Gastro-Hammer zum Jahresende

Schock am Marienplatz: Münchner Traditionslokal macht nach 50 Jahren dicht

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Ein Blick in den Ratskeller.
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Wumms am Marienplatz! Dort schließt ein bekanntes Münchner Traditionslokal Ende 2025 – und damit nach 50 Jahren in Familienhand. Der Wirt berichtet.

München – Es ist ein gastronomisches Beben im Herzen der Stadt: Der legendäre Ratskeller unter dem Neuen Rathaus in München schließt zum 31. Dezember 2025. Das bestätigten die Wirte Toni Winklhofer und Peter Wieser (sein Schwager) am Dienstagnachmittag auf Anfrage unserer Zeitung. Die Familie, die auch das Festzelt Tradition auf der Oiden Wiesn betreibt, sperrt den Ratskeller schweren Herzens zu. Wieser geht Anfang 2026, mit 70 Jahren, in Ruhestand, eine Nachfolge innerhalb der Familie ist nicht geplant.

Toni Winklhofer, Wirt des Ratskellers im Neuen Rathaus in München.

50 Jahre in Familienhand: der Ratskeller in München

„Wir betreiben den Ratskeller heuer im 50. Jahr“, erzählt Winklhofer. Also seit 1975. „Aber mei, so ist das Leben halt.“ Eine Möglichkeit, das Traditionslokal am Marienplatz fortzuführen, sieht er nicht. Grund: Der Pachtvertrag läuft zum Jahresende aus, dann seien Sanierungsmaßnahmen unumgänglich. Laut Winklhofer sind Küche, Schankbereich und Personalräume betroffen.

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Das können wir finanziell nicht schultern.

Toni Winklhofer

Der Wirt sagt: „Einzelne Stammgäste wissen Bescheid, dass wir aufhören. Und unsere Mitarbeiter haben wir als erstes informiert.“ Mehr als 130 an der Zahl. „Sie wussten aber auch, dass wir in dazu in Verhandlungen waren“, sagt Winklhofer. Damit meint er: Seine Familie und er haben mit der Stadt als Vermieter die Zukunft des Ratskellers ausgelotet.

Der Ratskeller am Marienplatz.

München: Sanierung des Neuen Rathauses steht an

Er erklärt: Wegen der Sanierungsmaßnahmen würde sich der Ratskeller verkleinern. Gleichzeitig müsste er für die Bauarbeiten 1,5 Millionen Euro selbst in die Hand nehmen. „Das sind zusätzliche Investitionen, die zu den ohnehin immer wieder nötigen Ausgaben noch dazukommen. Und das können wir finanziell nicht schultern.“

Schon ewig im Betrieb: der Ratskeller im Jahr 1925.

Was mit reinspielt: In näherer Zukunft muss das komplette Rathaus saniert werden – das Gebäude ist 120 Jahre alt. Diese Renovierung sollte eigentlich 2027 beginnen, die Arbeiten wurden allerdings auf 2032 verschoben. Die Verwaltung soll dann in andere städtische Gebäude umziehen, das Rathaus muss komplett geräumt werden (also auch der Ratskeller).

Für Winklhofer und Wieser würde das bedeuten: Die 1,5-Millionen-Investition müssten sie bis dahin erwirtschaftet haben, damit der Umbau Sinn hat. Winklhofer: „Wir vermuten aber, dass wir das Geld bis dahin nicht wieder reinkriegen.“

„Wir möchten uns bei unseren Gästen bedanken“

Beide Wirte betonen: „Wir möchten uns bei all unseren über 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Arbeit und Treue bedanken. Und natürlich bei all unseren Gästen aus München und der ganzen Welt. Ein herzliches Dankeschön gilt auch der Stadt München für die jahrzehntelange vertrauensvolle und sehr gute Zusammenarbeit und Partnerschaft!“

Ein wenig dauert‘s noch bis zum endgültigen Servus: Gut acht Monate sind‘s bis zur Schließung. So lang können die Münchner über die vielen gemütlichen Gewölbe unterm Rathaus staunen und feine Gerichte vom Avocado-Tomaten-Tartar mit Wasabi-Crunch (19 Euro) bis zur Schweinshaxn (26 Euro) genießen. 2024 musste auch ein weiteres bekanntes Restaurant in München nach vielen Jahrzehnten schließen.

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