Wochenend-Aktion

Ein Altenheim zieht um: Mit Sack und Pack ins neue Marie-Eberth-Haus

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Umzug ins neue Marie-Eberth-Haus: Heidi Hassel und Erich Christ verlassen als erste die gewohnte Umgebung.

Es ist sicherlich kein leichter Schritt, eine gewohnte Umgebung verlassen zu müssen. Da kreisen viele Gedanken in den Köpfen, was auf einen zukommen wird. So ein Schritt kam jetzt auf die Bewohner des Marie-Eberth-Altenheims zu, die in einer gut organisierten Aktion am Wochenende in die Räume des neuen Hauses mit Sack und Pack umzogen. Zahlreiche helfende Hände unterstützten die Aktion.

Schongau – Es war eine der großen Sorgen von Rade Dimovski, dass am Tag des Umzugs in die neuen Räume der Himmel seine Schleusen öffnet und Regen die Aktion behindern würde. Aber trockenes Wetter beflügelte am Samstag die vielen Helfer geradezu, die Kleinmöbel, Bekleidung und persönlichen Erinnerungsstücke von den alten Räumlichkeiten in die neuen zu bringen.

Rade war in seinem Tatendrang fast nicht zu bremsen, das Zimmer seiner Schwiegermutter Blaga Gorjievska zu „stürmen“. „Wir wurden an verschiedenen Abenden durch Heimleiterin Gisela Mair gut vorbereitet, wie der Umzug vonstatten gehen soll“, erzählt er. Im Schlepptau hat Rade seine Familie, die ihn unterstützen wird. Ehefrau Mira, Tochter Kristina und deren Ehemann Andy. Ein Power-Team, wie es man sich nur wünschen kann.

„Wir haben bewusst zwei Tage gewählt, um unsere Bewohner behutsam in ihre neue Umgebung zu führen“, erzählt Gisela Mair in einer ruhigen Minute. Sie ist quasi der General der Aktion, der den Plan ausgearbeitet hat.

„Am ersten Tag sollen in Ruhe alle Utensilien verpackt und in die neuen Räume gebracht werden, damit am nächsten Tag die Bewohner nicht in kahle Räume kommen, sondern ein gemütliches Zimmer vorfinden“, so Gisela Mair.

Sitzen voller Erwartungen bereit, in das neue Marie-Eberth-Haus umzuziehen. (v.l.) Rade und Mira Dimovski, Blaga Gorgievska, Kristina und Andy.

Blaga Gorgievska (80) sitzt erwartungsvoll auf ihrem Bett. Vor ihr türmen sich Umzugskartons auf, daneben kleine Koffer und Taschen. Blagas Tochter Mira hat nicht überhörbar das Kommando übernommen. Sie teilt ihre Helfer ein. „Als erstes werden alle Kleider und Wäschestücke nach drüben gebracht, dann könnt Ihr die Bilder abnehmen und die Kleinmöbel nachbringen“, so ihre Anordnung. Sitzt – keine Widerrede.

Der erste Trupp mit Kristina und Andy greift zu und bewegt sich Richtung neues Heim. Dann noch: „Fernseher, Kühlschrank und Mama bleiben bis morgen da“, setzt Mira noch hinterher. Sie weiß, dass ihre Mutter so gerne Talkshows ansieht, das soll sie auch an diesem letzten Abend in alter Atmosphäre genießen.

Der Aufzug in dem neuen Gebäude hat Hochbetrieb. Fast schon eingepfercht zwischen zwei Rollwagen ist Pflegedienstleiterin Elena Nunez. Sie ist voll bepackt mit Hygieneartikel, die noch auf die Zimmer verteilt werden müssen.

Ankunft 1. Stock, Türe auf, Gott sei Dank Frischluft. Und wunderbare Schnittblumen in jedem der neuen Zimmer. Dazu kleine Schokotäfelchen. Ein Willkommensgruß. Mira hängt die Wäsche ihrer Mutter in den Schrank. „Ich bin so glücklich, dass Mama sich hier wohlfühlt. Es wäre ein großes Problem, wenn sie sagen würde, dass sie nicht will!“

Die Erleichterung ist Mira anzusehen. Mit Schwung kommt Rade dazu. Ausgestattet mit Wasserwaage, Hammer und Nägeln. Er soll all die Bilder aufhängen, an denen die Schwiegermutter so hängt. Hochzeitsbild, alle Enkel und natürlich das Foto ihres verstorbenen Mannes Nikola. Mit ihm konnte sie 2010 noch Goldene Hochzeit feiern. Doch einfach die Nägel in die Wände klopfen – Fehlanzeige. Da muss Hausmeister Stoy Serafinov sein Okay geben, nachdem er festgestellt hat, dass keine elektrischen Leitungen in der Wand verlaufen.

Letzter großer Akt: Andy und Rade quälen sich mit dem großen elektrischen Ledersessel ab. Mira gibt Kommandos, passt. Wie gesagt, sie hält die Fäden in der Hand.

Sonntagmorgen, der Tag des Umzugs. Teilweise sind feuchte Augen zu beobachten. Ermunterndes Zureden der Pflegekräfte, das neue Domizil wartet. In drei Wellen sollen die Bewohner umgesiedelt werden. Hedwig Thoma schickt immer paarweise die Bewohner los, nachdem sie von ihrer Liste ausgetragen sind. Heidi Hassler und Erich Christ sind das erste Paar. Die Helfer schieben auf Teufel komm raus, dunkle Wolken bauen sich auf. Symbolisch weint der Himmel. Man hatte sich in alter Umgebung wohlgefühlt. Was wird die neue bringen?

„Schieb schneller“, so die Aufforderung von Blaga an ihren Schwiegersohn Rade, „sonst wird meine Frisur nass.“ Sorgen einer Frau. Pflegedienstleiterin Elena Nunez begrüßt persönlich jeden einzelnen Bewohner in dem neuen Haus. Das wird das neue Zuhause werden. Willkommen im neuen Marie-Eberth-Haus!

VON HANS-HELMUT HEROLD

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