Seit Jahren ist die Schlehdorfer Pfarrkirche St. Tertulin eher Großbaustelle denn Gotteshaus. Bei einem Ortstermin erläuterten die Verantwortlichen nun den Sanierungsfortschritt.
Schlehdorf – Bei der Besichtigung wurde klar: Auch wenn das Gerüst an der Hauptfassade kürzlich abgebaut wurde, wird die Kirche vermutlich noch bis 2021 für die Öffentlichkeit gesperrt bleiben.
Von außen sieht St. Tertulin wieder aus wie die Klosterkirche, die sie ist: Nach der Sanierung des Daches, der Türme und der Hauptfassade konnte das Baugerüst abgebaut werden. Nun ist der Blick frei auf das „Benediktbeurer Grün“, mit dem Teile der Kirchenfront – gemäß den historischen Vorgaben – wieder bemalt wurden. Allerdings, so erklärte Peter Aumann vom Staatlichen Bauamt Weilheim am Montag bei einem Ortstermin den anwesenden Vertretern von Kloster sowie Kommunal- und Landespolitik, entspreche die Farbe nicht dem „exakten“ Grün der Historie. Dieses wäre kräftiger gewesen und hätte deshalb nicht mit dem vorhandenen grünen Farbton der an die Kirche angrenzenden Gebäude – Realschule und Kloster – harmoniert.
Doch während die Kirchensanierung an der Außenfassade fast abgeschlossen ist, präsentiert sich das Kircheninnere als Großbaustelle mit einem Labyrinth an Gerüsten bis hoch unters Dach. Mittlerweile seien die Restaurierungsarbeiten an der Raumschale im Gewölbebereich fertiggestellt, und die Arbeiten an den Zierrahmen der dortigen Fresken nahezu abgeschlossen, so Aumann.
Im September habe die Bearbeitung der künstlerischen Ausstattung, des Stuckmarmors, des Natursteins und der Gemälde begonnen. Die Arbeiten würden teilweise vor Ort und teilweise in den Werkstätten der Restauratoren vorgenommen. Doch da die verschiedenen noch sanierungsbedürftigen Altäre in der Kirche sehr hoch seien, könnten die Gerüste im Kircheninneren noch nicht vollständig abgebaut werden. Aus Sicherheitsgründen bleibe die Kirche darum weiterhin gesperrt. Im Idealfall sei die Restaurierung der Ausstattung im Laufe des Jahres 2020 abgeschlossen. Bis Februar 2021 „wollen wir aber fix und fertig sein“, versprach Aumann.
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Was die veranschlagten Kosten für die Sanierung der Kirche betrifft, die sich im Eigentum des Freistaats Bayern befindet, seien diese im Laufe der Zeit nach oben korrigiert worden; unter anderem wegen höherer Personalkosten. Aber auch, weil die Dachsanierung aufwendiger gewesen sei als ursprünglich gedacht. Aktuell, so Aumann, seien Gesamtkosten in Höhe von 7,5 Millionen Euro genehmigt. Die Kirche beteilige sich dabei mit einer Pauschale von einer Million Euro.
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Aumann betonte, dass an St. Tertulin auch nach der Sanierung immer wieder – zumindest kleinere – Risse auftreten werden. Das könnte möglicherweise am Untergrund liegen. Denn die Kirche stehe nur teilweise auf Fels und scheine etwas abzurutschen. „Das kann man aber nicht 100-prozentig sagen.“ Auch die schlechte Bausubstanz sei mitverantwortlich. Aumann versichert aber, dass das nicht besorgniserregend sei. Man werde das Gebäude auch in Zukunft überwachen, um kleinste Verformungen schnell feststellen zu können. Dazu werde die Portalfassade der Kirche kontinuierlich vermessen. Was die bisher von den Sanierungsmaßnahmen ausgeschlossene Ostfassade der Kirche betrifft, so ist Aumann optimistisch, dass hier im Zuge des geplanten Klosterverkaufs eine Einigung bezüglich der Kostenübernahme erzielt werden kann. „Da wird es eine Lösung geben“, ist er überzeugt. Gespräche seien schon geführt worden. (fn)