„Vielleicht macht die Eule gar nicht zu und das Ganze ist ein Parallel-Universum“: Eine Hoffnung, die sich wohl nicht erfüllen wird. Mit Riesen-Schritten nähert sich die Musikkneipe Eulenspiegel in Schongau ihrem unausweichlichen Ende. Zum allerletzten Konzert standen jetzt die „Allstars“ auf der Bühne von Inge Pfettrisch.
Schongau – So voll hat man das kleine Lokal an der Blumenstraße in Schongau selbst zu den besten Zeiten noch nicht gesehen: Vor der Eingangstüre der Musikkneipe „Eulenspiegel“ hatte sich zusätzlich noch eine große Menschentraube derer gebildet, die drinnen keinen Platz mehr hatten. Über der Theke prangte ein Schild „Heute Selbstbedienung“, und Wirtin Inge Pfettrisch und ihr Team bewahrten wie üblich komplett die Ruhe.
Auf der Bühne gaben die „Eulenspiegel-Allstars“ Elmar Zaremba (Keyboard), Thomas Härtel (Bass), Michi Waibl (Schlagzeug), Tim von der Heide (Gitarre) und Rudi Spitzeder (Gitarre und Gesang) alles. „Queen“, „Cream“, „Creedence Clearwater Revival“, „Randy Crawford“, „Tina Turner“ oder „Joe Cocker“ – bei dem Konzert lebten Rock und Pop aus vergangenen Jahrzehnten wieder auf. Und die Besucher, die dicht gedrängt vor der Bühne und zum Teil auf den Bänken standen, rockten richtig ab.
Emotionaler Moment: Inge Pfettrisch zum ersten Mal selbst auf der Bühne
Die Formation aus lokalen Musikern hatte sich ursprünglich einmal auf Anregung von „Eule-Quizmaster“ Josef Walter zum Todestag des Stammgasts und DJ „Waldi“, Walter Nietsche, gebildet – und hatte seitdem einmal im Jahr ein Gedenkkonzert in der Eule gegeben. „Diese Musik war ein wichtiger Bestandteil unserer Jugend und immer ein Highlight des Jahres“, betonte Inge Pfettrisch, die zum Abschied nach 37 Jahren zum ersten Mal die Bühne betrat und sich bei den Musikern, bei ihren Mitarbeitern und ihren Gästen für die vielen gemeinsamen Jahre bedankte – ein überaus emotionaler Moment.
Deshalb hatte sich Pfettrisch die Allstars auch für das letzte Eulen-Konzert gewünscht, die dieser Einladung gerne gefolgt sind. Für das jährliche Allstars-Konzert kündigte Pfettrisch zudem an, dass sie auf der Suche nach einer anderen Lokalität sei, um die Gedenkkonzerte fortzuführen.
Mit Ossi Becke, einem Schongauer Musiker, der inzwischen in Amerika lebt, begrüßten die „Allstars“ zudem einen besonderen Gast, der für das Konzert eigens seine regelmäßige Schongau-Reise verschoben hatte und die fünf Musiker Percussion-mäßig unterstütze. „Eine Ära geht zu Ende. Und ich verliere mit der Eule einen Anlaufpunkt in Schongau, wo ich viele Konzerte bestritten und auch nach vielen Jahren immer Bekannte getroffen habe“, meinte er wehmütig.
Auch Angelika Heining, gut 20 Jahre lang regelmäßig zu Gast im „Eulenspiegel“, war an diesem Abend in etwas melancholischer Stimmung. „Das war zusammen mit dem ,Alten Griechen’ unsere Jugend“, sagte sie über das Ende der „Eule“. „Hier konnte man immer irgendwelche Leute treffen, auch wenn man nicht mehr in der Lechstadt wohnte und nur zu Besuch da war.“
„Wir sind sehr traurig, weil es das letzte Konzert ist. Das Publikum ist in unserem Alter“, meinte auch Danuta Brzotowska. Und auch Gerhard Eidam, der vor allem zu Konzerten in der „Eule“ war, fand es „super schade“, dass die „Eule“ jetzt schließt, da „es keinen Ersatz in Schongau und über die Grenzen hinaus“ für diese Institution und ihre berühmten Sandwiches gibt.
Beim letzten Mal werden sogar ganz banale Dinge zu etwas Besonderem, wie Bassist Thomas Härtel bewies: „Seid einmal alle ganz leise. Es gibt nicht mehr viele Gelegenheiten, wo ich das machen kann“, forderte er die Besucher auf. In die Stille hinein orderte er: „Inge, zwei Bier bitte!“. Um, als diese geliefert wurden, mit allen das Glas zu heben und auszurufen: „Ein Hoch auf die Inge!“
URSULA FRÖHLICH
Letztes Quiz:
Das letzte Quiz in der Schongauer Musikkneipe „Eulenspiegel“ findet am letzten Öffnungstag am heutigen Dienstag, 26. März, statt. Quizmaster Josef Walter serviert dann unter dem Motto „A schöne Leich“ allerhand Überraschendes.
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