Beschwerden von Bürgern mit Attacken, die teils unter die Gürtellinie gehen: Damit sieht sich der Sachsenkamer Bürgermeister Hans Schneil aktuell im Zusammenhang mit den katastrophalen Schneeverhältnissen konfrontiert.
Sachsenkam – Wie er am Freitag beim Sachsenkamer Jahresessen beim „Neuwirt“ berichtete, waren allein bis Donnerstag 57 Anrufe zu verzeichnen. „Da wird geschimpft und mit Beleidigungen um sich geworfen, weil zu wenig geräumt, gestreut, gesalzen wird und die Schneemassen nicht abtransportiert wurden“, sagte Schneil. Dabei müsse es doch angesichts der Schneemassen jedem einleuchten, dass der Winterdienst nicht normal abgewickelt werden kann. Ein Anrufer habe sich massiv beschwert, weil der Schneepflug die Einfahrt zu seinem Grundstück wieder zugeschüttet habe. „Einer hat mich aufgefordert, mein Amt als Bürgermeister zurückzugeben“, berichtete das Gemeindeoberhaupt. „Das geht aber nicht, hat man mir in der VG in Reichersbeuern gesagt.“
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Die hochwinterlichen Verhältnisse hatten noch weitere unmittelbare Auswirkungen auf Sachsenkam. Die Kreisstraße Töl 10 nach Kirchbichl musste gesperrt werden.
Die Pläne, bereits Anfang Januar das neu errichtete „Haus für Kinder“ zu beziehen, hat der Wintereinbruch zunichte gemacht. Wie Schneil erklärte, ist dafür nun die erste Februar-Woche anberaumt.
Ausdrücklich bedankte sich Schneil bei allen, die beim Winterdienst mithelfen, und hier ganz besonders bei Feuerwehrkommandant Sepp Baumgartner, der während des Schneechaos’ der vergangenen Tage „Enormes geleistet hat“.
Zum Jahresessen lädt die Gemeinde traditionell im Januar Bürger und Angestellte ein, die sich um die Gemeinde verdient gemacht haben. In diesem Rahmen hielt Schneil Rückblick auf das vergangene Jahr und skizzierte bevorstehende Aufgaben.
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Zu den wichtigsten Gemeinderatsthemen 2018 zählte er den Notverbund bei der Trinkwasserversorgung mit dem Wassernetz der Marktgemeinde Holzkirchen, die Aufstellung des Bebauungsplans Lindenstraße und den Antrag auf Bau eines Vereinsstadels.
Für 2019 hat sich die Gemeinde ebenfalls einiges vorgenommen. Nach dem Umzug in das „Haus für Kinder“ steht der Umbau des alten Kindergartens an, der dann komplett als Kinderkrippe genutzt wird. Auf das Rathausdach soll eine Fotovoltaikanlage, die neue Auffahrt zum Rathaus soll geteert werden. Außerdem ist die Gemeinde dabei, den Hochbehälter am Schindelberg zu sanieren, eine Wasserleitung zur Erschließung des Baugebiets Lindenstraße zu verlegen und im Gemeindehaus an der Bergstraße eine vernünftige Heizungsanlage einzubauen.
Eine Veränderung steht Mitte des Jahres bevor: Am 30. Juni endet das Engagement der drei VG-Gemeinden für die Flüchtlingsunterkunft am Kranzer. Die Mobilheime sollen größtenteils verkauft werden. Die finanzielle Lage der Gemeinde ist laut Schneil noch deutlich im Plus. 360 000 Euro Schulden stehen Rücklagen in Höhe von 950 000 Euro gegenüber. Der Sparstrumpf der Kommune, im Vorjahr noch mit 3,1 Millionen Euro gefüllt, ist durch den Bau des „Hauses für Kinder“ und der Notverbindung beim Trinkwasser allerdings stark geschrumpft.
Günter Platschek