Dieses Vorhaben kommt zu einer Zeit, in der es viel Mut braucht: Die Familie de Alwis will ihren Schlierseer Hof abreißen und neu bauen. Ein Großprojekt, für das auch der Gemeinderat viel Mut braucht.
Schliersee – 16 Jahre ist es her, dass Walter de Alwis den Schlierseer Hof übernahm. „Seitdem ist davon die Rede, dass Schliersee ein Top-Hotel braucht“, sagt der 68-Jährige. Dieses Top-Hotel will er mit seiner Familie nun selbst bauen. Der Gemeinderat ist bereit, den Weg mitzugehen. Dies entschied das Gremium am Dienstagabend mit 13:5 Stimmen. Die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans hatte er schon im Sommer 2022 beschlossen (wir berichteten).
Erwartbare Kritik: „Viel zu hoch“
Gegenüber den damals vorgestellten Plänen hat sich das Vorhaben etwas geändert. Die drei miteinander verbundenen Baukörper an der Seestraße sind nun alle gleich hoch: mächtige fünf Stockwerke plus Dachgeschoss. Erwartungsgemäß war es auch diese Höhe, an der sich die Kritik entzündete. „Viel zu hoch“, meinte etwa Max Leitner (Die Schlierseer), „zu massiv“, Bernd Mayer-Hubner (Grüne), der anfügte: „Ich bin zuversichtlich, dass die hochgradigen Architekten Ideen entwickeln, wie man das Projekt besser platzieren kann.“
Projekt wird über 30 Millionen Euro teuer
Bei diesen Architekten handelt es sich um das Planungsbüro Kirchmayr aus Salzburg, spezialisiert auf Hotellerie und Gastronomie, das zum Beispiel für den Genusshof Gmachl (Salzburger Land) oder die Kraftalm Itter (Tirol) verantwortlich zeichnet. Mit drei Mann, darunter Firmenchef Franz Kirchmayr, war das Büro nach Schliersee gekommen, um zusammen mit Walter und Sohn Marcel de Alwis das über 30 Millionen Euro teure Vorhaben zu präsentieren.
Oberste Kategorie: Alles, was das Gästeherz begehrt
Die Eckdaten: 116 Zimmer, fast alle zum See hin ausgerichtet, ein Wellnessbereich in einem eigenen Gebäude gleich am Seeufer, Pool, Teehaus, Flachdach mit Liegeflächen, Seminarraum im Dachgeschoss, diverse Gastro-Areale, darunter ein öffentliches A-la-carte-Restaurant. Baumeister Mario Sampl betonte: „75 Prozent des Erdgeschosses sind öffentliche Flächen.“ Auf de Alwis junior geht die Idee zurück, im Eingangsbereich einen Bereich mit heimischen Produktion einzurichten, Vorbild könnten die Tegernsee Arkaden sein. Das neue Hotel solle unbedingt auch ein Ziel für Einheimische sein. „Da, wo die Einheimischen hingegen, wollen auch die Gäste hin“, sagt Marcel de Alwis. Sein Ziel: „Wir wollen nicht das ,beste‘ oder teuerste, aber das begehrenswerteste Hotel Deutschlands werden.“ Heißt natürlich: oberste Kategorie.
In dieser Größenordnung planen zu können, verdankt die Familie ein paar glücklichen Umständen. Zum einen kann sie viele ihrer Mitarbeiter – 120 sollen es einmal sein – im früheren Gasthof Prinzenweg unterbringen. Auch dieser werde durch einen Neubau ersetzt werden müssen, sagt de Alwis sen. auf Nachfrage. Seinen Mitarbeitern müsse man heutzutage mehr bieten als schlichte Unterkünfte. Letztlich könne das bis hin zu einer eigenen Kita gehen, sagte Marcel de Alwis im Gemeinderat. Aber erst, seitdem die Familie auch das Nachbargrundstück (Ex-Siebzehnrübl) ihr Eigentum nennt, ist die große Lösung drin. Zuvor war nur eine Renovierung des Bestands geplant gewesen. Doch trotz des zusätzlichen Areals bleibt der Platz begrenzt. „Deshalb müssen wir in die Höhe“, sagt Walter de Alwis. Um das Konzept wirtschaftlich umsetzen zu können, brauche es eine entsprechende Anzahl an Zimmern. Architekt Perry Schmidl erklärte, alle Möglichkeiten ausgereizt zu haben, die Gebäude so niedrig zu gestalten wie möglich.
Ein Ensemble, das seine Umgebung dominiert
Dass es dennoch ein Ensemble wäre, das nicht nur die nähere Umgebung dominiert, war auch den Gemeinderäten klar. Nicht nur bei einer Wortmeldung war daher von Mut die Rede, die es auch seitens der Kommunalpolitik brauche. Letztlich scheint die Mehrheit sich diesen Mut zuzutrauen. Die Notwendigkeit einer Baumaßnahme stellte niemand in Frage. Auch Florian Zeindl (CSU) schilderte das Größe-Wirtschaftlichkeits-Dilemma, sagte aber: „Wir brauchen Häuser, die an sich schon der Urlaubsgrund sind.“ Das strebt die Familie de Alwis an, und nur so sei eine gute Auslastung das ganze Jahr über erreichbar.
Die Diskussion beginn erst
Das Aparte an dem Projekt ist derweil, dass der Investor zugleich Betreiber ist, und sogar die Nachfolge schon geregelt. De Alwis senior sagt: „Eine Traumsituation für eine Gemeinde.“ Doch auch er weiß, dass das Ringen um eine Verwirklichung jetzt erst beginnt. Als nächstes sollen die Fachbehörden einbezogen werden, eine öffentliche Auslegung erfolgt erst danach.
