Seit 16 Jahren wird die Sanierung des Marktes geplant. Nun wird die Entscheidung erneut vertagt. Händler kritisieren die Stadt scharf für das Hin und Her.
Seit 16 Jahren plant die Stadt München die Sanierung des Viktualienmarkts – jetzt gibt‘s die nächste Nachdenk-Schleife. Am morgigen Mittwoch sollte eigentlich der Stadtrat über die Sache entscheiden. Doch OB Dieter Reiter (SPD) hat das Thema von der Tagesordnung gestrichen. Der Plan war: Die Stadt baut ab 2027 unterm Areal beim Café Nymphenburg einen großen Keller mit Toiletten, Lager- und Personalräumen – die betroffenen Stände ziehen in Interimsbauten. Danach werden die übrigen Stände auf dem Markt saniert. Kosten: 20 Millionen Euro. Das ist jetzt erstmal vom Tisch.
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Stillstand bei den Standln! Grund: das Geld! Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) will „im Hinblick auf die aktuelle Haushaltslage“ die Sanierungsmaßnahmen „noch einmal hinsichtlich Optimierungsmöglichkeiten prüfen“ lassen. Dietl: „Wir nutzen jetzt die Sommermonate, um die erforderlichen Mittel verlässlich einzuplanen – auch im Interesse des Marktes. Dies war bis zur Vollversammlung am Mittwoch nicht möglich, daher die Verzögerung bei der Beschlussfassung. Da der eigentliche Haushalt ohnehin erst zum Jahresende aufgestellt wird, bedeutet die Vertagung keine Verschleppung der eigentlichen Sanierung, sondern nur ihre hieb- und stichfeste Absicherung.“
Viktualienmarkt München: Kaufleute-Sprecher klagt über die Sanierungs-Pause
Bei Marktkaufleute-Sprecher Marco Stohr ist die Stimmung im Keller: „Ich befürchte, dass das Thema nicht mehr verfolgt wird und irgendwann versickert“, sagt er auf Anfrage „Dabei brauchen wir diesen großen Keller unbedingt! Am besten gleich, denn der Bedarf an Toiletten, Lager oder Personalräumen wird in Zukunft sogar steigen.“ Dass so etwas nach so langer Planung passiert, kann Stohr nicht verstehen: „16 Jahre Planung sind vom Tisch – eine Steuerverschwendung ohne Ende! Was ist nur aus diesem Land geworden: Wir scheitern schon an einem simplen Keller?“
Chaos bei der Sanierung: Eine Händler sind sogar gegen den Groß-Keller
Aber: Die Händler sind sich auch nicht einig. Stohrs Sprecher-Vorgängerin Elke Fett hat einen Gegen-Plan in den Ring geworfen – kein Wunder: Sie wäre mit ihrem Duftstandl vom Keller-Bau betroffen und müsste wie die anderen betroffenen Händler für rund zwei Jahre in ein Interimsstandl umziehen. Fetts Vorschlag: „Es wird Stand für Stand, schrittweise und nach festem Zeitplan saniert.“
Für CSU-Stadtrat Andreas Babor ist die neue Verzögerung eine finanzielle Katastrophe: „Durch dieses ständige Aufschieben wird es immer teurer. Die Stadt muss endlich ein Konzept mit den Händlern abstimmen und endlich anpacken!“