Schwere Schäden in früherer Pfarrei

Schon wieder Erdbeben in Ecuador: Missionspfarrer aus Miesbach bittet um Hilfe

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Besondere Verbindung: Mit einem Denkmal auf dem nach ihm benannten Dorfplatz haben die Bewohner von La Asuncion Enrique Rosner für sein langjähriges Engagement gedankt.
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2016 richtete ein Erdbeben in der Pfarrei des Miesbacher Missionspfarrers Enrique Rosner in Ecuador schwere Schäden an. Jetzt erwischte es seine frühere Wirkungsstätte. Hilfe wird gebraucht.

Miesbach/La Asuncion – Auf dem so genannten pazifischen Feuerring sind Erdbeben keine Seltenheit. Vielleicht ist auch das der Grund, warum nicht jedes dieser Naturereignisse ein globales Medienecho auslöst. Dass die Folgen für die Menschen vor Ort dennoch dramatisch sein können, hat der in Ecuador lebende Miesbacher Missionspfarrer Heinrich Rosner (86) schon oft am eigenen Leib erfahren. Während das große Beben 2016 seine aktuelle Pfarrei in Tababela nahe der Hauptstadt Quito schwer getroffen hatte (wir berichteten), erwischte es nun vor allem den Süden des Landes und damit auch La Asuncion. Jene Pfarrei, in der Padre Enrique 15 Jahre lang gewirkt hat und der er bis heute sehr verbunden ist. Da ist es selbstverständlich für den Miesbacher, dass er auch den Menschen dort helfen möchte – und deshalb auch in seiner oberbayerischen Heimat um Unterstützung bittet.

Pfarrer bittet wieder um Spenden

Wie viel so ein Aufruf bringen kann, hat Rosner 2016 selbst überrascht. Binnen kürzester Zeit hatte er hier Spendengelder für fünf Holzfertighäuser beieinander, um obdachlosen Familien eine neue Heimat zu schaffen. 2021 kamen sogar ganze 60 000 Euro an Corona-Hilfen für die Gemeinde des Padre zusammen. Auch diesmal wird jeder Euro dringend gebraucht, schildert Rosner.

Am Vormittag des 18. März bebte plötzlich die Erde. Eine Stärke von 6,5 auf der Richterskala hinterließ auch in La Asuncion schwere Schäden 14 Menschen seien verletzt worden, Tote habe man Gott sei Dank nicht zu beklagen, berichtet Rosner. Zwölf Häuser seien eingestürzt, die Familien obdachlos geworden. „Ich kenne sie alle“, sagt der Padre. Sie würden in den Hausruinen kampieren, ohne Herd, Kühlschrank, Strom oder Telefon. Auch das Dach der Schule sei zusammengekracht – zum Glück an einem Samstag. Durch vom Beben ausgelöste Erdrutsche seien Brücken und Straßen zerstört, sodass man aktuell zur zu Fuß, per Pferd oder Esel nach La Asuncion komme.

Schwere Schäden sind in den Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden in La Asuncion im Süden Ecuadors entstanden. Etliche Familien sind nach dem Erdbeben am 18. Mai obdachlos. Um sie beim Wiederaufbau zu unterstützen, bittet Missionspfarrer Enrique Rosner nun seine Miesbacher Heimat um Spenden.

Emotional besonders schlimm seien die Schäden an Kirche in Pfarrzentrum, erzählt Rosner. So habe der aktuelle Pfarrer, „ein tüchtiger und beliebter Mittfünfziger“, erst zum Patrozinium am 15. August das Kirchendach und den Pfarrsaal renovieren lassen. Die Dorfbewohner hätten in freiwilliger Arbeitsleistung („Minga“) so kräftig zugelangt wie vor 40 Jahren beim von Rosner begleiteten Bau der Kirche. „Jetzt hat das Erdbeben in 40 Sekunden all das zunichtegemacht“, seufzt Rosner.

Was den Padre auch nach Jahrzehnten als Missionspfarrer in Ecuador noch beeindruckt, ist der Optimismus der Menschen. So würden sich die „Azhucos“ (wie die Bewohner von La Asuncion genannt werden) auch diesmal nicht entmutigen und hätten bereits mit dem Wiederaufbau begonnen. Obwohl sie selbst ihre in die USA ausgewanderten Verwandten mit Geld unterstützen würden, könnten sie es alleine nicht schaffen, ist Rosner überzeugt und fragt: „Wer hilft den Vergessenen?“ Eine Frage, in der durchaus Hoffnung mitschwingt. Hoffnung, dass die Miesbacher die Anteilnahme des Padre am Schicksal seiner ehemalige Wirkungsstätte teilen. Seine erste Pfarrei in Ecuador, die er laut seinem Bruder Peter Rosner einst aus dem „Mittelalter in die Gegenwart“ führte und hier Schulen, Käsereien, Kirchen und ein Gemeindezentrum initiierte. Ein Lebenswerk, das sich Enrique nicht vom Erdbeben kaputtmachen lassen will. Nicht seiner selbst, sondern der Dorfbewohner wegen. SEBASTIAN GRAUVOGL

Spenden

für den Wiederaufbau nach dem schweren Erdbeben in La Asuncion sind möglich an das Missionskonto Heinrich Rosner, IBAN DE 94 7115 2570 0000 4023 96, bei der Kreissparkasse Miesbach.

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