VonElke Robertschließen
Genau 100 Jahre ist es her, dass die erste direkte Wahl eines Bürgermeisters, Franz Bader, in Schongau abgehalten wurde. Ein Grund, zurückzublicken.
Schongau – Die Kommunalwahlen 2020 werfen bereits ihre Schatten voraus. Auf eine interessante Reise durch die Geschichte der Stadt nahm der Kreisheimatpfleger nun das Stadtratsgremium und viele Zuhörer mit. Zunächst ging es weit zurück bis zur Gründung der mittelalterlichen Stadt. 40 Jahre – von 1180 bis 1220 – wurden benötigt, um Schongau mit seiner rund 1,6 Kilometer langen Stadtmauer aufzubauen. Bereits 1204 wurde die Münze erwähnt, „der Schongauer Pfennig war bereits im Umlauf“, so Schmidbauer. Das Leben und Wohnen in der Stadt wurde durch Privilegien recht attraktiv gemacht. So durften die Bürger Schongaus Waffen tragen, was sonst nur dem Adel erlaubt war. „Die Hohenfurcher oder Peitinger kämpften mit Mistgabeln und Dreschflegeln statt mit dem Schwert und der langen Lanze.“
Nun mussten aber die Sonderrechte gewahrt und eingehalten werden, wofür der „Rat der Bürger“ (consilium civium) zuständig war, in Schongau erstmals 1320 erwähnt – der Stadtrat als Bürgervertretungsorgan könnte also im kommenden Jahr sein 700-jähriges Jubiläum feiern. „Das hat beileibe nicht jede Stadt“, so Schmidbauer.
Schongauer Stadtgeschichte: So entstand der Stadtrat
Zunächst rückten noch die altbürgerlichen Familien enger zusammen, um die Ausübung der Rechte alleine zu kontrollieren, aber die Handwerker und Kleinbürger waren misstrauisch, weshalb neben dem Inneren Rat auch ein Äußerer Rat entstand. Über einen „Ratsschwur“, nichts auszuplaudern aus der Ratsversammlung, wird in Schongau allerdings erst 100 Jahre später berichtet, heute sei dies ja selbstverständlich, so der ehemalige Stadtrat mit einem Augenzwinkern gegenüber seinen Ratskollegen.
Bürgermeister ist eine relativ späte Bezeichnung, dieser wurde Sprecher (locutor) oder auch Kämmerer genannt, so Schmidbauer mit Blick auf Stadtkämmerer Werner Hefele. Erstmals taucht 1441 in einer Urkunde die Bezeichnung Bürgermeister auf, einen Stellvertreter gab es erstmals 1461. Dieser kam nach den Ausführungen Schmidbauers oftmals aus dem Äußeren Rat.
Schongauer Stadtgeschichte: “Der Stadtrat war nicht zimperlich“
„Der Stadtrat war im Strafvollzug nicht zimperlich, aber wirksam“, belegen die Quellen des Kreisheimatpflegers über einen Prozess in der Fronveste, bei dem Straßenräuber und Mörder aus Unterammergau dank eines Tricks dann doch ein Geständnis im Angesicht einer Monstranz ablegten, weil sie lieber den Herrgott nicht anlügen wollten – sie wurden allesamt am Galgenbichl hingerichtet.
Im Rahmen der Reformen im 19. Jahrhundert wurde 1808 der Innere und der Äußere Rat überführt in ein Zwei-Kammer-System mit Rat und Stadtverwaltung, wobei in Schongau nicht mal fünf Prozent der Bürger wahlberechtigt waren: 119 von 3000 Einwohnern. Gleich nach dem Ende der Räterepublik startete am 25. Mai 1919 der Selbstverwaltungsprozess, der Zwei-Kammer-Rat wurde abgelöst von einem Stadtrat mit 20 Mitgliedern, wobei die Schongauer sich für nur 14 Mitglieder entschieden. Gewählt werden konnte im reinen Verhältniswahlrecht, also über eine Liste. Der Stadtrat setzte sich zusammen aus sechs Mitgliedern der Bayerischen Volkspartei, sechs Mitgliedern der Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutschlands und zwei Stadträten des Bayerischen Bauernbundes.
Schongauer Stadtgeschichte: Erste demokratische Wahl des Bügermeisters
Erstmals wurde nun der Erste Bürgermeister durch sämtliche wahlberechtigte Gemeindebürger gewählt, und zwar auf fünf Jahre Amtszeit. Bereits ab 1924 wurde der Bürgermeister wieder vom Stadtrat gewählt. Ab 1933 kam dann der Umschwung: Ab 1935 wurde mit der neuen deutschen Gemeindeordnung der Bürgermeister gar nicht mehr gewählt, sondern die Stelle nur noch ausgeschrieben und der Bürgermeister ernannt, der Stadtrat durfte nur noch beratend zur Seite stehen und gar nicht mehr abstimmen. Erst 1948 wurde der Bürgermeister per Volkswahl wieder auf vier Jahre gewählt, 1952 dann die noch heute gültige Gemeindeordnung mit einer sechsjährigen Amtszeit eingeführt.
Franz Bader hatte während des Ersten Weltkriegs als Zweiter Bürgermeister für den zum Kriegsdienst beorderten Bürgermeister Theodor Ferstl bereits alle Amtsgeschäfte geführt und wurde dann der erste demokratisch gewählte Bürgermeister Schongaus zwischen den beiden Weltkriegen – teils direkt vom Volk gewählt, teils durch Gemeindevertreter. Bader setzte sich nicht nur durch, er war auch beliebt (Wiederwahl 1924 mit 13 von 14 Stimmen im Rat). 1934 wurde er dann abgesetzt. Der im Dezember 1875 geborene Schongauer starb 1956 und war Ehrenbürger der Stadt Schongau. Heute erinnert an ihn der Franz-Bader-Weg. Auch am Maxtor ist er auf einem Fresko zu sehen.
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