Bürgerinitiative gegen Neubaupläne

Schlierseer Hof: Unterschriftensammlung neu gestartet - Hoteliers lenken Blick auf Standort

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Im Fokus: der Schlierseer Hof, der durch einen Neubau ersetzt werden soll.
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Wird er höher als die Kirche oder nicht? Diese Frage zum Neubau des Schlierseer Hofs spaltet die Gemüter. Die Hotelierfamilie will den Blick hingegen lieber auf die Standortvorteile richten.

SchlierseeWie berichtet, hatte die BI zunächst davon gesprochen, dass das Hotel das Kirchenschiff um sechs Meter überragen würde. Bei Nachmessungen habe man dies auf drei Meter korrigieren müssen und deshalb auch die damals bereits 50 bis 100 Unterstützer umfassende Unterschriftensammlung neu aufgesetzt, berichtet BI-Sprecher Alexander von Schoeler. „Wir wollten alles sauber haben, um uns nicht angreifbar zu machen.“ Die Hoteliers widersprachen bei der Präsentation ihrer Pläne im Pressegespräch mit unserer Zeitung aber auch der korrigierten Zahl und erklärten, die maximale Firsthöhe von knapp 24 Meter sei zwei Meter niedriger als die von St. Sixtus. Nun kontert die BI erneut – und verweist auf die unterschiedliche Ausgangshöhe der beiden Messungen.

De Alwis lege offenbar die Meereshöhe der beiden Baukörper nebeneinander. Da befinde sich der Schlierseer Hof direkt am Seeufer und damit nur wenig über 777 Meter über Normal-Null, die Pfarrkirche aber im höheren Zentrum auf 784 Meter. Eine Logik, der die BI nicht folgen möchte. Sonst würde ja auch die Weinbergkapelle das „Megahotel“ überragen, erklärt Schoeler. In absoluten Zahlen nämlich sei der First des neuen Schlierseer Hofs 7,19 Meter und damit genau 42,8 Prozent höher als der Altbestand.

Auch an ihrer Kritik zur geplanten Gebäudelänge entlang der Straße hält die BI fest. So betrage diese nur im Erdgeschoss die von de Alwis genannten 83,70 Meter. Die fünf darüber befindlichen Etagen würden aber circa 90 Meter Länge aufweisen. Dies gehe aus dem Protokoll zur öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 24. Januar 2023 hervor, das die Gemeinde auf Drängen der BI nun auf ihrer Internetseite eingestellt habe. Daran sei zweifelsfrei zu erkennen, dass die bis dato von der BI veröffentlichten Informationen „1:1 dem Bauantrag gemäß Protokoll vom 24. Januar 2023 entsprechen“.

Hotelier richtet Blick auf Standortvorteile

Hotelchef und Bauwerber Walter de Alwis hält das ständige Hin und Her um die genauen Maße des neuen Hotels für zu kurz gegriffen. Viel wichtiger seien dessen Vorteile für Schliersee insgesamt. Auch die nächsten Generationen würden von einem touristischen und damit auch gesamt-ökonomischen Aufschwung der Marktgemeinde profitieren, betont de Alwis.

Dass er mit dieser Meinung nicht alleine ist, habe sich kürzlich bei einer öffentlichen Veranstaltung in seinem Hotel gezeigt. 70 Gäste – darunter viele Gewerbetreibende – hätten ihm hier ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht und ihn darin bestärkt, am eingeschlagenen Weg festzuhalten. Zu seinem Erstaunen hätten viele davon im Nachgang auf einer spontan angefertigten Solidaritätsliste unterschrieben, berichtet de Alwis. „Das tut schon gut in diesen Zeiten.“

Zumal er und seine Familie aktuell noch in der Defensive seien, da sie erst dann wirklich für ihr Projekt trommeln könnten, wenn feststehe, dass es tatsächlich zu einem Bürgerentscheid kommt. Etwas überrascht ist de Alwis dabei auch, dass die Bürgerinitiative ihr Anfang Dezember erklärtes Ziel, bis Mitte Januar 800 Unterschriften zu sammeln, offenbar noch nicht erreicht hat.

Bürgerinitiative plant Postwurfsendungen

Daran arbeitet die BI aber weiter beharrlich, teilt Schoeler mit. Damit sich auch Bürger einbringen können, die nicht auf den öffentlich ausliegenden und damit auch einsehbaren Listen unterschreiben wollen, würden zehn bis 15 ehrenamtliche Helfer in den kommenden Tagen jedem Schlierseer Haushalt ein Kuvert mit einem Info-Flyer sowie einem Formular für die eigene sowie weitere Unterschriften aus dem jeweiligen Familien-, Freundes- oder Bekanntkreis in den Briefkasten werfen. Diese Listen könnten an den angegebenen Adressen in Schliersee und Neuhaus abgegeben werden.

Den aktuellen Stand der Unterschriften beziffert Schoeler auf „mehrere Hundert“. Das für einen Bürgerentscheid notwendige Quorum liegt bei zehn Prozent der Wahlberechtigten in der Marktgemeinde, also bei etwa 700 Stimmen.

sg

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