1250 Jahre

1250 Jahre Ambach

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Schöne Grüße aus Ambach: Postkarten machten um 1900 die Schönheit des uralten Bauern- und Fischerdorfs weithin bekannt.

Ambach hat Geburtstag. Das ehemalige Bauern- und Fischerdorf, das sich seinen ursprünglichen Charme weitgehend bewahrt hat, wird 1250 Jahre alt. Vom 3. bis 5. Juli lädt es zum Jubiläums-Wochenende ein.

Münsing – Ein Festausschuss, bestehend aus Gemeinderäten, Vereinsvertretern, Künstlern und Ambacher Familien, hat ein kleines, aber feines Programm zusammengestellt. „Wir haben uns an die Feierlichkeiten zum 1200-jährigen Bestehen vor 50 Jahren angelehnt“, sagt Bürgermeister Michael Grasl. Die Gemeinde Holzhausen, zu der Ambach gehört, feierte das Jubiläum damals am 1.Mai mit Ausstellungen, Theaterstücken, Musik, Lesungen und Tanz. Dr. Carl Schramm veröffentlichte eine kurze Chronik über das Dorf. Auf sie beruft sich Fritz Wagner vom Ambacher Verlag in seiner überarbeiteten Version. Die historischen Daten hat Wagner mit Texten der örtlichen Schriftsteller Josef Bierbichler, Anatol Regnier und Tilman Spengler sowie mit alten Zeichnungen und Fotos ergänzt. Die 80-seitige Festschrift ist am Festwochenende erhältlich.

Das alte Bauern- und Fischerdorf wird 765 zum ersten Mal erwähnt - als "Au in pah"

765 wurde Ambach als „Au in pah“, also als Au zu beiden Seiten des (Kugelmühl-)Bachs erstmals urkundlich erwähnt. Die ältesten Häuser waren die Kugelmühle, das Gasthaus Huber und der Fischer Hirn. Von dort aus dehnte sich der Ort, der 1034 „Ouwanbah“, 1580 „Anpach“ und ab 1683 Ambach hieß, langsam Richtung Süden aus. Die Höfe Fischer, Brosi, Seitz, Fischmeister und Weiss kamen hinzu. Dass die Fischerei bald an Bedeutung gewann, belegt eine Urkunde von 1305, die die Lieferung von 800 Renken aus Ambach dokumentiert. Auch Ambach wurde von den Plünderungen während des 30-jährigen Kriegs nicht verschont; im Napoleonischen Krieg zogen die Franzosen durch den Ort. Beides überstand das Dorf relativ unbeschadet.

Um 1990 entdecken die Münchner die Schönheit des Ortes

Ab 1900 kamen die Sommerfrischler aus München und siedelten sich an. „Es ist kein Wunder, dass an diesem ruhigen und schönen Ort viele Künstler und Gelehrte wohnten“, schreibt Wagner. Er zählt die Schriftsteller Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, Ernst Wiechert, Mathilde von Metzradt, Wolfgang Hildesheimer und Waldemar Bonsels auf und erwähnt die Kunstmaler Alf Bachmann, Gabriel von Max, Erich Lasse, Josef Rösl und Carl Theodor von Piloty. Über das Kriegsende berichtet in einem weiteren Kapitel Expositus Johann Kaltenegger.

Der Abriss des Grünwalder Hofs sorgte für erheblichen Wirbel

In der jüngeren Vergangenheit entdeckten Fußballprofis, Schauspieler und andere Prominente Ambach für sich. Doch die Gemeinde Münsing, zu der Holzhausen seit der Gebietsreform von 1978 gehört, achtet sehr darauf, dass das Dorf seinen ursprünglichen Charakter nicht ganz verliert – vor allem seit 2003 der Abriss und Neubau des Grünwaldhofs an der Seeuferstraße für riesigen Wirbel gesorgt hatten. Anstelle des alten Bauernhofs entstand eine regelrechte Wohnsiedlung im Münchner Villenstil. Josef Bierbichler prangerte diese „Bausünde“ in einem Brief an den damaligen Bürgermeister Franz Ertl und dessen Gemeinderat an. Auch dieses kritische Schriftstück hat Fritz Wagner seinem Büchlein ganz am Ende, vielleicht als Mahnung, beigefügt.

Kuh Clothilde hatte fünf Beine

Zuvor erzählen Sepp Bierbichler, Anatol Regnier und Tilman Spengler eher Heiteres aus ihrer Kindheit und Jugend am Ostufer des Starnberger Sees. Spengler etwa berichtet von der fünfbeinigen Kuh namens Clothilde, die im Stall vom Michlbauer stand und die jedes Kind in Ambach kannte. Regnier beschreibt in einem Auszug aus seinem Werk „Wir Nachgeborenen“ den Blick vom Balkon des Brosi-Hofs auf den glitzernden See, über den langsam der Abend hereinbricht. „Ambach ist schmerzhaft schön“, lautet Regniers Erkenntnis.Tanja Lühr

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