Forscherklasse an der Pfaffenwinkel-Realschule Schongau

Mausefallenautos und kartesische Taucher

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Fünftklässler experimentieren in der Forscherklasse der Pfaffenwinkel-Realschule Schongau. Die Schüler sollen neugierig werden auf Fächer aus der MINT-Gruppe.

Schongau „Auf die Plätze, bitte.“ „Guten Morgen, Herr Malz“, schallt es vielstimmig durch den Biologiesaal der Pfaffenwinkel-Realschule Schongau. Die Forscherklasse hat sich eingefunden. Ganz aufgeregt vor lauter Begeisterung, präsentieren sie ihre jüngsten Forschungsergebnisse, manche mit Knalleffekt, manche nur klein, aber mit großer Wirkung. Vor allem die Jungs haben in letzter Zeit eifrig an ganz besonderen Fahrzeugen gebaut, Autos mit Mausefallen-Antrieb. Tim kann dem Besucher ganz genau erklären, wie sich das Vehikel fortbewegt und welche Teile er warum für den Bau verwendet hat, eines der Meisterautos hat Korbi gebaut. Einen regelrechten Wettbewerb haben sich die kleinen Forscher geliefert. Die Sieger wurden dann mit Medaillen aus der Tonwerkstatt der Schule prämiert.

Das spielerische Entwerfen und Konstruieren steht im Vordergrund

Im Vordergrund stehen in dieser Klassenstufe nicht das Erlernen von Formeln und physikalischen Gesetzen, sondern das spielerische Entwerfen und Konstruieren, das Ausprobieren und wieder Verwerfen, das Planen und Optimieren – und wenn etwas nicht klappt, dann geht es eben daneben.

Konzentrierte Spannung: Martin und Maid zünden gemeinsam eine Streichholzrakete

Die Experimente und Forschungsprojekte sind völlig unterschiedlicher Natur – wie auch die Fähigkeiten der Kinder. Vanessa zum Beispiel ist Meisterin darin, aus einem Glasröhrchen einen kartesischen Taucher zu blasen, auch bekannt als Flaschenteufel. Am Ende in eine gefüllte Wasserflasche gesetzt, sinkt dieser bei Druck auf die Flaschenwand nach unten – Tobias drückt ihn sogar bis ganz auf den Flaschenboden. Martin und Maid demonstrieren mit respektvoller Vorsicht das Experiment mit der Streichholzrakete, während Erik und Mathias die Schaumrakete bis an die Decke katapultieren. Eher für die ganz ruhigen Hände ist der Bau des Nudelturms, zusammengehalten von Marshmallows.

Schüler kommen einmal wöchentlich zusammen

Einmal wöchentlich treffen sich die Schüler der 5d in einem der neuen Fachräume der Pfaffenwinkel-Realschule. Als Mentoren stehen den jungen Forschern das Lehrerehepaar Norina und Claus-Ulrich Malz zur Seite. Die Kreativität der Kinder zu wecken und zu fördern, ohne Noten, dafür mit einem kleinen Wettbewerbscharakter als Anreiz, sei die beste Möglichkeit, die Schüler spielerisch an Unterrichtsfächer aus der MINT-Gruppe heranzuführen, bestenfalls in Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu bringen. „Uns brechen die Ingenieure weg“, so Claus-Ulrich Malz, wir müssen also sehen, wie wir die Kinder motivieren und begeistern.“ Egal, ob Mädchen oder Junge, nicht mal Interesse für die mathematischen Fächer ist anfangs wichtig. Ob da verborgene Fähigkeiten schlummern, zeigt sich dann schon.

Malz würde die Klasse gerne über mehrere Jahre hinweg führen

Eine Stunde pro Woche ist dabei allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auch würde Malz die Klasse gerne über mehrere Jahre weiterführen – zumindest so lange, bis sich die Schüler für einen Fachzweig entscheiden müssen. Nicht immer passt das Lehrerkontingent mit persönlichen Wünschen überein, „da entscheiden wir natürlich für die ganze Schule“, hat Malz Verständnis. Ganz ohne die Eltern geht es bei dem geringen Stundenkontingent aber nicht. Die Lehrer freuen sich immer, wenn von zuhause zusätzliche Impulse kommen.

Die Forscherklasse der Pfaffenwinkel Realschule mit einigen Projekten. Rechts hinten das Lehrer-Ehepaar Norina und Claus-Ulrich Malz.

Trotz der kurzen Zeit versuchen die beiden Lehrer, das Interesse der Schüler fürs Experimentieren und Forschen zu wecken. Vorgaben gibt es dabei nicht. „Alles basiert auf Versuch und Irrtum“, so Malz. Erst, wenn die Schüler gar nicht weiterkommen, gibt es eine Hilfestellung. Mit etwas mehr Erfahrung sollen sich die Schüler dann auch offene Aufgaben suchen, also sich selbst eine Problemstellung ausdenken. Beste Vorbereitungen fürs spätere Arbeiten im Rahmen von „Jugend forscht/Schüler experimentieren“ übrigens, dessen Arbeitsgruppe Malz gemeinsam mit Susanne Wolf ebenfalls leitet. Natürlich hofft man, dass in der Forscherklasse der Funke überspringt auf einen künftigen Teilnehmer, denn die Gruppe der jugendlichen Forscher ist derzeit sehr ausgedünnt. „Die älteren Forscher haben die Schule bereits verlassen, wir müssen uns einen neuen Stamm aufbauen“, wünscht sich Malz.

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