„Wie ist das, wenn man versucht, ganz ohne Plastik auszukommen?“ Diese Frage stellte Pfarrer Jost Herrmann zur Halbzeit der Aktion „7 Wochen ohne Plastik“ den rund 50 Anwesenden. Diesmal wurde das Einkaufen ohne Plastik diskutiert.
Schongau – „Zahnpasta, Medikamente, dabei auf Plastik zu verzichten, geht gar nicht“, meinte eine Besucherin. „Ich fand es schrecklich schwer, beim Einkaufen auf Plastik zu verzichten“, gab eine andere zu. Die Produkte aus dem Kühlregal, Kekse, Gummibärchen, Kosmetika – alles ist feinsäuberlich in Plastik verpackt.
Ein weiterer Plastikfaster wurde im Zuge des Kunststoffverzichts zum Selbermacher: Klarspüler für die Spülmaschine, Badezusätze, Knuspermüsli, Cremes – dank Google kein Problem mehr, Rezepte dafür zu finden. Für das Gummibären- und Keksproblem hatte Pfarrerin Julia Steller eine ganz pragmatische Lösung: „Einfach mehr Kuchen essen!“
„Die Stimmung in meiner Familie ist schlecht“, berichtete ein teilnehmender Veganer. Vegane Wurst oder Tofu gibt es ebenfalls nicht ohne Plastikverpackung.
Nichtsdestotrotz hat sich selbst bei großen SB-Märkten schon etwas getan, wie Serkan Vural, Qualitätsbeauftragter bei real in Weilheim berichtete. „Wir haben sehr viel Plastik, und es gibt Hürden, die man überwinden muss“, gab er zu.
Aber real hat immerhin viel Geld investiert, um neue Maschinen anzuschaffen, damit Kunden ihre eigenen Verpackungsdosen mitbringen können. Ein Angebot, das allerdings bis jetzt nur minimal genutzt wird.
Ein weiteres Projekt ist das wiederverwendbare Obst- und Gemüsenetz. Die einzelnen Posten können gewogen und gemeinsam ins Netz gepackt werden. Papiertüten sind laut Vural keine Lösung. Bei der Herstellung falle siebenmal mehr Energie an als bei Kunststoff.
Ebenfalls schwierig zu lösen ist das Problem, dass Bioobst- und Gemüse im Supermarkt in Plastik verpackt ist. Der Gesetzgeber verlangt eine eindeutige Trennung. Bei real ist man im Zuge dessen komplett auf unverpackte Bio-Bananen umgestiegen. Bei anderen Obstsorten gibt es Versuche, die Schalen zu lasern.
Das Trennungsproblem haben Michael Sendl (Biomichl) und Klaus Grundner (Pfifferling) nicht. Da sie nur Bioware anbieten, entfällt die Verpackungspflicht. Nur bei Ruccolasalat wird wegen der Frische eine Ausnahme gemacht.
Auch bei Kosmetikartikeln im Bioladen gibt es neue Wege. Die Firma Weleda zum Beispiel arbeitet mittlerweile zu 80 Prozent mit Recycling-Kunststoff. Auch Schokolade ist zum Teil schon in kompostierbare eco-Plastics aus Zellstoff verpackt.
Die 300 Millionen Tonnen Kunststoff, die jährlich weltweit produziert werden, durch Zellstoff zu ersetzen, ist allerdings nicht möglich. „Da sollte man sparen, wo es geht“, so Klaus Grundner. Zum Beispiel, indem man Nachfüllpackungen kauft.
Michael Sendl berichtete vom Aufwand, lose Artikel hygienisch einwandfrei und schädlingssicher zu lagern. Zudem arbeitet er in seinem Geschäft mit fettfesten Papiertüten und Pfand-Glasbehältern. Letztere werden allerdings nach Rückgabe noch einmal im Haus gespült. „Manche Kunden kommen mit total versifften Behältern, die kann man nicht mal auf die Theke stellen“, berichtete er. Der zusätzliche Aufwand ist für ihn allerdings selbstverständlich: „Die Welt werden wir nicht verändern, ohne dass wir uns das etwas kosten lassen!“
Dass man auch in der Modebranche nicht einfach auf Plastik verzichten kann, berichtete Eva Maurer, die in Schongau ein Geschäft für nachhaltige Mode führt. Der Kunde sieht allerdings nichts davon, dass die Ware höchst aufwändig verpackt angeliefert wird.
Die abschließenden Tipps der Händler an die Konsumenten: Jeder einzelne muss sich Gedanken machen, wie er sein Leben gestaltet. Auf Fleisch und Meeresfisch zu verzichten, schont Ressourcen, nur saisonale Waren zu kaufen, könnte aufwändige Transporte vermeiden, generell weniger Konsum- und Lifestyle-Güter zu kaufen ist der beste Weg, die Umwelt zu schonen.
VON URSULA FRÖHLICH
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