VonElke Robertschließen
Keine Großveranstaltungen bis zum 31. August! Diese Ankündigung bringt Organisatoren in Bedrängnis. Ein großes Fragezeichen steht über dem Schongauer Sommer, ausgerechnet im Jubiläumsjahr. Das groß angekündigte Bungalou-Festival am Festplatz wackelt. Auch die Fußballer können ihr Jubiläum nicht feiern.
Schongau – Vorab: Eine einheitlich gültige Definition, was genau man unter Großveranstaltung versteht, gibt es bisher nicht. Dies bestätigt Helmut Stork, Sachgebietsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt Weilheim. „Informationen wären sehr interessant, bei uns rufen sie derzeit alle an, vom Bürgermeister bis zum Veranstalter von Trachtenfesten.“ Die einzige Zahl, die er hierzu nennen kann, sind die 1000 Besucher, ab dieser Zahl ist eine Veranstaltung erlaubnispflichtig. „Wir warten darauf, dass es Informationen gibt“, so Stork.
20. Jubiläum des Historischen Markts
Dies macht es für Organisatoren wie Manfred Wodarczyk, der den Schongauer Sommer vorbereitet, nicht gerade einfach. Das 20. Mal soll der Historische Markt heuer stattfinden, vom 7. bis zum 16. August war der Schongauer Sommer eingeplant. Fällt er ins Wasser? Wodarczyk ist guter Dinge, aber vorsichtig. „Von der Stadt Schongau haben wir volle Rückendeckung“, berichtet er über ein Gespräch mit Bürgermeister Falk Sluyterman. „Er würde sich freuen, wenn wir es machen könnten.“
Voraussetzung ist natürlich die Freigabe durch die Behörden, sprich das Landratsamt. 4000 bis 6000 Besucher sind im Schnitt pro Tag am Historischen Markt, 40 000 bis 60 000 insgesamt. Zieht man den „Orientierungsrahmen“ von Nordrhein-Westfalen zum Vergleich heran, zählen dort z.B. Events, in denen täglich 100 000 Besucher erwartet werden, zu Großveranstaltungen. Auch sollen sich zeitgleich nicht mehr als ein Drittel der Einwohnerzahl einer Stadt/Gemeinde auf dem Veranstaltungsgelände befinden. „Das wären für Schongau 4000 Besucher. Das könnten wir sicher einhalten, wenn wir das Gelände abgrenzen“, ist Wodarczyk überzeugt. Eintritt will er übrigens in diesen Zeiten nicht verlangen. Stattdessen werden, wo möglich, Kosten reduziert. Sechs Wochen vorher, Anfang Juni, soll dann entschieden werden, ob der Schongauer Sommer stattfindet. „Wir setzen alles daran, die Veranstaltung zu machen, aber die Kosten müssen gedeckt sein, sonst müssen wir das Jubiläum auf 2021 verschieben.“
Bungalou-Festival müsste bereits zum zweiten Mal verschoben werden
Zum zweiten Mal verschoben werden müsste das Bungalou-Festival, das ja schon im vergangenen Jahr in Peiting stattfinden sollte und wegen der Schlechtwetterlage kurzfristig abgesagt wurde. Das Team um Manuel Sachs hat derzeit ebenso wenige Informationen, gleichwohl rechnet man mit deutlich weniger Besuchern als beim Schongauer Sommer. Rund 1500 Festivalgäste sollen es sein, so der Wunsch. Da ist man vermutlich von einer Großveranstaltung ganz weit entfernt. „Wir würden natürlich alle Auflagen erfüllen, auch eine eventuelle Maskenpflicht“, so Sachs. Abstand halten ist bei einem Festival, bei dem getanzt wird, aber eher schlecht möglich. „Anfang Juni bekommen wir eine Einschätzung des Gesundheitsamtes“, so Sachs, bis dahin laufen alle Planungen weiter.
Mit den Bands ist man in Kontakt, ab dem 2. Maiwochenende soll nach und nach bekannt gegeben werden, wer auftritt. Oder auftreten könnte. Der Kartenvorverkauf läuft weiter, aber verständlicherweise sehr schleppend, wie der Musiker verrät. Aber schon jetzt überlegt man im Team, welche Alternativen es gibt. Festival in den September verschieben oder auf nächstes Jahr? Als Trostpflaster für alle ein Minifestival zum Download anbieten? Sachs: „Wenn wir absagen müssen, lassen wir uns etwas einfallen.“
Das war es wohl auch mit einer Volksfest-Minivariante
Ronny Grubart bedauert die Entwicklung. Der Schausteller aus Argenbrühl hatte das Schongauer Volksfest 2015 reaktiviert. Für 2019 hatte er überraschend abgesagt, und auch für 2020 war er bereits auf dem Rückzug, hatte zumindest ein Volksfest in seiner eigentlichen Form ausgeschlossen. Die angekündigten Gespräche mit der Stadt über eine abgespeckte Version oder über andere Ideen haben nun aber natürlich auch nicht stattgefunden. Bei der Schausteller-Familie aus dem Allgäu herrscht völliger Stillstand. „Das Thema ist dieses Jahr vom Tisch“, ist Grubart überzeugt, „es gibt gar keine Planungen, auch nicht für nach dem 31. August.“ Fast 40, teils mehrtägige Veranstaltungen sind dem Familienunternehmen heuer weggefallen, „wir hoffen auf Lockerungen, ich bin momentan wie totgestellt“, beschreibt es Grubart. „Und in unserer Branche gibt es keinen Plan B.“ Er will versuchen, dass der Motor so rasch wie möglich wieder anläuft – und dabei dann auch an Schongau denken, verspricht er.
Das 100-jährige Jubiläum der Fußballabteilung im TSV Schongau fällt komplett flach
Der ganze Juli hätte im Zeichen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum stehen sollen, nun macht die Corona-Pandemie auch der Fußballabteilung des TSV Schongau einen Strich durch die Rechnung. Alle Planungen sind dahin: Festabend am 3. Juli im Ballenhaus für geladene Gäste, große Poolparty im Plantsch einen Tag später mit besonderen Einlagen, E-Jugend-Turnier mit Gästen von 1860 und FC Bayern am 11. Juli, der große Tag der Fußballabteilung für und mit allen Mitgliedern im Festzelt am 17. Juli, am Wochenende das Firmen- und Behördenturnier in Form eines menschlichen Kickers. Den Abschluss hätte ein Gottesdienst gebildet. Besonders leid tut es Hannes Waldmann, Abteilungsleiter Fußball beim TSV, um „Fußball trifft Klassik“ , ein gemeinsames Konzert mit Programm am Marienplatz mit der Stadtkapelle und Sportlern. „Auch das muss leider ausfallen, aber wir wollten die Idee nicht sterben lassen und wollen diesen Programmpunkt losgelöst vom Jubiläum nachholen“, so Waldmann. Für 2021 wird dies eventuell nicht klappen, da die Stadtkapelle bereits stark gebunden sei, aber dann 2022. Die Zusammenarbeit mit der Stadtkapelle sei im Vorfeld sehr fruchtbar gewesen, weiß Waldmann vom Organisatorenteam. „Wir überlegen gerade, wie wir im Kleinen an unser Jubiläum erinnern können, was da noch umsetzbar ist.“ Und die Feier nachholen? Darüber sei noch nicht entschieden, aber nach Waldmanns Meinung auf keinen Fall in diesem Umfang.
Und das könnte Sie auch interessieren:
Auch das große zweitägige Triathlonfest in Schongau ist abgesagt
Und hier finden Sie weitere Berichte aus der Region
