VonSilke Schederschließen
Die Straßenmeisterei Bad Tölz hat ein Marterl zum Gedenken an Hans Kiefersauer aufgestellt. Zur Segnung am Freitag kamen zahlreiche Weggefährten des Schneepflugfahrers.
Lenggries/Fall – Wie kann Gott so etwas zulassen? Auf diese Frage wusste Ruhestands-Pfarrer Quirin Strobl am Freitag auch keine Antwort. Er konnte den Trauernden nur Trost zusprechen. Und er konnte das Marterl segnen, das die Straßenmeisterei Bad Tölz in Gedenken an Schneepflugfahrer Hans Kiefersauer am Unglücksort aufgestellt hat.
Alle waren sie zur Segnung an der Lawinenumfahrung zwischen Fall und Vorderriß gekommen: Familie, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen, Bekannte und die Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr. Hier, unterhalb der Bundesstraße 307, hatte der zweifache Familienvater aus Schlegldorf am 11. Januar sein Leben verloren. Im Einsatz für andere Menschen, wie Pfarrer Strobl betonte, der den erkrankten Pfarrer Josef Kraller vertrat.
Wie berichtet wollte Hans Kiefersauer an jenem Morgen die Ausweichstraße vom Schnee befreien. Die B 307 war wegen Lawinengefahr gesperrt. Warum er von der Fahrbahn abkam, ist noch immer unklar. Vielleicht war es die Glätte, die das tonnenschwere Räumfahrzeug zum Kippen brachte. Es stürzte seitwärts in einen aufgestauten Zulauf der Isar. Hans Kiefersauer wurde in seinem Fahrzeug eingeklemmt.
Ein Marterl aus Lärche – damit es möglichst lange hält
Am Freitag stand das Wasser an der Unglücksstelle keine 20 Zentimeter hoch. Damals waren es gut eineinhalb Meter. Manfred Sitzberger schaut immer wieder auf den Tümpel, schüttelt den Kopf. Ihm fehlen die Worte. Der Straßenmeister war der Vorgesetzte von Hans Kiefersauer. In der Straßenmeisterei haben sie ein Bild von ihrem ehemaligen Kollegen aufgestellt. Und nun das Marterl am Unglücksort. „In Gedenken an Hans Kiefersauer“, steht darauf. „Es ist aus Lärche“, sagt Sitzberger. „Damit es möglichst lange hält.“
Kollegen hatten den Verunglückten damals entdeckt und einen Notruf abgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Hans Kiefersauer bereits rund 15 Minuten im eisigen Wasser. Weitere zwei Stunden lang kämpfte ein Großaufgebot an Einsatzkräften um das Leben von Hans Kiefersauer, der selbst so vielen Menschen geholfen hat. „Jeder konnte zu ihm kommen, er hat geholfen, wo es ging“, sagt Theresia Kiefersauer in einem Nachruf über ihren Mann. Für Hans Kiefersauer selbst kam jede Hilfe zu spät, obwohl die Rettungskräfte taten, was sie konnten. Abwechselnd stiegen die Helfer in den Tümpel und hielten den Kopf von Hans Kiefersauer über Wasser, versorgten ihm mit über 30 Flaschen Sauerstoff.
Zeitgleich eskortierte die Polizei einen Autokran zu der schwer zugänglichen Stelle. Mit dessen Hilfe konnte Hans Kiefersauer schließlich befreit werden. Trotzdem verstarb er noch am gleichen Tag in einer Spezialklinik in Innsbruck. Er wurde nur 48 Jahre alt.
Selbstloser Einsatz der Straßenmeisterei
Zehn Monate ist das nun her, der Winter steht erneut vor der Tür. Pfarrer Strobl nutzte die Gelegenheit und hob die Leistung der Straßenmeisterei hervor. „Ihr seid selbstlos im Einsatz, immer im Bewusstsein, dass ihr Tag und Nacht eure Leben aufs Spiel setzt.“ Auch Hans Kiefersauer habe nie daran gedacht, dass es für ihn gefährlich werden könnte.
Die Musikkapelle Schlegldorf spielte ihm zu Ehren drei Choräle. Der Spielsmannzug der Antlaßschützen Schlegldorf zollte seinem ehemaligen Schwegelpfeifer mi einem Marsch Respekt. Er sei eine Stütze gewesen, sagte Tambourmajor Jakob Ertl. Und er bleibe unvergessen.
