Verdächtige Fahrzeuge und Drohnen bemerkt

Russische Spione in Bayern? Ukrainische Soldaten in der Oberpfalz im Fokus

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Spionage-Krimi auf bayerisch. Laut Militärischem Abschirmdienst sollen russische Spione die Militärbasis im oberpfälzischen Grafenwöhr beobachtet haben.

Grafenwöhr – Russische Spione in Deutschland? Und dann auch noch in der oberpfälzischen Provinz. Klingt erstmal abstrus, doch so abwegig ist der Gedanke gar nicht. Unweit der Stadt im Landkreis Neustadt an der Waldnaab liegt ein großer Militärstützpunkt. Dort sind auch Streitkräfte der US-Armee stationiert. Und eben diese bringen ukrainischen Soldaten den Umgang mit westlicher Militärtechnik bei. Ein Dorn im Auge Putins.

Militärischer Abschirmdienst macht russische Spione in Granfenwöhr aus

Erst vor kurzem hat die Präsidentin des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), Martina Rosenberg, vor einer zunehmenden Gefahr der Spionage aus Russland gewarnt. „Insbesondere durch Ausbildung ukrainischer Streitkräfte hier in Deutschland, aber auch durch die Waffenlieferungen in die Ukraine ist das Interesse an Deutschland als Drehscheibe und als logistische Scheibe natürlich auch noch einmal größer geworden.“ Wenn eine Drohne über ein Munitionslager fliege oder auch über eine Ausbildungsstätte, in der ukrainische Kräfte ausgebildet würden, müssten Möglichkeiten der Spionage und Sabotage genau geprüft werden, sagte sie im Rahmen des Bundeswehr-Formats „Nachgefragt“.

Auf dem Luftwaffenstützpunkt in Grafenwöhr werden auch ukrainische Soldaten im Umgang mit westlicher Technik ausgebildet.

Tatsächlich konnte der MAD schon verdächtige Fahrzeuge in der Nähe der Stützpunkte in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) und Grafenwöhr (Bayern) ausmachen. Aus ihnen heraus sollen die Zufahrten zum Stützpunkt ausgespäht worden sein. Übungsplätze seien mehrmals mit Kleindrohnen überflogen worden. In Sicherheitskreisen werde auch vermutet, die russischen Dienste könnten versucht haben, Mobilfunkdaten der ukrainischen Soldaten mit Funkscannern auszuspähen.

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Deutsche Politiker warnen vor russischer Spionagegefahr

Der Grünen-Politiker und Geheimdienstexperte Konstantin von Notz machte Defizite in der deutschen Spionageabwehr aus. „Wir waren unaufmerksam und haben uns nicht um die Details gekümmert. Und jetzt haben wir ein fulminantes Sicherheitsproblem“, sagte er dem Spiegel. Deutschland habe seine Spionageabwehr nach der Wiedervereinigung weitgehend eingestellt, „während andere Länder einfach weitergemacht haben wie im Kalten Krieg“, sagte der Vorsitzende des parlamentarischen Kontrollgremiums, das die Arbeit der Geheimdienste des Bundes beaufsichtigt.

Der Fall in Grafenwöhr sei auch kein Einzelfall, sagt der Oberpfälzer SPD-Sicherheitsexperte und Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch dem BR. Er warnt vor weiteren Spionageangriffen – auch auf kommunaler Ebene. Die Spionageabwehr gegen Russland sei eigentlich nach dem Ende des Kalten Kriegs nicht mehr von solch entscheidender Bedeutung gewesen, da das Land ein wichtiger Handelspartner geworden war. Aber mit dem Krieg gegen die Ukraine hätten sich die Dinge verändert. Plötzlich suchen russische Geheimagenten mitten in der Oberpfalz nach Informationen. Für Grötsch ist es deshalb wichtig, die Bevölkerung und vor allem die Behörden auf kommunaler Ebene (Gemeinden, Städte, Landratsämter) für das Thema Spionageabwehr zu sensibilisieren, ohne eine Kultur des Misstrauens zu schüren, so der Experte gegenüber dem BR. (tel mit dpa)

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Rubriklistenbild: © Daniel Löb/dpa

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