschbergbahn GmbH, Roland Schnaitmann und Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer:

Ruhpolding – Leere Gebäude, Spinnweben an den Fenstern, verwitterte Schautafeln - Auf dem Rauschberggipfel herrscht Totenstille. Wer die Ruhe und den Ausblick genießen will, muss rund 900 Höhenmeter auf breiten Forstwegen bewältigen, derzeit der einfachste Weg nach oben. 70 Jahre lang konnte man auch einfach mit der Rauschbergbahn Richtung Gipfel schweben, bis im November 2022 der Personenbetrieb eingestellt wurde.

Gründe für die Insolvenz

Vorausgegangen war eine starke finanzielle Belastung durch die Folgen der Corona-Pandemie: Mehrmonatige Stillstände 2020 und 2021, Hygieneregeln und Abstandsauflagen führten laut damaliger Mitteilung der Rauschbergbahn GmbH zu dramatischen Einbrüchen: Nur ein Drittel der Gäste kam noch, wirtschaftliche Verluste waren die Folge. Außerdem standen kostspielige Wartungsarbeiten wie Seilverzug und Kabinenwartung an.

Suche nach Investor erfolglos

Seit 2019 suchte die Gesellschaft nach einem Investor für die 1,6 Kilometer lange Strecke. Trotz intensiver Gespräche blieben die Bemühungen erfolglos. Am 14. Dezember 2023 stellte die Geschäftsführung schließlich Insolvenzantrag. „Wir haben alles in unserer Macht Stehende versucht, um den Betrieb der Bahn in irgendeiner Weise zu retten“, erklärte damals Hauptgeschäftsführer Roland Schnaitmann. Es müsse jedoch „nicht zwangsläufig das Aus für den Bergbahnbetrieb bedeuten“. Seitdem steht die Seilbahn still.

„Sind wieder Eigentümer der Gebäude“ Insolvenzverfahren läuft

Knapp zwei Jahre später laufen die Bemühungen weiter, wie uns auch Roland Schnaitmann bestätigt: „Nach wie vor gibt es eine Gesellschaft, die Interesse zeigt, und auch private Personen teilweise. Aber nichts Konkretes. Es ist weder ein Vertrag unterschrieben, noch irgendwas verkauft, noch irgendwas übertragen.“ Das Insolvenzverfahren laufe, so Schnaitmann. Aktueller Stand: „Wir sind wieder Eigentümer der Gebäude und der Erbpachtverträge, weil der Insolvenzverwalter das alles aus der Insolvenzmasse herausgelöst hat.“

Gasthaus und Bergbahn: nur zusammen rentabel

Die Rauschbergbahn-GmbH habe somit wieder das Recht, Räume an der Bergstation zu vermieten. Unter anderem habe der Bayerische Rundfunk und auch Vodafone dort Funktechnik untergebracht. Der Versuch, das ehemalige Gasthaus zu bewirtschaften, auch ohne Seilbahn, sei bereits während der Corona-Pandemie gescheitert, zu wenig Gäste, erklärt Schnaitmann. Es bleibt die Hoffnung auf einen Investor, der sowohl Bergbahn als auch Gasthaus übernehmen möchte. Auch Ruhpoldings Bürgermeister, Justus Pfeifer, bleibt optimistisch:

Bei Baugenehmigung drohen neue Auflagen - die Zeit tickt

„Wir befinden uns weiterhin in Gesprächen mit potenziellen Investoren, und es gibt immer wieder Interessenten.“ Besonders erfreulich sei, dass Bau- und Betriebsgenehmigung bereits vorlägen. Diese verfallen nicht, „ein Baubeginn wäre jederzeit möglich und auch in Zukunft unbegrenzt umsetzbar“. Hier gibt Roland Schnaitmann zu bedenken:

Ziehe sich die Suche nach einem Investor zu sehr in die Länge, könnten bereits neue Auflagen vom Landratsamt verlangt werden: „Dann muss ein neues Verfahren beantragt werden und allein die umweltfachliche Untersuchung kostete beim letzten Mal 135.000 Euro.“ Dies müsse dann der neue Investor tragen. In den nächsten zwei, drei Jahren sei das noch kein Problem, aber danach müsste man damit rechnen.

Rückbau der Bahn steht derzeit nicht auf Agenda

Ob es eine Deadline für eine Entscheidung gibt? „Nein“, sagt Pfeifer klar. Der Beginn hänge vor allem von der gesamtwirtschaftlichen Lage und den Zinsen ab. In der Vergangenheit habe es spürbares Interesse gegeben, das auch aktuell fortbestehe. Was geschieht, wenn sich über lange Sicht kein Investor finden lässt? Wer müsste den Rückbau zahlen?

Tourismus steigt trotz Stillstand der Rauschbergbahn

„Zuständig wäre wohl das Landratsamt“, erklärt Pfeifer. Da die GmbH insolvent sei, müsste der Grundstückseigentümer die Kosten tragen. Noch glauben aber alle fest daran, dass es für die Seilbahn eine Zukunft gibt. Solange bleibt es am Gipfel ruhig. Manch Wanderer freut sich eventuell sogar über die neu gewonnene Stille am Berg. Aber sind Einbußen im Tourismus seit dem Wegfall spürbar?

Touristisch habe der Wegfall der Bahn bislang keine messbaren negativen Folgen, betont Pfeifer: „Im Gegenteil, wir verzeichnen steigende Gäste- und Übernachtungszahlen.“ Das liege auch am Aufschwung am Unternberg mit neuen Angeboten wie Flyline, Kletterwald und Flutlicht-Skipisten. Langfristig allerdings könne eine längere Schließung der Rauschbergbahn der Region schaden. Deshalb bleibe das Projekt „mit Nachdruck“ auf der Agenda.

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