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Es hat wieder geschneit. Für den Zugverkehr zwischen Holzkirchen und Lenggries bedeutete das: Am Sonntag ging auf der Schiene nichts mehr. Und am Montag gab es massive Verspätungen.
Lenggries/Bad Tölz – Am Tölzer Bahnhof standen am Montagmorgen rund 35 Schülerinnen über eine Stunde frierend am Bahnsteig. Eigentlich wollten sie um 7.30 Uhr die BOB nehmen, um die Hohenburger Schulen zu erreichen. „Zuerst kam eine Durchsage, dass der Zug 35 Minuten Verspätung hat“, berichte eine 14-jährige Tölzerin. „Dann hieß es: 45 Minuten. Dann, dass der Zug ausfällt und der 8-Uhr-Zug 35 Minuten Verspätung hat.“ Schließlich rollte um 8.40 Uhr ein Zug ein.
In Lenggries angekommen, mussten die Mädchen den Weg bis zum Schloss Hohenburg zu Fuß zurücklegen, denn Anschlussbusse standen keine mehr bereit. „Ich habe die erste Stunde komplett verpasst, da habe ich nichts dagegen“, meint die 14-Jährige verschmitzt. Insgesamt aber findet sie die winterbedingten BOB-Probleme „ein bisschen lächerlich – eigentlich sollten doch die Züge am wenigsten Probleme haben, wenn Schnee liegt“.
An der Schule laufen die Telefone heiß - Situation wegen BOB-Verspätungen „eine Katastrophe“
Aus der Hohenburger Schule heißt es, die Situation am Montagmorgen sei „eine Katastrophe“ gewesen. Viele Schülerinnen hätten sich bis zu zwei Stunden verspätet, andere hätten es gar nicht in die Schule geschafft. Die Telefone seien heiß gelaufen.
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Ähnliches berichtet Schulleiter Alexander Göbel aus dem Tölzer Gymnasium. „Es gab viel Unmut“, sagt er. Wenn an der Schule wie am Montagmorgen 50 bis 60 Anrufe von Eltern eingingen, sei es vor allem bedauerlich, dass man ihnen auch von Seiten der Schule keine „verlässliche Auskunft“ geben könne. Der Schule bleibe mangels präziser Auskunft von der BOB nichts anderes übrig, als auf die „Eigenverantwortlichkeit der Schüler“ zu setzen. „Wenn einer berichtet, dass er nicht länger warten kann, weil ihm die Finger abfrieren, dann müssen wir das akzeptieren.“ Einige Eltern hätten ihn als Schulleiter aufgefordert, „die BOB in die Spur zu bringen“. Das könne er nicht. „Die BOB ist ein privates Unternehmen.“ Göbel betont aber, dass Probleme der BOB „auch auf uns zurückschlagen“.
Nach Auskunft von BOB-Sprecherin Anna Graser wurde die Strecke Holzkirchen-Lenggries am Sonntag gegen 13 Uhr gesperrt und im Lauf des Abends wieder in Betrieb genommen. Am Montag dann sei die Strecke ab Betriebsbeginn wieder bedient worden, bis um 6.55 Uhr eine Weichenstörung bei Schaftlach gemeldet wurde. „Daraus resultierte eine Verspätung von zirka einer halben Stunde Richtung München.“ Gegen 10 Uhr habe es bei Tölz einen Fahrzeugschaden gegeben. „Dieser Zug musste abgeschleppt werden. Danach blockierten Räumarbeiten die Strecke.“
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Der neuerliche Zusammenbruch des Schienenverkehrs stellte sich just zwei Tage ein, nachdem die Bürgermeister von Bad Tölz, Lenggries, Gaißach und Reichersbeuern in einem Protestbrief an die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) in Bayern ihr „völliges Unverständnis“ geäußert hatten, dass der BOB-Betrieb bereits von 6. bis 15. Januar zum Erliegen gekommen war.
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Die BEG müsse als Auftraggeber des Schienenverkehrs ganz klare Verantwortlichkeiten zwischen BOB und Deutscher Bahn definieren und auch öffentlich kommunizieren, präzisiert der Tölzer Rathauschef Josef Janker auf Rückfrage des Tölzer Kurier. „Wenn ich die Wettervorhersage sehe, weiß ich doch, was auf mich zukommt. Und wenn die Räumgeräte nicht reichen, sollte man zusätzliche anschaffen.“ Allerdings räumt Janker ein: „Es gibt Situationen, in den einfach die Natur das Kommando übernimmt.“
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Zum Schreiben der Bürgermeister erklärt BOB-Sprecherin Graser: „Aus unserer Sicht gibt es keine großen Schuldzuweisungen zwischen DB Netz und der BOB, auch wenn es nicht in allen Punkten Übereinstimmung gibt. Fakt ist, dass DB Netz für die Infrastruktur und deren Räumung verantwortlich ist und offiziell den Betrieb der Infrastruktur ins Oberland eingestellt hatte.“ Nach vorne blickend gebe es viele Punkte, die auf allen Seiten – also BOB, DB Netz und „der gemeinsamen Vorbereitung auf solche Katastrophenfälle“ – verbessert werden könnten. „Eine erste Analyse, teils gemeinsam mit der DB Netz, haben wir bereits erstellt.“
So will die Bayerische Oberlandbahn dem Winter-Chaos zukünftig Herr werden. Dabei soll es sogar Hilfe von der DB geben.
